Die Saison ist zu Ende, die Jagdsaison hat begonnen. Die Jagd nach Neuigkeiten. Planica bietet neben der größten Skiflugschanze auch die größte Börse, was Gerüchte anbelangt. Wer hört auf, wer macht weiter, wer geht wohin?
Nie in den letzten Jahren gab es so viel an der Gerüchtebörse zu handeln wie bei diesem Saisonfinale.
Denn neben den bereits feststehenden Abgängen von Tommi Nikunen in Finnland und Peter Rohwein in Deutschland kam auch Hannu Lepistö dazu, bisher Cheftrainer in Polen. Dieser erfuhr - so hörte man zumindest - vom Ende seiner Tätigkeit aus den Medien und ward in Planica nicht mehr gesehen. So waren drei (gute!) Sitze frei geworden, das Rennen begann.
Es gab neben den genannten Fakten eine Menge an Spekulationen, man darf auch Gerüchte sagen. "Reizvoll" in dicken Anführungszeichen und so nachgefragt deshalb, weil sie im WeltcupZIRKUS alle irgendwie denkbar erscheinen. Ari-Pekka Nikkola in Slowenien? Möglicherweise weg, dafür nach Finnland, weil dort Nikunen weg ist. Richard Schallert in Tschechien? Möglicherweise auch weg. Matjaz Zupan? Möglicherweise ebenfalls in Tschechien weg und zurück nach Slowenien, wo er vor kurzem noch vom Hof gejagt wurde, wo jetzt aber ja möglicherweise Nikkola weg ist. In Deutschland? Sie ahnen es: Je nachdem, wer als neuer Chef kommt, vielleicht alle weg (also, z.B. die diversen Stützpunkttrainer aus Österreich). Oder übernimmt statt des aktuellen Topfavoriten Andreas Bauer Heinz Kuttin zusammen mit Stefan Horngacher die DSV-Adler? Oder vielleicht gehen die beiden zusammen nach Polen. Da waren sie schon mal, und nach Lepistös Ausscheiden wären ja Plätze frei.
Damit hätten wir mal eine kleine Runde mit dem Karussell gedreht. Planica sollte sich ernsthaft bei Toyota (Stichwort: "Nichts ist unmöglich") um ein Sponsorenengagement bemühen. Denn in der Tat: Das geht alles. Selbst Ideen wie Gerd Siegmund als neuer Chef der deutschen Springer sollte man nicht leichtfertig abtun.
Und Berni Schödler? Nach sieben erfolgreichen Jahren als Cheftrainer der Schweizer ging er in den Nachwuchsbereich, um in seinem Heimatland Talente zu fördern. Nun wird er nach einem Artikel in der FAZ vom vergangenen Samstag eine Art Superminister in Sachen Skisprung in - Russland. Dieses letzte Beispiel mag belegen: Anything goes! Aber etwas Ruhe sollte man selbst bei dem hohen Tempo, das das Karussell aufgenommen hat, bewahren: Nur wenig ist wirklich sicher, wie ein kurzer Anruf von skispringen.com bei Berni Schödler bestätigte: "Unterschrieben ist gar nichts". Das heißt nicht, dass es nicht so kommen kann. Nur, dass es noch (lange?) nicht so weit ist. Zuvor wird an der Börse heftigst weiter gehandelt.
Es wird in ein paar Wochen interessant sein zu sehen, wessen Papiere wirklich gute und beständige Kurse haben. Und wer mit den berühmten Zitronen gehandelt hat. Schließen wir mit einem Satz des (in der Tat) weisen Kari Ylianttila, immer noch Chef in Japan, vom Planica-Wochenende. Er antwortete auf die scherzhaft gemeinte Frage "Wie sieht es denn bei Ihnen aus, sind Sie nächstes Jahr noch hier?": "Ach, es werden alle noch hier sein. Nur in anderen Jacken". Wer welche anzieht? Abwarten!