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  Der Typ des Winters: Sigurd Pettersen

Auf diesen Mann hat (nicht nur) das norwegische Skispringen gewartet.
Bereits bevor der Winter in Kuusamo begonnen hatte, waren die norwegischen Tageszeitungen voll von Artikeln über Sigurd Pettersen.
Pettersen und das norwegische Team hatten zwei Wochen vor Weltcupbeginn ihre Zelte in Lillehammer aufgeschlagen um zu trainieren.
Zum gleichen Zeitpunkt trainierte in Lillehammer auch das DSV- Team mit Sven Hannawald.
Und der Nobody Pettersen war so unglaublich frech, dass er Sven Hannawald im Training rund zehn Meter an Weite pro Sprung abnahm.
Alleine dieser Umstand ließ die norwegischen Pressevertreter in Scharen an die Schanze von Lillehammer strömen um euphorisch vom Training der Norweger zu berichten.

Und Pettersen hatte im Training nicht zu viel versprochen.
Der 22-jährige, 1,80 Meter große Mann aus Veggli, 3000-Einwohner-Ort, zweieinhalb Autostunden von Oslo entfernt, sorgte mit den Plätzen vier und sechs bei der Weltcuperöffnung in Kuusamo für das lang ersehnte Erfolgserlebnis im norwegischen Team.

Doch die eigentliche Explosion erlebte Norwegen dann am darauffolgenden Wochenende von Trondeim.
Nach über 1.500 Tagen stand endlich wieder ein Norweger ganz oben auf dem Treppchen.
Mit zwei erstklassigen Sprüngen katapultierte sich Sigurd Pettersen am Sonntag von Trondheim zur Unsterblichkeit.
Keine norwegische Tageszeitung die nicht am Montag nach Trondheim auf der Titelseite reichlich Platz gehabt hätte für den neuen 'strahlenden Sportheld' Norwegens.
Das Bild das die norwegischen Zeitungen nach Trondheim zeigten war dann auch kein gewöhnliches Siegerbild.
Es war das Bild eines Sigurd Pettersen der sich, stellvertretend für ein ganzes Land, den Frust über eine viel zu lange Erfolglosigkeit aus der Seele schreit.
Norwegen war wieder da.

Natürlich hat Norwegens Trainer Mika Kojonkoski erheblichen Anteil am schlagartigen Erfolg von Pettersen, aber springen tut Pettersen dann doch selber.
Platz 74 in der Endabrechnung des Gesamtweltcups, resultierend von einem 25. Platz in Hakuba hatte Pettersen vor dem Start in Kuusamo aus dem vergangenen Winter als Referenz vorzuweisen.
Unübersehbare sportliche Parallelen zu Martin Schmitt vor vier, und Adam Malysz vor zwei Jahren werden sichtbar.

Erstaunlich dabei wie routiniert und abgeklärt Pettersen an den Schanzen auftritt. Als wäre es die normalste Sache der Welt, dass sich Heerscharen von Journalisten um ihn reihen.
Gerade so, als würde er schon seit vielen Jahren im Rampenlicht stehen, agiert Pettersen bereits seit Kuusamo an den Schanzen. Der Norweger ist 'ein Typ', der nicht nur durch seine sportlichen Höchstleistungen bei den Zuschauern ankommt.

Kein Problem, dass Pettersen am Sonntag von Neustadt mit einem 106-Meter Hüpfer den zweiten Durchgang nicht erreichte. Pettersen hat die Qualitäten und das Potenzial zum Superstar, in Engelberg wird er seine Qualitäten wieder unter Beweis stellen können.

Man muss vorsichtig sein mit Prognosen beim Skispringen, aber wer am Ende des Winters die Nase ganz vorn haben will, muss besser sein als Martin Hoellwarth und als Sigurd Pettersen.
Das zu erreichen wird für alle anderen sehr schwer werden.

Lillehammer

Aftenposten, 09.12.2002








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