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  Auf den Spuren von Florian Liegl: Manuel Hahne
Sie kennen sich nicht und in Natura haben sie sich noch nie gesehen. Beide verbinden eigentlich nur zwei Eigenschaften: Beide sind Skispringer und beide sind überdurchschnittlich groß.
Der eine war der Newcomer des Winters im Skisprung-Weltcup des vergangenen Jahres, der 20-jährige Österreicher Florian Liegl. Der andere ist ein gewisser Manuel Hahne aus
Hinterzarten.

1,94 Meter Körpergröße erfordern Sonderanfertigung
Die Geschichte mit den Sprungskiern des Florian Liegl dürfte so ziemlich jeder Skisprunginteressierte (zumindest am Rande) mitbekommen haben.
Wegen seiner Körpergröße von 1,94 Meter gab es keine Skier die Florian Liegl eine seiner Körpergröße entsprechende Skilänge bieten. Also wurden vom österreichischen Ski-Hersteller Blizzard kurzerhand Spezial-Ski mit der stolzen Länge von 2,81 Meter für Florian Liegl angefertigt.
(Erlaubt ist laut FIS-Reglement eine Skilänge von max. 146% der Körpergröße.)
Die Erfolge, die Liegl im vergangenen Winter mit seinen "extra- langen Liegl-Latten" erzielte sind hinlänglich bekannt. Nicht nur durch seinen Sieg beim Skifliegen in Bad Mitterndorf sorgte Liegl für Aufsehen. Als absoluter Neuling gestartet, landete Liegl am Ende des Winters auf Rang fünf des Gesamtweltcups und war damit die eigentliche Sensation des Winters.
Um so erstaunlicher, da Liegl seine Karriere eigentlich schon beendet hatte, und nur dank massivem Zureden (unter anderem von Toni Innauer) noch einmal die Skier "vom Nagel abgehängt hatte".

"Versuchen muss man alles"
So weit so gut. Was aber tun, wenn man wie Liegl 1,94 Meter groß und Skispringer ist, allerdings erst 17 Jahre alt und die Klasse eines Florian Liegl auch noch nicht annähernd erreicht hat?
Da ist natürlich nicht einmal im Traum daran zu denken, dass
man in den Genuss solch exklusiver Latten kommen könnte wie sie einem Liegl auf den Leib geschneidert wurden.
Aber an die alten, die gebrauchten Ski vom 'Flo' Liegl, an die müsste doch irgendwie ranzukommen sein. Genau das dachte sich Manuel Hahne, 17-jähriger Nachwuchsmann vom SC Hinterzarten.
Hahne, im zarten Alter von 14 Jahren bereits auf 132 Meter gesegelt (Hochfirstschanze Neustadt) kann sich seit einiger Zeit nicht so recht weiter entwickeln. Talent und Potenzial sind zweifellos vorhanden, aber die Erfolge wollen sich seit geraumer Zeit nicht einstellen. "Versuchen muss man alles", frei nach diesem Motto wurden von Hahne bzw. vom Ski-Club Hinterzarten in Person von Jugendtrainer Gert Hübner Anfragen an die Firma Blizzard gesandt. Zunächst erfolglos.

Aber irgendwann kam dann im Frühjahr plötzlich eine außergewöhnlich lange Sendung aus Österreich beim Ski-Club in Hinterzarten an. Absender war die Firma Blizzard, Inhalt war ein Paar, zwar gebrauchte, ansonsten aber tadellose 'Liegl-Latten'.

"Man kann das als Nachwuchs-Förderung verstehen"
"Es war nicht einfach einen Ski für Manuel Hahne abzuzweigen" sagt Christian Teschel, Verantwortlicher der Abteilung Skispringen im Hause Blizzard rückblickend. "Denn es gab ja nur die Skier, die speziell für Florian Liegl gefertigt worden waren. Mit diesen Skiern ist der Florian natürlich häufig am Experimentieren und eigentlich braucht er sie alle".
Aber geklappt hat es am Ende doch.
Überlassen wurden die Skier dem jungen Mann aus Hinterzarten kostenfrei. "Man kann das unter der Rubrik Nachwuchsförderung der Firma Blizzard einordnen, die Skier waren ja auch gebraucht" sagt Teschel. Besonders im Fall Hahne sehr wichtig, denn Hahne gehört keinem Kader an, muss also einen großen Teil der Trainings- und Ausrüstungskosten selber finanzieren.

Eigenes 'Päärchen" in Aussicht
Sollte Hahne mit den Skiern gut zurecht kommen, wurde von Blizzard Bereitschaft signalisiert, dem Mann aus Hinterzarten für den kommenden Winter ein eigenes, ein neues Paar Skier anzufertigen.
Die ersten Erfahrungen von Hahne sind dann auch ausgezeichnet: "Es ist ein ganz anderer Zug drin" resümiert der Hühne die Erfahrungen seiner ersten Sprünge. Zu den Skiern wurden kurzerhand auch noch neue, passende Schuhe (Schuhgröße 47) der Firma Rass angefertigt. Denn auch bei den Schuhen musste sich Hahne bis dato mit Material begnügen, das eigentlich eine Nummer zu klein für ihn gewesen war.

Die Konkurrenz schläft nicht
Inzwischen ist Blizzard nicht mehr der einzige Hersteller von Latten in 'Übergröße'. Auch Fischer baut momentan an einem Ski mit diesen außergewöhnlichen Maßen. Allerdings hat Fischer aber derzeit wohl noch Probleme die Schwingungen und die Steifigkeit der langen Skier unter Kontrolle zu bekommen.

Unter Kollegen
Ohne es zu wissen hat Florian Liegl seinem 'Kollegen' Manuel Hahne auch in einem ganz anderen Punkt Unterstützung geboten: die Stimmen von Trainern und Betreuern, die da immer wieder zu hören waren, dass Hahne zu groß, seine Gliedmassen zu lang seien für das Skispringen, sind schlagartig verstummt seit den konstanten Erfolgen des Florian Liegl im vergangenen Winter.

Ob sich der Erfolg mittel- oder langfristig bei Manuel Hahne einstellt, hängt zweifellos von vielen weiteren Faktoren ab. Das Material das dem jungen Mann aus Hinterzarten jetzt zur Verfügung steht, ist jedenfalls erstklassig, daran kann es nun nicht mehr liegen.

Vielleicht haben Liegl und Hahne ja einige Minuten Zeit sich kennen zu lernen und sich zu unterhalten, wenn Liegl beim Sommer-Grand-Prix mit dem ÖSV-Team in Hinterzarten am Start ist. Zu erzählen hätten sie sich sicherlich einiges, so ganz unter vier Augen in ca. 1,85 Meter Höhe.
 
Manuel Hahne

Florian Liegl


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