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Als am Samstag vormittag deutlich wurde, dass
viel zu viele Zuschauer in den Schanzenbereich
der Wielka-Krokiew-Schanze gelassen worden waren,
war es schon zu spät.
Auf den Wegen an und zu der Schanze spielten
sich dramatische Szenen ab.
Ordner wollten verhindern, dass sich Zuschauer
von den vorgesehen Wegen über Zäune
in andere Bereiche bewegen, und lösten
damit fast eine Katastrophe aus.
Die Ordner stoppten durch ihre rabiate Vorgehensweise
den regulären Zuschauerstrom.
Von nachströmenden Zuschauern wurde der
Druck auf die Personen, die sich bereits auf
dem Zugangsweg befanden, immer größer.
Hilflos griffen die Zuschauer nach allem, was
in irgend einer Weise als Halt dienen konnte.
So, und zwar genau so begannen in den vergangenen
Jahren Tragödien in Sportstadien.
Das ganze geschah über zwei Stunden vor
dem eigentlichen Wettkampf. Unmittelbar im Auslaufbereich
kam es zu weiteren turbulenten Szenen, bei denen
Zuschauer aus ähnlichen Gründen von
einer Brücke stürzten.
Die geschätzt 80.000 Zuschauer waren bereits
im Schanzenbereich. Schadensbegrenzung musste
also die Devise der FIS an diesem Tag sein.
Im Abstand von fünf Minuten wurde mit dem
Abbruch des Springens gedroht, falls sich die
Zuschauer nicht an die Anweisungen der Ordner
halten.
"Entscheidendes Argument gegen einen Abbruch
zu diesem Zeitpunkt war, dass die Stimmung unter
den Zuschauern in keiner Weise agressiv war",
sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer am Montag
rückblickend.
Nicht das Verhalten der Zuschauer war Ursache
des Problems, sondern die unglaubliche Menge
an Menschen.
Wo die Besucher ihre Eintritskarten her hatten,
wird wohl auf immer ein Geheimnis bleiben.
Die Zustände an der Schanze waren jedenfalls
so chaotisch, dass man ein Springen normalerweise
nicht hätte durchführen dürfen.
Ein Abbruch hätte aber am Samstag ein neues,
unnötiges Risiko für die Besucher
bedeutet.
Die Durchführung des Springens am Samstag
war die einzig richtige Entscheidung.
Zeugen berichteten, dass, als sich oben schon
die dramatischen Szenen abspielten, auf den
Straßen vor dem Stadion immer noch EIntrittskarten
verkauft wurden.
Über die Anzahl der Verletzten konnten
wir keine verbindlichen Aussagen bekommen, die
Krankenwagen, sofern sie durch die Menge kamen,
waren jedenfalls stark ausgelastet.
Angesichts der Menschenmengen ging der Samstag
noch ausgesprochen glimpflich über die
Bühne.
Am Samstag Abend gab es dann aber von Hofer
deutliche Worte in Richtung des Veranstalters.
Der vom Veranstalter angekündigte "Versuch",
eine ähnliche Situation am Sonntag zu verhindern,
war kein Thema.
"Entweder am Sonntag ist die Sicherheit
garantiert, oder es findet kein zweites Springen
in Zakopane statt", so Hofer kompromisslos.
Bereits am Samstag Abend wurden vom Veranstalter
zwei zusätzliche Hundertschaften Polizei
angefordert.
Bis tief in die Nacht wurden die Einsatzpläne
für den nächsten Tag an der Schanze
ausgearbeitet. Neue Zäune und neue Bereiche
wurden festgelegt.
Am Sonntag dann wieder eine unglaubliche Anzahl
an Besuchern, allerdings mit einem funktionierenden
Sicherheitssystem - risikolos. Soweit das bei
80.000 Menschen auf einem so engen Raum möglich
ist.
Der Sonntag von Zakopane war angesichts der
80.000 Zuschauer in Sachen Atmosphäre zweifellos
ein Höhepunkt in diesem Weltcup-Winter.
Walter Hofer hat mit seinem Team sowohl am Samstag
als auch am Sonntag einmal mehr seine Fähigkeiten
als exzellenter Krisenmanager bewiesen.
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