Exklusiv: Pekka Niemelä spricht über Finnlands Krise

Kurz vor Saisonende schließt Pekka Niemelä einen Rücktritt aus. “Ich gehe davon aus, dass ich Cheftrainer bleibe”, sagt Finnlands Chefcoach im Interview bei skispringen.com. Er verrät, wie man sich aus der Krise befreien möchte.

Die Kritik an Finnlands Cheftrainer Pekka Niemelä nimmt kein Ende. Schon während der desaströsen Saison 2012/2013 forderten viele Verantwortlichen seinen Rücktritt bzw. eine Ablöse durch Mika Kojonkoski. Im exklusiven Interview mit skispringen.com-Redakteurin Anna Baumgartner schließt er das allerdings aus und erklärt mögliche Gründe, weshalb man sich in einer Krise befindet, sowie die verschiedenen Lösungsansätze.

Herr Niemelä, das finnische Skispringen befindet sich momentan in einer Krise. Wo liegen die Ursachen hierfür und was muss Ihrer Meinung nach nun passieren?

Pekka Niemelä: Als ich 2010/2011 als Cheftrainer in Finnland begonnen habe, lief alles gut. Wir waren auf sehr hohem Niveau und hatten gute Weltcup-Platzierungen. Damals hätte ich nicht gedacht, dass wir in eine derartige Krise geraten. Innerhalb von kurzer Zeit haben wir sehr starke Athleten verloren. Ville Larinto und Janne Happonen zogen sich ernsthafte Knieverletzungen zu, außerdem haben Harri Olli, Janne Ahonen und Matti Hautamäki ihre Karriere beendet. Schließlich hat sich auch noch Anssi Koivuranta verletzt.

Welche Schritte werden unternommen, um sich aus dieser Krise zu befreien?

Niemelä: Das finnische Skispringen befindet sich auch in finanzieller Hinsicht in einer Krise. Ich habe nun einen 19-seitigen Bericht darüber verfasst, wie man das Skispringen unterstützen kann, damit es wieder aufwärts geht. Im Moment geht es genau darum, herauszufinden, warum wir in ein derartiges Loch gefallen sind. Als wir sehr stark waren, wurden bereits einige Fehler gemacht – es wurde nichts in die Juniorenarbeit investiert, sodass uns nun eine starke junge Generation fehlt. Bis auf Ville Larinto haben wir bzw. die jeweiligen Skivereine kaum junge Athleten hervorgebracht. Wir wollen ein starkes Team für Olympia aufbauen und die Springer soweit unterstützen, dass sie ihr volles Leistungspotenzial ausschöpfen können. Daran arbeiten wir momentan, auch wenn diese Arbeit unheimlich schwer fällt.

Es wird also das gesamte System neu geordnet?

Niemelä: Ja, darum geht es. Wir sind inzwischen wieder richtig in den Verband eingegliedert, zudem möchte uns Mika Kojonkoski im Olympischen Komitee Unterstützung bieten. Mit Hilfe einer angemessenen Kooperation können wir dafür sorgen, dass es wieder aufwärts geht.

Das klingt aktuell noch wenig konkret. Was genau muss speziell aus Ihrer Sicht verbessert werden?

Niemelä: Ich vermisse als Cheftrainer auch administrative Unterstützung. In den letzten Jahren bestand mein Job nicht nur im Trainieren, sondern ich hatte auch viele andere Aufgaben zu bewältigen. Ich hoffe, mich in der Zukunft wieder mehr auf den Trainingsalltag konzentrieren zu können.

Sie gehen also davon aus, auch weiterhin als Cheftrainer in Finnland tätig zu sein. Einige Verantwortlichen haben sich ja für einen Trainerwechsel ausgesprochen – unter anderem war Mika Kojonkoski im Gespräch.

Niemelä: Natürlich kann ich das nicht sicher sagen, da die Entscheidung nicht nur in meiner Hand liegt. Aber aktuell gehe ich davon aus, dass ich weiterhin Cheftrainer bleibe. Aber ganz egal wer Trainer ist: Zuerst muss genau analysiert werden, wie wir in eine so schwierige Situation geraten konnten. Die Zusammenarbeit muss in Zukunft besser gestaltet werden, das Vertrauen muss wieder hergestellt werden. Wir müssen dafür sorgen, dass die Trainer in den verschiedenen Clubs besser ausgebildet werden und der Spaß am Skispringen zurückkehrt. Dann haben wir natürlich die Möglichkeit, wieder zurückzukommen.

Janne Ahonen machte zuletzt auch die Trainingsmethoden dafür verantwortlich, dass man sich in dieser Krise befindet. Muss in diesem Bereich etwas geändert werden?

Niemelä: Ja, die Trainingsmethoden müssen geändert werden. Es fehlt tatsächlich die Kraft, aber auch im technischen Bereich gibt es viel zu verbessern. Diese Probleme kann ich aber nicht während der Wettkampfphase anpacken. Wichtig ist es, dass wir eine klare Struktur in die Arbeit bekommen: Bisher war es so, dass auf zehn Springer etwa 15 verschiedenen Trainer kamen. Die meisten von ihnen sind keine ausgebildeten Trainer, auch wenn sie mit viel Engagement bei der Sache sind. Trotzdem fehlt die Abstimmung untereinander – und momentan bekommen wir die Auswirkungen dessen zu spüren.

Seit dieser Saison trainiert der Este Kaarel Nurmsalu mit dem finnischen Team zusammen und wird im Weltcup immer besser. Woran liegt es, dass es bei Nurmsalu gut läuft und bei den finnischen Athleten nicht?

Niemelä: Das ist ein wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Tatsächlich trainiert Kaarel nach den Trainingsmethoden des finnischen Nationalteams und bei ihm ist eine positive Entwicklung erkennbar. Er trainiert unter meinem Assistenztrainer Topi Sarparanta und verfolgt somit immer dieselbe Linie im Technik- und Krafttraining. Genau das unterscheidet ihn von unseren Athleten, die in ihren jeweiligen Heimclubs anders trainieren als beim gemeinsamen Training in der Nationalmannschaft. Daher denke ich, dass eine einheitliche Linie vielleicht der Schlüssel zum Erfolg sein könnte.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf dem weiteren Weg!