Ist die Skiflug-Revolution sinnvoll?

Die FIS möchte das Skifliegen revolutionieren und wird schon im Sommer einen neuen Wettkampfmodus testen. Doch ist das neue Format durchdacht? Zwei skispringen.com-Redakteure argumentieren.

Pro: Regeländerung macht das Skifliegen interessanter
von Maximilian Villis

Das neue Skiflug-Wettkampfformat sollte auf positive Rückmeldungen stoßen. Schon immer ist Skifliegen ein besonders spektakuläres Ereignis – mit einem neuen und einzigartigen Wettkampfmodus wird der Stellenwert zusätzlich erhöht. Dass man ohne Weltcuppunkt erst gar nicht an der Qualifikation teilnehmen kann, wird die Qualität des Teilnehmerfeldes erhöhen und macht auch aus sicherheitstechnischen Gründen Sinn. Skispringer, die auf den gewaltigen Flugschanzen hoffnungslos überfordert sind und auf dem Vorbau landen, werden wir zukünftig seltener sehen.

Auch der Umstand, dass jeder Durchgang inklusive Qualifikation für das Endergebnis zählt und die Athleten somit bei jedem einzelnen Flug bestmögliche Leistung liefern müssen, macht das Geschehen interessanter. Dadurch dass die Punkte aus drei Durchgängen das Endergebnis bilden, ist der Sieger verdienter denn je. Das ist auch für die Zuschauer von Vorteil, schließlich wird der Qualifikationsdurchgang somit deutlich aufgewertet.

Zudem ist die Einteilung der 40 Athleten in vier Gruppen ist interessant: Vor allem schwächer einzuschätzende Springer haben somit bessere Chancen, den Finaldurchgang zu erreichen – schließlich müssen sie sich nicht gleich mit dem kompletten Teilnehmerfeld messen. Dass es auch Außenseiter mit einem guten Einzelsprung schaffen, vier Athleten hinter sich zu lassen, ist durchaus denkbar.

Die Regeländerungen verleihen dem Skifliegen ein Alleinstellungsmerkmal, das die Wettkämpfe vom klassischen Skispringen abhebt und für den Zuschauer interessanter und spannender macht. Gelingt es, den neuen Wettkampfmodus auch im Fernsehen gut darzustellen, ist diese Revolution nur zu begrüßen.


Contra: Undurchschaubar und unfair
von Sebastian Theuner

Die FIS möchte dem Skifliegen ein Alleinstellungsmerkmal verleihen – doch warum? Immerhin hebt sich das Skifliegen schon durch die imposanten Schanzenanlagen sowie die sehr großen Weiten vom Skispringen deutlich ab. Skiflug-Veranstaltungen sind Jahr für Jahr absolute Highlights im Weltcup-Kalender, die spektakulären Flüge der waghalsigen Athleten locken regelmäßig tausende Zuschauer nach Oberstdorf, Planica oder Vikersund.

Aufgrund der Gruppenausscheidung, die weniger an Skispringen oder Skifliegen als an die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft erinnert, schaffen es nicht unbedingt jene 24 Athleten ins Finale, welche von allen die größte Punktzahl erzielt haben, sondern nur diejenigen, die sich auch in ihren jeweiligen Gruppen durchgesetzt haben. Vergleichbar ist diese Durchführung mit dem K.o.-System der Vierschanzentournee – genau wie bei der Traditionsveranstaltung ist es von nun an auch beim Skifliegen denkbar, dass sich ein Athlet, welcher sich nach den ursprünglichen Regeln für den entscheidenden Durchgang qualifiziert hätte, nun plötzlich trotz guter Leistung in der Zuschauerrolle wiederfindet. Nicht die besten Sportler kämpfen am Ende um den Sieg mit, sondern lediglich jene, denen es gelungen ist, in ihrer Gruppe mindestens vier Konkurrenten hinter sich zu lassen. Fair ist das nicht.

Überhaupt ist der neue Wettkampfmodus an Komplexität kaum zu überbieten. Gate- und Windregel sind im Sinne der Fairness und Durchführbarkeit zwar von Nöten, haben aber ebenso zu einer ansteigenden Komplexität des Sports beigetragen. Durch die nun beschlossene Modifikation des Skifliegens dürfte die Verwirrung beim Fan nun vollends perfekt sein. Auch die Tatsache, dass sogar der Qualifikationsdurchgang zum Endergebnis beiträgt, wird den Zuschauern nur schwer zu vermitteln sein.

Die beschlossenen Regeländerungen machen den Sport unnötig kompliziert und werden die Zuschauer verwirren. Es ist zu hoffen, dass es bei einer Sommer-Testphase bleibt und man anschließend zum alten System zurückkehrt.

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