Tops & Flops: Kraft und Wellinger fliegen davon

Stefan Kraft und Andreas Wellinger heißen die überragenden Skispringer beim Skifliegen in Oberstdorf. Schlierenzauer bleibt vom Pech verfolgt, Domen Prevc beweist, dass er es selbst mit den größten Schanzen der Welt aufnehmen kann. Gewinner und Verlierer.

Zwei Mal Schanzenrekord für Andreas Wellinger

Dass Andreas Wellinger derzeit zur absoluten Weltspitze im Skispringen zählt, hatte der 21-jährige schon zuletzt ausreichend bewiesen. Bereits zum Ende der Vierschanzentournee war eine aufsteigende Form erkennbar, spätestens seit seinem zweiten Weltcupsieg der Karriere vor gut einer Woche in Willingen sind auch die letzten Kritiker verstummt. Mit zwei zweiten Plätzen beim Skifliegen in Oberstdorf zeigte Wellinger, dass mit ihm auch auf den ganz großen Schanzen zu rechnen ist. Seine Flüge auf 234,5 Meter am Samstag sowie 238 Meter am Sonntag bedeuteten jeweils Schanzenrekord auf der umgebauten Heini-Klopfer-Skiflugschanze.





Dass es für Wellinger trotz Top-Weite in beiden Wettkämpfen jeweils nicht ganz zum Sieg reichte, trübte die Stimmung kaum. Ein Triumph am Sonntag scheiterte lediglich am fehlenden Telemark bei der Landung, den Wellinger in diesem hohen Weitenbereich nicht mehr setzen konnte. Sieger Stefan Kraft profitierte von der anschließenden Anlaufverkürzung und landete bei 235,5 Metern mit blitzsauberem Ausfallschritt. “Wir hatten an diesem Wochenende ein geiles Duell auf einem hohen Niveau und es hat viel Spaß gemacht. Was das Ergebnis angeht, war Stefan heute besser, aber ich habe den Schanzenrekord aufgestellt und insofern können wir beide zufrieden sein”, zeigte sich Wellinger nach der Absage des zweiten Durchgangs dennoch versöhnlich.

Restliches DSV-Team wechselhaft

Im DSV-Team ist der junge Deutsche derzeit die unangefochtene Nummer eins und hat die Rolle vom verletzten Vorzeigespringer Severin Freund eingenommen. Seine Teamkollegen hingegen konnten beim ersten Skifliegen der Saison nicht restlos überzeugen. Während Markus Eisenbichler als Achter und Richard Freitag als Zehnter am Samstag noch für ein starkes Mannschaftsergebnis sorgten, war Freitag am Sonntag als Elfter als einziger DSV-Springer neben Wellinger in den Top-20 des Gesamtklassements zu finden.

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Spannend bleibt es im Kampf um die Vergabe der Startplätze bei den am 22. Februar beginnenden Weltmeisterschaften im finnischen Lahti. Wellinger, Eisenbichler und Freitag dürften gesetzt sein, dahinter konnten weder Stephan Leyhe, Karl Geiger noch Andreas Wank entscheidend auf sich aufmerksam machen.

Kraft hat Stoch im Visier

Der große Gewinner des Wochenendes war jedoch der Österreicher Stefan Kraft. Bereits in Willingen hatte sich der zuvor gesundheitlich angeschlagene Kraft mit Platz zwei eindrucksvoll zurückgemeldet, wobei ihm nur 0,3 Punkte auf den siegreichen Andreas Wellinger fehlten. In Oberstdorf wendete sich das Blatt nun, der Vierschanzentourneesieger von 2015 stand nach beiden Wettbewerben ganz oben auf dem Podest.

Vor allem mit seinem Flug auf 235,5 Meter am zweiten Wettkampftag war der 23-jährige hochzufrieden: “Ich glaube, das war einer meiner besten Flüge aller Zeiten.” Wie auch Wellinger schwingt sich Kraft mit den zuletzt gezeigten Leistungen zu einem heißen Medaillenkandidaten für die WM-Wettbewerbe in Lahti auf. Mit der Maximalausbeute von 200 Weltcuppunkten in Oberstdorf bläst er zudem zur Aufholjagd auf den in der Gesamtweltcupwertung noch führenden Kamil Stoch. Lediglich 147 Punkte trennen den derzeit Drittplatzierten Kraft noch vom diesjährigen Vierschanzentournee-Sieger aus Polen.

Schlierenzauer bleibt vom Pech verfolgt

Allerdings gab es Wochenende nicht nur gute Nachrichten aus dem ÖSV-Lager. Überschattet wurde der zweite Wettkampftag von einem schweren Sturz des erst vor wenigen Wochen in den Weltcup zurückgekehrten Gregor Schlierenzauer, der seinen Qualifikationssprung auf 201 Meter nicht stehen konnte. Mucksmäuschen still war es im Stadion, als der 53-malige Weltcupsieger mit starken Prellungen und Blutergüssen abtransportiert wurde. Zunächst wurde gar eine erneute Verletzung im ohnehin lädierten rechten Knie befürchtet. Später folgte jedoch die Entwarnung: Das Kreuzband, welches sich Schlierenzauer im März 2016 gerissen hatte, wurde trotz des heftigen Sturzes wohl nicht in Mitleidenschaft gezogen. Ob der 27-jährige länger ausfallen wird, ist derzeit noch offen.

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Ohne den verletzten Schlierenzauer fiel auch das Mannschaftsergebnis der Österreicher am Sonntag nicht mehr ganz so stark aus wie noch am Samstag, als sich immerhin vier ÖSV-Adler unter den besten 20 platzieren konnte. Neben Stefan Kraft schaffte es einzig Michael Hayböck mit den Plätzen sieben und zehn zweimal unter die Top Ten.

Prominente Unterstützung für starke Polen

Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung machten die erneut starken Polen auf sich aufmerksam. Kamil Stoch schaffte es am Samstag als Dritter aufs Podest, auch der Rest des Teams wusste zu überzeugen und unterstrich seine Favoritenrolle hinsichtlich der Teamwettbewerbe bei den anstehenden Weltmeisterschaften. Prominente Unterstützung erhielt die Mannschaft von Trainer Stefan Horngacher dabei vom polnischen Fußballer Robert Lewandowski. Der Stürmer des FC Bayern zeigt sich beeindruckt von der Kulisse im Skiflugstadion von Oberstdorf und ließ es sich nicht nehmen, vom Anlaufturm aus eifrig Fotos für die sozialen Netzwerke zu knipsen.

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Doch nicht nur der Bayern-Torjäger kam an diesem Wochenende auf seine Kosten, fast 19.000 Zuschauer am Samstag sowie 14.200 Skisprungbegeisterte am Sonntag erlebten eine rundum gelungene Premierenveranstaltung auf der umgebauten Heini-Klopfer-Skiflugschanze, auf welcher im kommenden Jahr die Skiflug-Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Mit vielen Flügen über die 200 Meter-Marke war das Publikum bestens unterhalten. Fast das gesamte Wochenende über herrschten faire Bedingungen im Stillachtal, einzig der starke Wetterumschwung am Sonntag, welcher für die Absage des zweiten Durchgangs sorgte, trübte das Gesamtbild etwas.

Domen Prevc kann es auch beim Skifliegen

Lange waren sich die Verantwortlichen im slowenischen Lager unsicher, ob sie ihren 17-jährigen Schützling Domen Prevc tatsächlich die Freigabe für die Monsterschanze in Oberstdorf gewähren sollten. Schließlich durfte der Gesamtweltcup-Vierte mit dem riskanten Flugstil an den Start gehen und überzeugte dabei mit den Plätzen fünf und sieben auf ganzer Linie. Auch sein älterer Bruder Peter befindet sich wieder auf dem Weg nach ganz oben. Am Samstag noch Sechster, verpasste er das Podest als Vierter am Sonntag nur denkbar knapp. Den Sprung unter die Top drei schaffte stattdessen Landsmann Jurij Tepes, sodass unter dem Strich ein zufrieden stellendes Mannschaftsresultat zu Buche stand.





Im Rahmen ihrer Möglichkeiten präsentierte sich eine dezimierte norwegische Mannschaft. Das Team von Trainer Andreas Stöckl war mit nur drei Athleten angereist, der Rest trainiert aufgrund von Formschwäche in der Heimat. Zumindest Top-Springer Daniel Andre Tande wusste zu überzeugen, der Sprung aufs Podium blieb dem 23-Jährigen mit zwei vierten Plätzen aber wie schon in Willingen erneut verwehrt. Robert Johannson und Andreas Stjernen zeigten solide Leistungen, dennoch bleibt den Norweger auf dem Weg zur WM noch viel Arbeit.

Schwaches Japan, doch Kasai wie eh und je

Schon seit längerem nicht mehr rund läuft es auch im Team der Japaner. In Oberstdorf ließ die Mannschaftsleistung erneut zu wünschen übrig, mit jeweils nur einem Athleten war die Truppe um Trainer Tomoharu Yokokawa im Finaldurchgang vertreten. Dieser jedoch ist weiterhin ein Phänomen für sich. Speziell am zweiten Wettkampftag überzeugte Noriaki Kasai mit einem Flug auf 224 Meter und bewies zum wiederholten Mal, dass er selbst mit 44 Jahren noch auf höchstem Niveau mithalten kann.

  • Konrad

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kraft und Wellinger den Rest der Saison gemeinsam dominieren und sich in Lahti um WM-Gold duellieren. Der Spannung würde es guttun!

  • Anna-Lena

    Wahrscheinlich noch mit Prevc.