Sprungschuhe zu groß

„Ich war naiv“: Top-Skispringer bei Olympia disqualifiziert

Foto: imago / Sven Simon

Ein kleiner Messfehler mit fatalen Folgen: Daniel Tschofenig verliert auf der Großschanze alle Chancen auf eine olympische Medaille durch eine Disqualifikation.

Der Traum von olympischem Edelmetall auf der Großschanze endete für Daniel Tschofenig am Samstagabend auf die wohl bitterste Art und Weise. Nach dem ersten Durchgang lag der Kärntner, der im vergangenen Winter noch den Gesamtweltcup und die Vierschanzentournee dominiert hatte, auf dem aussichtsreichen achten Rang. Doch anstatt im Finale zum Angriff auf die Medaillen ansetzen zu können, wurde er disqualifiziert.

Die Ursache für das vorzeitige Aus klingt fast banal: Tschofenigs Skischuhe waren um genau vier Millimeter zu groß. Seit den Vorfällen bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr schauen die Regelhüter besonders genau hin, da größere Modelle mehr Bewegungsfreiheit im Knöchelbereich ermöglichen können.

„Den Unterschied spürt man einfach nicht“

Im ‚ORF‘ zeigte sich der 23-Jährige nach der Entscheidung sichtlich geknickt und suchte die Schuld ausschließlich bei sich selbst. Er habe schlichtweg versäumt, das Material vor dem Wettkampf noch einmal eigenhändig zu prüfen. „Ich war leider so naiv und habe nicht nachgemessen“, gab sich Daniel Tschofenig nach dem ersten Durchgang zerknirscht. Er erklärte weiter, dass man die Schuhe normalerweise sogar „immer ein bisschen kleiner nehmen, als was draufsteht“.

Warum die Kennzeichnung diesmal nicht mit der Realität übereinstimmte, blieb für den Österreicher ein Rätsel. „Ich hatte die Hoffnung bzw. war ich so naiv, zu glauben, dass es ein richtiger 42er ist. Den Unterschied spürt man zudem einfach nicht bei den paar Millimetern“, so die Analyse des Top-Springers. Die Einsicht über das Versäumnis wog schwerer als der technische Defekt selbst. „Das war extrem blöd von mir. Ich hätte ihn einfach nachmessen können, das Gerät haben wir ja“, lautete sein ehrliches Fazit.

Östeerreich weiterhin ohne Olympia-Medaille

Trotz der persönlichen Enttäuschung verzichtete Tschofenig auf Kritik an der strengen Linie der Jury. Er akzeptierte die Entscheidung als Teil des Sports, der gerade in Materialfragen keine Grauzonen zulässt. „Regeln sind Regeln. Solange man es bei allen durchzieht, passt es so“, merkte er an.

Für das österreichische Team blieb es ein schwieriger Wettbewerb, nachdem Stefan Kraft bereits nach 134 Meter und Platz 36 im ersten Durchgang die Segel streichen musste. Jan Hörl und Stephan Embacher retteten mit den Plätzen fünf und sieben immerhin die Ehre des ÖSV, der im Skispringen nach vier von sechs Olympia-Entscheidungen aber weiterhin ohne Edelmetall dasteht.

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5 Kommentare

  1. Zu naiv????????????????????
    Also bitte…Wenn man als Topprofi soooo naiv ist dann gehört man schon allein deshalb abgewatscht.

  2. Ich finde die Situation sehr seltsam. Ich habe ja auch schonmal mit dicken Füßen zu kämpfen, aber da sind die Schuhe eher zu eng als zu weit und die Länge der Füße bleibt eigentlich gleich. Hat Tschofenig die Schuhe von einem Kollegen mit größeren Füßen genommen? hat nicht jeder Athlet seine eigenen Schuhe? Trägt er diese Schuhe bei diesem Wettbewerb zum ersten Mal? Hätte er sich die Fußnägel erst nach Olympia schneiden sollen? 4 mm sind übrigens etwa eine halbe Schuhgröße und ich persönlich merke da schon einen Unterschied.

    Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber mir fällt einfach kein Grund ein, warum seine Schuhe plötzlich länger oder seine Füße plötzlich kürzer geworden sein könnten. Vielleicht kann mich ja jemand aufklären.

  3. Bei aller gerechtfertigter Strenge schüttet man nach Trondheim womöglich jetzt aber auch das Kind mit dem Bad aus. Ich sage a) Füße können auch mal anschwellen (ggf. um jene 4 mm), dann braucht es die Schuhgröße, weil: es steckt ein lebender Körper drin und keine produziertes Teil. Ich sage b) Schuhe geben mit der Zeit nach: mancher sehr eng gekaufte Schuh passt nach einer Weile wesentlich besser. Also hat er sich geweitet. Und ich sage c) Grenzwerte und Regime okay, aber was sind 4(!) mm?! Man schaue sich 4 mm auf dem Lineal an und nahezu jeder wird sagen: unwesentlich. Man sollte also sehr wohl mal überlegen, ob man von (zuviel) Großzügigkeit nicht in Pingloigkeit herübersteuert.

    • Irgendwo muss die Grenze gezogen werden und der Schuh ist so selten ein dsq Grund, da braucht man sich wirkich nicht beschweren.
      Tut mir leid für Tschofenig, dass es ausgerechnet bei Olympia passiert

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