„Offensichtlich, dass sie verzweifelt sind“

Nach Disqualifikation bei Olympia: Norwegischer Experte wittert österreichischen Betrugsversuch

Foto: imago / NurPhoto

Nach der Disqualifikation von Daniel Tschofenig bei den Olympischen Winterspielen äußert der norwegische Ex-Skispringer Johann Remen Evensen einen vorsätzlichen Betrugsversuch.

Das olympische Großschanzen-Springen in Predazzo hinterlässt bittere Schlagzeilen für das österreichische Team. Nachdem Daniel Tschofenig aufgrund zu großer Schuhe disqualifiziert wurde, sieht sich das Team des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Der norwegische TV-Experte Johan Remen Evensen spart nicht mit Kritik und bezeichnet den Vorfall als bewussten Manipulationsversuch. „Wenn du disqualifiziert wirst, weil die Schuhe zu groß sind, ist das ein klarer Regelverstoß“, erklärte Evensen gegenüber ‚Dagbladet‘. Für den Experten des norwegischen Fernsehens ist die Sache eindeutig: „Es ist offensichtlich, dass die Österreicher verzweifelt sind und alle Register ziehen. Das ist vorsätzlicher Betrug.“

Evensen glaubt nicht an ein Versehen

Der betroffene Athlet selbst versuchte, die Situation als Missgeschick darzustellen. „Ich war leider so naiv und habe nicht nachgemessen“, sagte der 23-Jährige am Samstagabend im ‚ORF‘. Er bezeichnete sein Versäumnis als „extrem blöd“, da das Team über das nötige Equipment verfüge, um solche Fehler im Vorfeld auszuschließen.

Doch für Evensen greift diese Erklärung zu kurz. Er betont den technischen Hintergrund des Verstoßes: „Er ist mit Schuhen gesprungen, die vereinfacht gesagt dafür sorgen, dass man längere Vorderski bekommt. Es sind die Vorderski, die einen in der Luft tragen. Er hat versucht, sich längere Ski zu erschleichen, als er eigentlich springen darf.“

„Vertrauen, dass das System besser funktioniert“

Auffällig sei laut Evensen in dieser Saison auch die schwankende Formkurve der Österreicher, die nach vier von sechs Olympia-Entscheidungen im Skispringen noch immer ohne Medaille dastehen.

Dass die Disqualifikation ausgerechnet durch FIS-Materialkontrolleur Mathias Hafele erfolgte, der selbst Österreicher ist, sieht der Experte als Qualitätsmerkmal für das aktuelle System. „Das gibt mir Vertrauen, dass das System besser funktioniert als seit langem. Die FIS hat eine Linie festgelegt“, so Evensen zu ‚Dagbladet‘.

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Über Marco Ries 996 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

9 Kommentare

  1. Diese Norweger sind die reinste Mafia! Es wurde wohl ausreichend erklärt, wie diese Disqualifikation zustande gekommen ist. Das heißt nicht, dass die Ösis nicht wie alle beim Material ans Limit gehen, aber das da direkt so eine Verleumdungskampagne aus Norwegen kommt, war so klar. Alle kriminell..

  2. Liebe Norweger,
    Nicht jeder andere hat so einen Dreckscharakter wie eure Sprunggarde um Forfang, Lindvik und dem ehemaligen Trainerteam.
    Bei jeder DSQ gibt es nur hohle Behauptungen ohne Belege um sich selber rein zu waschen. Leider glauben dies noch viele, weil ja „jeder bescheissen muss“.
    Dabei wird gerne das nutzen von Grauzonen mit bewusster Manipulation vermischt um sich selbst in die Opferrolle zu bringen.

    Fakt ist, dass jegliche DSQ auf ein normales Ausloten der Grenzen zurückzuführen ist, mit Ausnahme von Zajc in Garmisch. Fakt ist auch, dass die Norweger zumindest nach der Ära Stöckl bewusst Material manipuliert haben.

    Da nun von deren Seite wieder viel gemutmaßt wird, sollte man dies mit den gleichen Mitteln beantworten: Ich vermute, dass die Norweger, v.a. Forfang als federführender Athlet, Stöckl nur rausgeekelt haben um danach im Großen Stil zu betrügen. Jegliche Medaillen wurden mit irregulären Material gewonnen und es wirft die Frage auf, ob auch die damaligen Skiflugrekorde von Evensen und Co nicht schon erschwindelt worden sind und wie viele Jahrzehnte Norwegen nur mit solchen Mitteln vorne anklopfen konnte.

    So nun zurück zu den Fakten: Norwegen hat den größten Skandal des Skispringens auf dem Gewissen und nicht das Recht bei jeder Kleinigkeit gegen andere Nationen zu schießen.

  3. Ohne vorsätzliche Schuldzuweisung hat das auch Hannawald so erklärt, allerdings mit dem Zusatz, dass so ein Schuh sich über die Sprünge nicht verändert. Das ganze rüttelt sich nicht zu recht oder passt sich noch an, es bleibt so starr wie man es montiert hat! Kann sich jeder selbst überlegen wie das dann passiert ist.

  4. Da hatte die finnische Presse ja absolut Recht,mit ihrem schon vor Jahren geschriebenen Bericht,dass nahezu alle Nationen betrügen,allenvoran die Grossen( ja auch Finnland hat das schon getan 2001) und es diese “ grosse Skisprungfamilie“ nicht wirklich gibt,da jeder jeden mit Argusaugen beäugt,auch in Traingslagern…
    Dieser Sport zerlegt sich wohl gerade selber…

  5. Herzlichen Glückwunsch liebe Norweger das ihr es mit eurem Betrug in Trondheim geschafft habt das Vertrauen nachhaltig so zu beschädigen, dass bei einer Disqualifikation jetzt schon immer gleich mit dem Finger darauf gezeigt wird und überall Betrug gewittert wird

  6. Ich sage schon lange, dass die Österreicher mit diesen kleinen Tricks bescheißen. Eigentlich sind es keine „kleinen“ Tricks, das sind schon große und vorsätzliche Tricks in der Hoffnung, alle anderen wären zu doof, das Zu bemerken. Respekt an Herrn Hafele.

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