Zehn Jahre nach Geister-WM

Oberstdorf ohne Zuschlag! Eklat bei Vergabe der Nordischen Ski-WM 2031

Foto: imago / MIS

Statt eines WM-Gastgebers gab es beim FIS-Kongress vor allem Fragezeichen. Die Entscheidung zwischen Oberstdorf und Planica wurde verschoben. Nur die Skiflug-WM 2030 ist vergeben.

Die Vergabe der Nordischen Ski-WM 2031 ist beim FIS-Kongress in Belgrad überraschend vertagt worden: Entgegen den Erwartungen wurde am Mittwochabend kein Ausrichter bestimmt. Damit bleibt offen, ob Oberstdorf oder Planica die Titelkämpfe erhalten wird.

Nach einer mehr als anderthalbstündigen Verzögerung verkündete FIS-Sprecher Nick Fellows schließlich die unerwartete Entscheidung. „Es ist heute keine Entscheidung, das Council konnte sich für keinen der beiden Bewerber entscheiden“, sagte Fellows in Belgrad. Demnach soll die Vergabe bei einer späteren Sitzung des FIS-Councils nachgeholt werden.

Die Nachricht sorgte im Kongresssaal für Unmut, zahlreiche Anwesende reagierten mit Pfiffen auf die möglichst knappe Erklärung – auch in der Oberstdorfer Delegation überwog die Enttäuschung.

Verhindert FIS-Präsident die deutsche WM?

Warum das FIS-Council zu keiner Entscheidung kam, blieb zunächst noch offen. Der Weltverband äußerte sich bis zum Ende der Sitzung nicht weiter zu den Hintergründen. Nach Informationen der ‚Allgäuer Zeitung‘ wurde hinter den Kulissen darüber spekuliert, dass Oberstdorf zunächst als klarer Sieger der Abstimmung hervorgegangen sei.

Zudem kursierten laut der Zeitung Gerüchte über eine Intervention von FIS-Präsident Johan Eliasch, die zu einer weiteren Abstimmungsrunde zugunsten des Gastgebers Planica geführt habe. Für diese Darstellung gab es am Mittwochabend jedoch keine offizielle Bestätigung seitens der FIS.

Der ‚Allgäuer Zeitung‘ zufolge sei es Eliasch um eine Machtdemonstation im Zuge seiner möglichen Wiederwahl zum FIS-Präsidenten am morgigen Donnerstag gegangen: Er behauptete demnach, dass die Oberstdorfer nicht bereit seien, die Verträge für die Titelkämpfe zu unterschreiben.

Eliasch kämpft um Wiederwahl

Eliasch gilt seit Jahren als eine der umstrittensten Persönlichkeiten im internationalen Skisport. Kritiker werfen dem FIS-Präsidenten mangelnde Transparenz, einen autoritären Führungsstil sowie umstrittene Reformen bei der Vermarktung der Weltcup- und WM-Rechte vor.

Im Vorfeld der Präsidentenwahl in Belgrad sorgte zudem für Diskussionen, dass der gebürtige Schwede und britische Staatsbürger für seine Wiederwahl mit Unterstützung des georgischen Verbandes kandidiert, nachdem ihn weder Schweden noch Großbritannien nominiert hatten.

„Wir akzeptieren die Entscheidung, auch wenn sie bei uns auf großes Unverständnis stößt. Aus unserer Sicht waren die Voraussetzungen für eine Vergabe gegeben. Deshalb fällt es schwer nachzuvollziehen, warum trotz überzeugender Konzepte und der notwendigen Planungssicherheit für alle Beteiligten heute keine Klarheit geschaffen wurde. Wenn andere Faktoren am Ende stärker gewichtet werden als die Qualität einer Bewerbung, dann sollte dies offen und transparent kommuniziert werden. Genau das erwarten wir für die weiteren Schritte“, heißt es von Seiten des DSV.

Skiflug-WM turnusmäßig in Vikersund

Die ungeklärte Situation überschattete die eigentliche Vergabezeremonie. Während die Entscheidung über die Nordische Ski-WM 2031 vertagt wurde, fiel zumindest bei einer anderen Weltmeisterschaft die erwartete Entscheidung: Die Skiflug-WM 2030 wurde an Vikersund vergeben.

Überraschend war dies nicht, da die norwegische Bewerbung ohne Gegenkandidaten angetreten war – die Skiflug-Standorte wechseln sich seit Jahren bei der Austragung der Titelkämpfe ab.

Für Oberstdorf bedeutet die Vertagung eine unerwartete Verlängerung der Hängepartie. Der deutsche Kandidat hatte sich Hoffnungen auf die vierte Nordische Ski-WM nach 1987, 2005 und 2021 gemacht. Nachdem die letzten Oberstdorfer Titelkämpfe unter Corona-Bedingung als Geister-WM ausgetragen wurden, standen die Chancen eigentlich gut.

Ursprünglich hatte der DSV seine Planungen auf eine Bewerbung für die Nordische Ski-WM 2033 ausgerichtet. Nachdem die österreichischen Interessenten aus Ramsau und Bischofshofen ihre Ambitionen für 2031 jedoch nicht weiterverfolgten, entschied sich der DSV dazu, die Bewerbung für Oberstdorf vorzuziehen und bereits für die Titelkämpfe 2031 ins Rennen zu gehen.

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Über Marco Ries 1008 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

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