Tops & Flops

Januar fest in Maren Lundbys Hand

Montage: skispringen.com

Der Januar ist schon wieder vorbei, die WM in Seefeld rückt immer näher. Die größten Schlagzeilen der letzten Wochen schrieb ohne Zweifel Maren Lundby. Vor der WM-Generalprobe in Oberstdorf analysiert skispringen.com die Tops & Flops.

Sechs Springen, davon fünf Podestplätze und vier Siege – diese Bilanz von Olympiasiegerin Maren Lundby kann sich allemal sehen lassen. Rechnet man die Springen der ersten Februarhälfte noch mit ein, sind es gar neun (Podestplätze), beziehungsweise sechs (Siege) aus zehn (Springen). Die 24-Jährige stand bei fünf Siegen in Folge und damit bei der Hälfte vom (vermeintlich) ewigen Rekord Sara Takanashis, die gar zehn Springen in Folge gewinnen konnte. Das war zwischen dem 13. Dezember 2015 und dem 7. Februar 2016 und die Serie endete dann in Ljubno, eben jenem Ort, der als Nächstes rief. Das war ein schlechtes Omen, denn auch Lundbys Serie endete im slowenischen Tollhaus. Verantwortlich war ausgerechnet jene Sara Takanashi, die ihren ersten Saisonsieg einfuhr.

Lundby schlüpfte jedenfalls folgerichtig am Schlusstag in Rasnov, einem ihrer Lieblingsorte, wie sie selbst kundtat, ins gelbe Trikot der Gesamtweltcupführenden und hat einen Vorsprung von 225 Punkten auf Katharina Althaus auf Rang zwei herausgesprungen. Die Oberstdorferin hat ihrerseits eine bemerkenswerte Bilanz: Sie ist die einzige Springerin, die in allen Wettbewerben unter die besten zehn gesprungen ist. Mehr noch: Ihre ’schlechtesten‘ Ergebnisse waren der 8. Rang im vernebelten und windigen zweiten Springen in Zao, sowie Platz zehn am Sonntag in Ljubno in einem tubulenten und nervenfressenden Springen. Und das ist alles andere als ein Beinbruch, sondern kann schon mal passieren.

Umkämpfte Spitzenplätze

Allein Althaus‘ Bilanz beweist, dass die Spitzenränge im Weltcup umkämpft sind. Woche für Woche pusht sich die absolute Weltspitze zu neuen Höchstleistungen und auch zu Top-Weiten, wenn die Jury sie denn lässt. „Ich darf auf keinen Fall nachlassen, insbesondere die Deutschen sind sehr nah dran. Ich muss in jedem Wettkampf meine besten Sprünge abrufen“, bekräftigte Lundby nach dem Hinzenbach-Wochenende. Dies drückt sich zwar nicht in den Punkteabständen in den einzelnen Springen aus, sehr wohl aber in ihren Reaktionen nach den Wettkämpfen.

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Sie ging in Zao, als sie mit 0,2 Punkten den knappsten Vorsprung vor Rang zwei in der Saison überhaupt hatte, sogar soweit zu sagen: „Verdient habe ich diesen Sieg nicht gehabt“, sondern eine Andere. „Anna [Odine Stroem, Anm. d. Red.] hätte ihn verdient gehabt“, ergänzte sie. Ihre Teamkollegin also, die sich zur klaren Nummer zwei im Team Norge aufgeschwungen hat und an Ort und Stelle ihr bestes Karriereresultat einfuhr. Mit zwischenzeitlich neun Top-Ten-Ergebnissen in Folge ist Stroem konstant vorne dabei und auch bei den Anlaufgeschwindigkeiten absolute Spitze. Neun war bis zum zweiten Tag in Ljubno ohnehin ihre Zahl: Dreimal belegte sie genau diesen Rang und tat dies auch im Gesamtweltcup, nun ist sie auf Rang zehn abgerutscht.

Takanashi als Lichtstreif am japanischen Horizont

Für die einstige Dominatorin Sara Takanashi ist die Saison bislang ein Déjà-vu. Filmkritiker würden zwar nicht von einem Horrorstreifen, dafür aber zumindest von einem Thriller sprechen. Denn nur einmal in der Weltcup-Geschichte musste sie (mindestens) so lange auf ihren ersten Saisonsieg warten wie heuer – und zwar in der vergangenen Saison, als sie erst beim Finale in Oberstdorf gewann. Dafür gelang ihr das dann gleich zweimal. Doch, wie es der Sport manchmal eben will: Sie ist fast die Einzige in ihrem Team in Normalform und hat als Vierte im Gesamtweltcup nur 15 Punkte Rückstand auf Juliane Seyfarth. Ausgenommen ist da Nozomi Maruyama, die ihre erste Weltcupsaison springt und in Hinzenbach mit Rang elf so gut, wie noch nie da stand.

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Doch vor allem Yuki Ito ist und bleibt ein einziges Rätsel. Auch für den Verband, der gar so weit ging, sie in Rasnov gar nicht erst antreten zu lassen und sie stattdessen in eine Trainingsphase schickte. Reichte es in Zao beim Teamspringen für die Japanerinnen noch zu Rang drei, sieht es im Nationen-Cup düster aus. Nur Platz vier, noch hinter Österreich auf Platz drei und Norwegen auf zwei. Deutschland an der Spitze hat fast doppelt so viele Punkte gesammelt. Und das vor dem Heimweltcup des DSV in Oberstdorf, wohlgemerkt.

Zwei Russinnen und eine Chinesin sorgen für Furore

Ganz anders ist da die Stimmung im russischen Team. Nicht nur, dass Lidiia Iakovleva ihre Frühform konservieren konnte und im Weltcup weiterhin unter den besten Zehn zu finden ist (nun Neunte im Gesamtweltcup), auch die Junioren-Weltmeisterschaften in Lahti verliefen höchst erfolgreich für das Team des seit Sommer amtierenden Cheftrainers Roman Kierov. Im Einzel gab es gar einen Doppelsieg: Etwas überraschend gewann Anna Shpyneva vor Lidiia Iakovleva. Es waren die Einzel-Medaillen drei und vier für das größte Land der Erde. Diese Leistung konnten beide auch im Teamspringen bestätigen und so war das russische Quartett dort nicht zu schlagen; ebenso im Mixed. In Ljubno standen am Sonntag zudem erstmals gleich drei Russinnen in den Top 10.

Und auch in Team China überwiegt die Freude. Seitdem Heinz Kuttin im Sommer dort am Ruder sitzt, hat sich einiges getan. So feierten mit Sijia Wang und Fangyou Zhou gleich zwei Springerinnen in Zao ihr Weltcupdebüt und sind seitdem mit auf Tour. Zudem haben sie mit Xueyao Li eine Springerin, die nicht nur ihre beste Saison springt, sondern mit Platz 32 im Gesamtweltcup (57 Punkte) konstant gute Leistungen bringt. Gleiches gilt auch für die italienische Mannschaft, für die Lara Malsiner in Hinzenbach und Ljubno jeweils einmal mit Rang sieben ihr bestes Ergebnis überhaupt erzielte, schlägt sich beachtenswert und wird, nach der Generalprobe in Ljubno als es für die Squadra Azzurra mit Debütantin Arianna Sieff Platz acht gab, bei der WM in Seefeld bei der Premiere des Teamwettkampfs mit von der Partie sein. Die Nachricht, dass dieser Wettkampf nun doch im WM-Programm stehen wird, war die überraschendste, sicher aber auch schönste des Januar.

Die getrübten Freuden der Rückkehrerinnen

53 Springerinnen holten bislang Weltcuppunkte, weitere 39 sind bislang leer ausgegangen, ganze 15 davon sind Neulinge auf der höchsten Ebene. Dass diese sich schwertun würden, auf Anhieb Punkte zu holen, war vermutbar. Wer Selbiges von den Rückkehrerinnen dachte, wurde jedoch überrascht. Vom halben Dutzend Springerinnen, das nach teils über einem Jahr Pause zurückkehrte, holte lediglich Eine keine Punkte: Die US-Amerikanerin Logan Sankey, die im Juli wegen einer gerissenen Gelenklippe am Hüftgelenk operiert wurde und erst im Winter wieder einstieg. Teilzeit-Rückkehrerin Irina Avvakumova, die das Rasnov-Wochenende zur Vorbereitung auf die Blue-Bird-Tour am Saisonende nutze, holte in zwei Springen fünf Punkte.

Die Slowenin Maja Vtic, die sich im März 2018 eine Bänderverletzung im Knie zuzog, hat sich im Gesamtweltcup zwischenzeitlich unter die besten 30 vorgekämpft und ist nun 31.. Auch Oceane Avocat Gros aus Frankreich kommt im Laufe der Saison immer besser in Schwung. Sie hat bereits drei Kreuzbandrisse in nicht einmal fünf Jahren überstanden und springt nun die beste Saison ihrer Karriere, hat als 39. immerhin 21 Punkte gesammelt. Fünf Punkte mehr, aus nur vier Springen und das erst jüngst in Hinzenbach und Ljubno, holte Svenja Würth. 14 Monate musste die 25-Jährige vom SV Baiersbronn auf ihr Comeback im Weltcup warten. Um sich dann mit Rang 19 und 21 einzufügen als sei sie nur drei Wochen ausgefallen.

Doch der 21. Rang hat im Damen-Weltcup so seine Tücken. Was sich liest wie ein solides Ergebnis, hat auch einen faden Beigeschmack. Wie bei den Herren auch gibt es dafür zehn Weltcuppunkte. Soweit so gut. ‚Und wie sieht’s mit Preisgeld aus?‘, mag der geneigte Wintersportfan fragen. ‚Fehlanzeige‘, lautet da die richtige Antwort. Bei den Damen gibt es nur für die Top 20 Preisgeld – 30 Schweizer Franken pro Weltcuppunkt. „Nita [Englund, Anm. d. Red.] und ich mussten lachen, als wir das gelesen haben“, erzählte Nina Lussi, selbst nach einem Kreuzbandriss mit zwei Weltcuppunkten beachtenswert zurückgekehrt, skispringen.com-Redakteur Luis Holuch. Und sie fügte an: „Wir haben uns dann die Preisgelder der Herren angeschaut und mussten noch mehr lachen.“ Die liegen nämlich bei 100 Schweizer Franken pro Weltcuppunkt.

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Freilich mag es dafür (gute) Gründe geben, doch gerade für diejenigen, die wenig bis gar keine finanzielle Förderung vom Verband erhalten und unter Umständen sogar alles aus eigener Tasche bezahlen müssen, wäre das Preisgeld wichtig. Schafft man es auf Anhieb nicht, dieselben Summen zu zahlen wie bei den Herren, so sollten zumindest alle Finalteilnehmerinnen finanziell entlohnt werden. Mit der Entscheidung mehr Großschanzen in den Kalender zu nehmen hat die FIS einen wichtigen Schritt gemacht. Nun wäre es an der Zeit mit der Adaption der Preisgelder, einen weiteren folgen zu lassen. Denn ein Skifliegen scheint in naher Zukunft (vor 2021) allein schon wegen der Kalenderplanungen nicht Betracht zu kommen.

Über Luis Holuch 53 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

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