Norwegens Newcomerin im Interview

Anna Odine Stroem: „Ich werde noch härter an mir arbeiten“

Foto: Konstanze Schneider

Während des zurückliegenden Sommers war Anna Odine Stroem eine der (heimlichen) Überfliegerinnen. Vor dem Auftakt in Lillehammer spricht die norwegische Newcomerin im exklusiven Interview über die anstehende Weltcup-Saison.

Zum ersten Mal in ihrer Karriere ging Anna Odine Stroem in diesem Sommer bei Grand-Prix-Wettbewerben an den Start. Und die 20-Jährige präsentierte sich stark: Mit drei Top-Ten-Platzierungen in vier Einzelspringen und dem neunten Gesamtrang, sowie dem dritten Platz beim Mixed in Tschaikowski machte die Norwegerin auf sich aufmerksam. Im Interview mit skispringen.com-Redakteur Luis Holuch blickt die Wahl-Osloerin nicht nur zurück, sondern auch voraus auf den anstehenden WM-Winter (alle Termine im Überblick).

Anna, Du bist nach mittlerweile fünf Weltcup-Saisons in diesem Sommer auch das erste Mal im Grand Prix an den Start gegangen und hast auf Anhieb sehr gute Ergebnisse erzielt. War das für Dich überraschend?

Anna Odine Stroem: Schon, ja, das muss ich sagen. Ich habe zwar erwartet, dass ich einen Schritt nach vorne mache, weil ich in der Vorbereitung sehr hart gearbeitet habe. Aber, dass ich dafür so belohnt werden würde, hätte ich wirklich nicht erwartet.

„Ich weiß, dass ich extrem viel investiert habe, um dorthin zu kommen“

Was machen diese guten Ergebnisse mit Dir? Hast Du nun auch grundsätzlich eine andere Erwartungshaltung an Dich selbst oder gehst Du genauso an die Sache heran wie vorher?

Stroem: Ich versuche schon, bei meiner Herangehensweise zu bleiben. Ich weiß, dass ich extrem viel investiert habe, um dorthin zu kommen, wo ich zurzeit bin. Aber ich weiß auch, dass ich nun noch mehr tun muss, um noch weiter vorwärts zu kommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Ergebnisse kommen. Aber ich hoffe, dass es so weitergeht. Ich gebe weiterhin mein Bestes.

Auch diesen Sommer war es ja so, dass man einige Springerinnen gar nicht gesehen hat. Denkst Du, dass es im Winter schwieriger wird, Top-Resultate zu erzielen, weil einige eben gefehlt haben und im Winter wieder an den Start gehen?

Stroem: Absolut! Die Dichte wird nur noch größer werden. Ich werde die Vorbereitung nutzen, um einige gute Basis zu schaffen. Und während der Wettkämpfe rufe ich dann hoffentlich meine besten Sprünge ab und dann werden wir sehen, wo ich am Ende lande.

Hast Du Dir Ziele für den Winter gesetzt, die Du auch preisgeben möchtest?

Stroem: Ja, ich habe mir Ziele gesetzt, allerdings bleiben die vorerst nur in meinem Kopf. Mein Ansatz ist: Wenn ich mir keine Ziele setze, brauche ich gar nicht erst den Sport auf professionellem Niveau betreiben und nichts anderes tue ich. Und wenn ich diese Ziele nicht erreichen sollte, werde ich noch härter an mir arbeiten.

„Wir können es kaum erwarten, wieder auf die Schanze zu gehen und weit zu springen“

Lass uns auf den Winter vorausblicken. Eine Neuigkeit im Hinblick auf den Weltcup-Kalender war ja die Absage des Mixed-Teamspringens in Titisee-Neustadt. Wie denkst Du darüber?

Stroem: Ich war sehr enttäuscht, ehrlich gesagt. Das ist schon ein Rückschlag für uns, weil das wirklich eine gute Sache gewesen wäre. Es wäre neben dem Mixed in Tschaikowski nochmal ein „echter“ Test im Winter vor der WM in Seefeld gewesen. Aber leider habe ich darauf keinen Einfluss, also konzentriere ich mich auf meinen Job auf der Schanze.

Wie beurteilst Du denn den Winter-Kalender als solchen?

Stroem: Das ist ein guter Fortschritt für das Damen-Skispringen. Es sind viele neue Ausrichter und auch Schanzen dabei. Knapp die Hälfte sind Großschanzen, was fast nicht mehr zu vergleichen ist mit dem, was vorher war. Wir sind eine wachsende Sportart, aber werden jetzt für unsere Leistungen belohnt. Und wir werden genauso weitermachen und beweisen, dass wir auch sehr gut Ski springen können. Taten sprechen immer lauter als Worte, deswegen können wir es kaum erwarten, wieder auf die Schanze zu gehen und weit zu springen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für den Winter!

Über Luis Holuch 9 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

5 Kommentare

  1. Tolle Skispringerin! Ich hoffe nur, dass Sara Takanashi nicht wieder alle rasiert. Das Damen-Skispringen kann Spannung gebrauchen. Freue mich auf die Saison

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