Diese Namen fehlen in Ruka-Kuusamo

10 Skispringer, die nicht (mehr) im Weltcup zu sehen sein werden

Während sich die Weltelite an diesem Wochenende zum Weltcup-Auftakt trifft, sind einige bekannte Namen nicht mit von der Partie. skispringen.com schaut auf zehn Athleten, die nicht nur in Ruka-Kuusamo fehlen werden.

Gerade einmal 58 Springer umfasst die erste Startliste des Weltcup-Winters 2023/2024 – die niedrigste Zahl beim Saisonauftakt seit Einführung der Qualifikation im Jahr 1990. Das bedeutet auch: Es fehlen prominente Namen. Einige von ihnen, wie etwa Markus Eisenbichler, Constantin Schmid (beide Deutschland), Robert Johansson (Norwegen) oder Lovro Kos (Slowenien) konnten keinen Startplatz ergattern, was auch mit der Kürzung der Startplatzquoten von maximal sieben auf sechs zusammenhing. Während ihre Trainer Härtefallentscheidungen treffen mussten, fehlen andere Namen aus verschiedensten Gründen. skispringen.com blickt auf zehn Athleten, die nicht nur in Ruka-Kuusamo nicht am Start sein werden.

MacKenzie Boyd-Clowes (Kanada)

Zwei Weltcupsieger brachte Kanada bislang hervor: Horst Bulau (13) und Steve Collins (1). Inzwischen ist die 2 inzwischen auch die Anzahl der Quotenplätze, die die Nordamerikaner zur Verfügung hätten. Der Konjunktiv ist hier bewusst gewählt, denn es gibt aktuell keinen kanadischen Skispringer, der Teil des Weltcup-Zirkus ist. Nachdem im vergangenen Jahr schon Matthew Soukup seine Karriere unterbrochen hatte, tat dies nun auch MacKenzie Boyd-Clowes.

„Wenn mich jemand in diesem Winter auf der Schanze suchen will, wird er mich dort nicht finden. Ich habe eine Pause eingelegt und werde für eine Weile in Kanada bleiben. Ich wünsche allen eine gute Saison. Ich habe vor, sie zu verfolgen“, schrieb der 32-Jährige am 9. November auf ‚Instagram‘. Sein bestes Weltcupergebnis bleibt also (vorerst) ein sechster Platz am 20. Dezember 2020 in Engelberg, was ihm auch zur besten Gesamtweltcupplatzierung von Rang 32 verhalf.

Es ist obendrein nicht das erste Mal, dass der insbesondere in den sozialen Netzwerken beliebte Routinier seine Laufbahn unterbricht: Bereits nach der Olympiasaison 2013/2014 nahm er sich eine einjährige Auszeit. Mit ihm und Soukup fehlt in den kommenden Monaten also das Duo, das gemeinsam mit Alexandria Loutitt und Abigail Strate bei Olympia 2022 in Peking noch völlig überraschend Mixed-Team-Bronze gewonnen hatte – und somit eine ganze Skisprung-Nation bei den Männern.

Anders Fannemel (Norwegen)

Viele Skispringer träumen vom Flug in die Ewigkeit – Anders Fannemel kann mit Fug und Recht behaupten, ihn absolviert zu haben. Am 15. Februar 2015 hob das norwegische Leichtgewicht in Vikersund ab, um erst nach 251,5 Metern zu landen, Weltrekord! Erst als zweiter Mensch nach Peter Prevc gelang es Fannemel, die 250-Meter-Marke zu überbieten. Kurz zuvor war Fannemel in Falun Weltmeister mit der Mannschaft geworden und mit Rang vier im Gesamtweltcup schloss er die Saison auch als bester Norweger ab.

Im Jahr darauf sollte er auch bei der Skiflug-WM am Kulm den Team-Titel gewinnen. Er galt zwar immer als Flugspezialist, seine vier Weltcupsiege fuhr er aber alle auf Großschanzen ein – den letzten am 16. Dezember 2017 in Engelberg. Der Hunger nach mehr war stets vorhanden, doch mit einem zu weiten Sprung auf der Adam-Malysz-Schanze in Wisla am 18. Juli 2019 begann für den heute 32-Jährigen eine lange Leidenszeit.

Die Saison 2019/2020 verpasste er in Folge eines Kreuzband- und Meniskusrisses komplett, musste sich zudem vier Knie-OPs unterziehen. Das geplante Comeback bei der Raw-Air 2021 fiel der Absage aufgrund des Coronavirus zum Opfer. Zu Beginn der Saison 2021/2022 war er zwar wieder mit von der Partie, fand aber nicht mehr recht in die Spur. Nach einem weiteren Winter, den er hauptsächlich im zweitklassigen Continentalcup bestritt, gab er am 17. März 2023 sein Karriereende bekannt. Seinen Ausstand gab er zwei Tage später – natürlich in Vikersund – und wurde auf Händen durch den Auslauf getragen und stieß mit Champagner an. Inzwischen arbeitet er als Trainer in Lillehammer, unter anderem von Robert Johansson.

Bor Pavlovcic (Slowenien)

Auch die Slowenen haben sich im Laufe der letzten Jahre einen Namen als Skiflugnation gemacht, und das lag, wenn auch nur kurzzeitig auch an Bor Pavlovcic. Aufgewachsen in Mojstrana und springend für den Skiclub von Planica, brillierte er auf der größten seiner Heimschanzen. Beim Saisonfinale 2021 absolvierte er mit 249,5 Metern den längsten Flug der Saison und wurde auch dadurch Vierter im Skiflug-Weltcup. Nach Gesamtweltcuprang 13 und drei Podestplätzen wurde ihm der nächste Schritt zugetraut.

Doch Pavlovcic eröffnete bereits im darauffolgenden Sommer, dass er Probleme hatte, das Idealgewicht fürs Skispringen zu halten und alleine deshalb individuell trainieren wollte. Für die Weltcup-Mannschaft kam er in dieser Form nicht in Frage, sodass er nur noch beim Finale – natürlich in Planica – auftauchte, dort aber als 22. immerhin nochmal neun Weltcuppunkte holte. Es sollte sein letzter Weltcupstart bleiben. Nach drei punktlosen Auftritten im Sommer-Grand-Prix, einem weiteren „Nuller“ beim COC in Planica und Rang 31 und 27 beim drittklassigen FIS-Cup in Szczyrk absolvierte Pavlovcic – natürlich in Planica – am 29. März 2023 beim Hill Test und damit vor nur wenigen Zuschauern seinen Abschiedsflug auf 207 Meter.

Tilen Bartol (Slowenien)

Aller Abschiede beim Skifliegen waren im März 2023 drei, denn auch Tilen Bartol wurde genau wie Fannemel und Pavlovcic auf großer Schanze verabschiedet. Auch er durfte ein letztes Mal die legendäre Letalnica von Planica hinuntersegeln und wurde bekam dann eine Sektdusche verpasst. Genau an jenem Ort hatte er sieben Jahre zuvor als Vorflieger für großes Aufsehen gesorgt: Aus unfassbarer Höhe war er bei offiziell 252 Metern in den Auslauf gefallen, was bei Landung ohne Schneekontakt inoffizieller Weltrekord gewesen wäre. Augenzeugen behaupten bis heute steif und fest, dass er sogar 260 Meter geflogen sei.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Bartol schon zwei seiner insgesamt fünf COC-Siege gefeiert, worüber er sich immer wieder für den Weltcup empfahl. Dort war seine erste Saison 2017/2018 mit Platz 25 und 185 gleich seine Beste, in der er auch seine beiden einzigen Top-Ten-Plätze erzielen konnte. Das endgültige Vertrauen seitens des Verbandes und der Trainer verspürte der talentierte Springer aus Ljubljana aber nie, sodass er die Ski bereits im Alter von 25 Jahren (zum Zeitpunkt seines Abschieds) an den Nagel hing.

Auch zwei deutsche Skispringer haben ihre Karriere in der Zwischenzeit beendet. Dramatisch ist das Fehlen eines US-Amerikaners, der nach einem tragischen Unfall verstorben ist. Weiter zu Teil 2:

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Über Luis Holuch 507 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und die Continentalcup-Finals der Nordischen Kombination.

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