Vierschanzentournee mit neuer Technik

High-Speed-Kameras und Chip: Neuerungen bei der Vierschanzentournee

Foto: PTB-Creative

Eine rote Dose am Ski der Skispringer wird bei der Vierschanzentournee für Diskussionen sorgen: Die FIS setzt beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf erstmals technische Neuerungen ein, die Zuschauern und Athleten innovative Daten liefern soll.

30,7 Gramm – so viel wiegt die rote Dose, die zum Auftakt der 66. Vierschanzentournee in Oberstdorf (29.-30. Dezember 2017) an den Sprungski vieler Skispringer befestigt sein wird. Darin verbaut: Ein Chip, der für für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Denn dabei handelt es sich um eine technische Neuerung, die der Internationale Skiverband (FIS) in diesem Jahr erstmals bei der Vierschanzentournee einsetzen wird.

Schon bei der Eröffnung in Oberstdorf werden die Athleten am Schanzentisch zudem von acht High-Speed-Kameras eingefangen. 250 Bilder pro Sekunde macht eine der Kameras, innerhalb von vier Sekunden entstehen so 8.000 Bilder. „Aus diesem Videomaterial können wir Schlüsse ziehen“, erklärt FIS-Renndirektor Walter Hofer. Ziel sei es, den Absprung – der wohl wichtigste und entscheidende Teil eines Sprungs – transparenter zu machen: „Das nutzen wir, um ein Modell im Computer zu kreieren, das die Schwerpunktlage eines Athleten genau nachzeichnet.“

Präzision und Absprungkraft

In Kombination mit dem neuartigen Chip, den die Athleten auf freiwilliger Basis nutzen können, lassen sich weitere Parameter ermitteln: Geschwindigkeitsverlauf, Flughöhe, Anstellwinkel der Ski, Landedruck. Für den Zuschauer sind viele dieser Details uninteressant, für die Skispringer können sie von großer Bedeutung sein. Nicht umsonst erhoffen sich die Verantwortlichen dadurch einen Mehrwert speziell für kleine Nationen, die auf derart innovative Technik im Trainingsalltag bislang verzichten mussten.

» Vierschanzentournee-Favoriten: Konkurrenz für Freitag und Wellinger

Doch von der neuen Transparenz sollen langfristig auch die Zuschauer profitieren. Walter Hofer: „Die Experten im Fernsehen sagen ja oft, dass ein Absprung zu früh oder zu spät erfolgt ist. Jetzt können wir diese Daten objektiv den Zuschauern, Trainern und Athleten darlegen. Dann sind wir nicht nur in der Lage, die Weiten und Geschwindigkeiten zu präsentieren, sondern auch die Präzision und die Vertikalkraft des Absprungs.“

Fernsehsender können innovative Daten präsentieren

Umgesetzt wird die neue Technik von Swiss Timing, einer Partneragentur der FIS, die bislang beispielsweise für die Videoweitenmessung verantwortlich ist. Interessierte Fernsehsender und Verbände können diesen Service nutzen, der bereits beim Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten und Klingenthal sowie beim Weltcup in Titisee-Neustadt getestet wurde.

Während die deutsche Mannschaft durch eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig eine derartige Methode schon seit einiger Zeit einsetzt, ist die Technik für andere Nationen Neuland. Welche Daten am Ende öffentlich werden, können die Nationen selbst entscheiden – und genau darüber herrscht noch Uneinigkeit: „Ich will nicht, dass die anderen Nationen unsere Daten bekommen“, wird Polens Cheftrainer Stefan Horngacher in der ‚Badischen Zeitung‘ zitiert.

» Alle Termine im Überblick: Vierschanzentournee startet in Oberstdorf

Bei der diesjährigen Vierschanzentournee könnte die Technik erstmals auch den Fernsehzuschauern präsentiert werden. Nach skispringen.com-Informationen wollen ARD und ZDF bei ihren Live-Übertragungen vereinzelt auf die neuen Daten zurückgreifen. Auch bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang soll die neue Technik weitere Einblicke liefern.

skispringen.com-Newsletter

Aktuelle Nachrichten, spannende Hintergrund-Informationen und Veranstaltungs-Hinweise per E-Mail abonnieren. Weitere Informationen zum Newsletter und Datenschutz

Über Marco Ries 504 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

7 Kommentare

  1. Die neue Kamera bei der Tournee ist nicht gut ! Im Gegenteil , alles viel schlechter als vorher ! Für den Zuschauer am tv lässt sich nicht beurteilen wie gut oder schlecht bzw. weit oder kurz der Sprung war

  2. Dann wird es auch endlich mal Zeit für Zentimeter-genaues messen der Sprünge, oder zumindest in 10cm-Schritten. Das wäre mal interessant und man könnte den Haltungsnoten etwas weniger Priorität zukommen lassen!!!

Kommentar schreiben

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


*