Norwegen-Trainer verärgert

"Skandal": Alexander Stöckl schimpft über Chaos vor dem Neujahrsspringen

Alexander Stöckl schimpft vor dem Neujahrsspringen über die Organisation in Garmisch-Partenkirchen. Vor allem die Hotelsituation und das Springerlager verärgern den Cheftrainer der norwegischen Skispringer.

Am Montagmorgen ist die norwegische Mannschaft von Oberstdorf in Richtung Garmisch-Partenkirchen aufgebrochen, wo am Dienstag die Qualifikation für das traditionelle Neujahrsspringen auf dem Programm stand. Doch nach der Ankunft im Werdenfelser Land folgte bei Skispringern und Betreuern die große Ernüchterung.

Die Hotelzimmer konnten nicht wie geplant bezogen werden, wie Stöckl der norwegischen Boulevardzeitung ‚VG‘ berichtete. Auch die Mannschaften aus der Schweiz und Polen seien davon betroffen gewesen.

Vorspringer übernachtet im Hotelflur

Besonders hart traf es einen Vorspringer aus Norwegen. Ole Henning Holt beklagte, dass er auf dem Flur seiner Unterkunft schlafen musste und nachts Gäste über ihn steigen mussten, um zum Gemeinschaftsbad zu gelangen. „Das ist ein Skandal und wenig professionell“, wurde Stöckl von der Zeitung zitiert.

„Ich bin ein einfacher Mann und wenn es um mich herum warm, trocken und einigermaßen sauber ist, ist alles in Ordnung. So aber war es natürlich nicht gut. Auch ich mache meine Arbeit und dann sollte dafür auch alles angerichtet sein“, gab Holt zu Protokoll. Stöckl pflichtete ihm bei: „Niemand erhört oder kümmert sich um die Vorspringer. Dabei ist es gar nicht möglich, Springen ohne sie durchzuführen. Dementsprechend sollten sie genauso behandelt werden wie die anderen.“

Springerlager sorgt für Unmut

Darüber hinaus sorgte das Springerlager am Fuße der Olympiaschanze für Verärgerung. Demnach stünden vor allem den kleineren Nationen in Garmisch-Partenkirchen nicht dieselben Einrichtungen zur Verfügung wie den großen. „Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war’s“, schimpfte Stöckl noch am Silvesterabend bei ‚Twitter‘: „Vorspringer schlafen im Hotelflur, keine Container für kleine Nationen. Ich bin nicht amüsiert, Herr Präsident.“

Dementsprechend schlecht sei die Stimmung bei der Mannschaftsführersitzung im Vorfeld der Qualifikation am Montagabend gewesen. FIS-Renndirektor Walter Hofer schaltete sich laut ‚VG‘ ein – und drohte gar mit der Absage der Qualifikation, sollte die Situation in den Hotels und im Springerlager nicht zeitnah verbessert werden. „Es gab einige Sachen zu bemängeln, doch das werde ich mit den Organisatoren besprechen“, vermied der Österreicher eine deutlichere, öffentliche Kritik.

Tournee-Pressechef entschuldigt sich

Ingo Jensen, Pressechef bei der Vierschanzentournee, entschuldigte sich für die Umstände beim Neujahrsspringen. „Das ist nicht die Art und Weise, wie die Tournee die Sportler behandeln sollte. Wir müssen und verbessern und entschuldigen uns“, teilte Jensen am Neujahrstag mit.

Auch interessant: Karl Geiger glänzt in der Qualifikation zum Neujahrsspringen. Der Oberstdorfer lässt in der Vorausscheidung in Garmisch-Partenkirchen die komplette Konkurrenz hinter sich.

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Über Luis Holuch 91 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

18 Kommentare

  1. Selbst in Ihren Kommentaren wird immer von Skispringer und Vorspringern gesprochen. Grundsächlich sind das doch alles Menschen die sozial gleichberechtig sind und in Betten schlafen und vernünftig untergebracht werden sollten! Das machen wir ja auch bei unseren Haustieren.

  2. Made in Germany. Sie sehen den Splitter woanders (angeblich zu viel Schneemassen in Zakopane/Polen letztes Jahr), aber den Balken in eigenem Auge nicht (Unpünktlichkeit, Langsamkeit und Bürokratisierung). Zuletzt war ich in München: ein schmutziges Dorf mit vielen Alkoholikern auf der Straße. Inzwischen sind so kritisierte Nationen in der arabischen, osteuropäischen und ostasiatischen Welt um zwei Längen besser: Organisation, Zuverlässigkeit und Sauberkeit.

  3. Also ich kann ja den Veranstalter schon verstehen, dieses Event kam bestimmt vollkommen überraschend, finden ja ansonsten eher selten Springen in Garmisch statt, schon gar nicht um diese Jahreszeit.

    Mal ganz im Ernst, dass ist doch lächerlich, das Neujahrsspringen findet seit beinahe 70 Jahren statt, wie kann sowas passieren?

    • Ein norwegischer Vorspringer? Merkwürdig, ich denke, dass der Veranstalter die Vorspringer stellt?
      Gehört dieser Vorspringer denn zum norwegischen Team? Hat man schlicht zu wenig Betten reserviert?
      Und bevor der arme Mann auf dem Gang schlafen muss, könnte man das Bett nicht in ein Zimmer des riesigen norwegischen Trosses stellen?

      Sorry, aber mir kommt es so vor, als würde Stöckl damit nur ablenken wollen. Die Leistung der Norges ist ja bisher maximal durchwachsen!!

  4. Aber Hallo,das ist ein Skandal,Deutschland lebt in Vergangenheit sie denken es langt zu schreiben Made in Germany und wir sind die größten

  5. Das ist ein Skandal, das Sportler auf dem Hotelflur schlafen müssen und das es offenbar ein Zwei-Klassen-Springerlager gibt, ich teile das blanke Entsetzen des Herrn Stöckl selbstverständlich voll und ganz.

    Vorspringer oder nicht kann hier nicht das Kriterium sein, der Vorspringer von heute ist womöglich der Weltcupführende von morgen, es gibt keine zweitrangigen Skispringer.

    Natürlich kann durch unvorhersehbare Ereignisse so eine Situation eintreten, aber dann müssten Sportskameraden eines solchen Skiclubs in einer Notsituation eben dazu bereit sein, für eine Privatunterbringung zu sorgen, das ist so keine Sportkameradschaft, Herrschaften.

    Der dortige Skiclub macht das doch nicht um ersten Mal.

    Wenn sich das wiederholt, muss denen das Neujahrspringen eben entzogen werden.

    Bewerber dafür gibt es sicherlich genügend.

    Hoffentlich läuft wenigstens der Rest der Veranstaltung rund.

  6. Für andere Sachen gibt es Geld aber Skipringer Unterkünfte zu organisieren-nicht? Was passiert letzte Zeit in Deutschland muss man richtig nachdenken.Wir müssen uns schämen. Wo wir sind in welchem Zeit leben wir. Ich habe keine Worte mehr. Tut mir leid.

    • @ B: Bei sportschau.de haben die Organisatoren gesagt, mit den Teams wäre abgesprochen gewesen, dass die Zimmer um 12(!) Uhr für den Bezug durch die Sportler fertig seien. Wenn die Norweger schon 2 Stunden früher ankommen….
      Ich stelle das jetzt hier mal so hin…ABER: Sind die Organisatoren für die Unterbringung neu im Geschäft,dass es so daneben geht? Die Tournee gibt es ja nicht erst seit „gestern“…es hat immer alles gut geklappt.

  7. Armes Deutschland! Es einfach unfassbar was da in Garmisch passiert ist. So ist es aber in der ganzen Republik, schlechtes Management und Leute die an ihre Stühlen kleben. Ein Skandal für die Elite der Skispringer. Hier müssen “ Köpfe“ Rollen im Interesse des Sports.

  8. Hallo Hr. Stoeckl, das glaube ich nie und nimmer. Möchte man nicht sagen, worum es sich bei dieser *Zeitungsente* wirklich handelt. Wir gehen doch nach so vielen Tourneen nicht plötzlich in die Nachkriegszeit zurück. Bitte Tacheles reden.

  9. Die Hotelsituation in Garmisch muss doch bekannt sein. In der Häufigkeit alte Häuser mit wenig Investitionspotential. In der Häufigkeit lediglich “ Abzocke“. Garmisch profitiert immer noch aus seiner Vergangenheit. Vor allem bei dem älteren Semester. Vielleicht lernt der Organisator aus diesen Beschwerden.
    Im Vorfeld muss eine deutliche Beschreibung (Dokumentation) mit Foto des Jeweiligen Übernachtungsbereiches dem Jeweiligen Verband vorgelegt werden. Nur so lässt sich diese “ Schande“ von Garmisch 2019/2020 im nächsten Jahr verhindern.

    • Hallo Hr. Stoeckl, das glaube ich nie und nimmer. Möchte man nicht sagen, worum es sich bei dieser *Zeitungsente* wirklich handelt. Wir gehen doch nach so vielen Tourneen nicht plötzlich in die Nachkriegszeit zurück. Bitte Tacheles reden.

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