Buch gewährt tiefe Einblicke

"Habe eine Linie überschritten": So erklärt Maren Lundby ihre Auszeit

In ihrem jüngst erschienenen Buch gewährt Maren Lundby tiefe Einblicke in ihr Leben als Spitzensportlerin. Größtes Thema neben ihren sportlichen Erfolgen ist dabei die gewichtsbedingte Pause, die sie 2021/2022 einlegte – und nun begründet.

Dreimal in Folge wurde sie Gesamtweltcupsiegerin, dazu 2018 in Pyeongchang Olympiasiegerin, sowie in Seefeld 2019 Weltmeisterin von der Normal- und 2021 in Oberstdorf erste Weltmeisterin von der Großschanze. Doch für letzteren Erfolg musste Maren Lundby einen hohen Preis bezahlen. Nachdem sie während der WM-Saison schon mit ansteigendem Gewicht zu kämpfen hatte, zwang eine Verschärfung dieses Problem sie dazu, die Olympia-Saison 2021/2022 auszulassen. Genau das ist in ihrem jüngst erschienenen Buch ‚Et møte med Maren‘ (zu deutsch: ‚Ein Treffen mit Maren‘) ein großes Thema.

Im Oktober letzten Jahres sorgte Maren Lundby mit einem tränenreichen Geständnis für Aufsehen, das weit über die Skisprungszene hinausging. „Im Skispringen wird dir vieles abverlangt. Und eine dieser Sachen ist das Gewicht, auf das es zu achten gilt. Mein Körper hat sich in letzter Zeit auf natürliche Weise verändert. Aus diesem Grund möchte ich nicht alles opfern, nur um in Peking auf Top-Niveau zu sein. Es ist sehr schwierig, weil ich unbedingt springen möchte. Aber diese Saison geht es einfach nicht“, sagte sie seinerzeit im norwegischen Rundfunk ‚NRK‘.

Lundby bringt großes Opfer für WM-Titel

Während sie damals noch nachvollziehbarerweise nicht allzu sehr ins Detail ging, schildert die Norwegerin die Ereignisse in ihrer Biografie, die in Zusammenarbeit mit Silje Braathen (Tochter von Teammanager Clas Brede Braathen, Anm. d. Red.) entstand, sehr ausführlich. Bis zur Ankunft beim großen Saisonhighlight in Oberstdorf hatte sie im Weltcup stets das Podest verpasst, was vor allem an einer Gewichtszunahme lag, gegen die die 30-malige Weltcupsiegerin im Allgäu dann mit allen Mitteln ankämpfte.

Auch wie sie das Problem anging ist auf den 216 Seiten nachzulesen: „In Oberstdorf waren damals 18, 19 Grad – das hielt ich damals für mein Glück. Die Sauna im Hotel war aufgrund der Coronamaßnahmen geschlossen. Also bin ich in und Oberstdorf spazieren gegangen, mehrere Stunden am Tag. Während mir Menschen in Shorts und T-Shirts entgegenkamen, trug ich drei Schichten Kleidung. Wenn ich dann ins Hotel zurückkam, habe ich eine heiße Dusche genommen und mich dick angezogen unter die Daunendecke gelegt. Ich habe die Kilos ausgeschwitzt.“

Lundby hat Nordische Ski-WM 2023 fest im Blick

Im Normalschanzen-Einzel und im Mixed-Team gewann Lundby jeweils Silber und wurde danach zur Dopingkontrolle gebeten. Um die Urinprobe abgeben zu können, musste sie jedoch einige Liter Wasser trinken, was in der Folge wieder zu einer Gewichtszunahme führte, nachdem sie in der Zwischenzeit rund um das Teamspringen wieder ihre „Schwitzkur“ betrieben hatte. Genau das verschärfte die Lage aber weiter: „Vor dem Großschanzenspringen hatte ich eine Phase, in der ich wirklich müde war. Und ich wusste nicht, ob ich mir diese Phase der Dehydration nochmals antun soll.“

Die Entscheidung dafür fiel nach einem Gespräch mit Trainer Christian Meyer, der ihr klar mitteilte, sie müsse es für sich selbst entscheiden: „Es war meine Entscheidung, weil ich das unbedingt um die Medaillen kämpfen wollte und niemand konnte mich aufhalten.“ So auch am 3. März 2021, an dem sie schließlich zum historischen WM-Titel sprang. Danach beendete die noch laufende Saison und ließ die folgende aus. Stattdessen nahm sie an der norwegischen Version von „Let’s dance“ teil und arbeitete im Winter als Expertin für den Streamingdienst ‚Viaplay‘.

Parallel nahm sie aber schon wieder das Training auf und schuftet täglich zwischen drei und sechs Stunden für ihr Comeback, wenngleich ihr Gewicht gelegentlich stagniert. Dennoch sagt sie: „Ich spüre, dass ich aus ich aus dieser Zeit gelernt habe. und auf einem guten Weg bin. Es ist schwierig zu wissen, wo das Limit ist, wenn man es nie ausprobiert hat, aber ich habe wahrscheinlich eine Linie überschritten.“ Zukünftig möchte die 27-Jährige wieder die Linien auf der Schanze überschreiten, idealerweise die Hillsize und das bei der nächsten Nordischen Ski-WM in Planica, wo sie ihren Titel verteidigen möchte: „Ich denke, das ist realistisch.“ Ob dem so ist, wird die Skisprungwelt dann am 1. März 2023 erfahren, wenn das Großschanzen-Springen steigt.

Über Luis Holuch 326 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

1 Kommentar

  1. Traurig! Und sehr traurig was Athleten sich zumuten (müssen) an Diäten etc. um bei diesem Magerwahn vorn mit dabei zu sein. Habe einiges dazu gelesen bei Ahonen, Hannawald, Schmidt oder Forfang… Und dann kommt noch der polnische Verband daher und unterwandert mit seinen Gewichtsbeschlüssen im Frauenspringen die Bemühungen der FIS, dieses Problem halbwegs in den Griff zu bekommen…

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