Vor dem Vierschanzentournee-Finale

Abschottung und Konkurrenz aus dem eigenen Lager

Bevor in Bischofshofen heute das Finale der 66. Vierschanzentournee startet, sind alle Augen auf Kamil Stoch gerichtet, der die Möglichkeit hat, erstmals nach Sven Hannawald alle vier Springen der Tournee zu gewinnen.

Mit 65,5 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Andreas Wellinger führt Kamil Stoch die Gesamtwertung der 66. Vierschanzentournee an. Nach dem unglücklichen Ausscheiden von Richard Freitag in Innsbruck kann ihm nun kaum einer mehr den zweiten Gesamtsieg in Folge nehmen. Außer er macht sich selbst einen Strich durch die Rechnung. Doch das glaubt eigentlich keiner. Und auch wenn Hannawald um seinen Rekord aus der Saison 2001/2002 bangt, sehen auch die Aktiven gute Chancen, dass der Pole den Grand Slam schafft.

„Wenn er es macht, hat er es verdient, denn er springt auf einem extrem hohen Niveau. Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Sven Hannawald klammert sich ein bisschen an seinen Rekord, aber irgendwann passiert es eh“, äußerte sich beispielsweise Markus Eisenbichler nach der gestrigen Qualifikation.

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Auch Skisprunglegende Adam Malysz betonte das Potential von Kamil Stoch: „Er hat eine sehr große Chance, denn er ist in einer sehr guten Form. Kamil ist hundertprozentig ein Top Sportler, der weiß, was er machen muss. Momentan ist er der beste Skispringer.“

Acht Skispringer mit drei Siegen nach Bischofshofen

Acht Springern ist es in der Geschichte der Vierschanzentournee bisher gelungen, drei von vier Springen der Wettbewerbsserie in Folge zu gewinnen. Erster war 1953/1954 der Norweger Olaf Bjoernstadt. Vor Kamil Stoch war dies zuletzt Janne Ahonen in der Saison 2004/2005 gelungen. Am spektakulärsten sind in diesem Zusammenhang aber wohl die Ereignisse während der Tournee 1971/1972 zu nennen, als Yukio Kasaya nach dem Wettbewerb in Innsbruck mit drei Siegen führte, daraufhin aber in Bischofshofen aber nicht mehr antrat. Lieber bereitete er sich auf die nahenden Olympischen Spiele im heimischen Sapporo vor, bei denen er sich auch prompt zum ersten japanischen Winter-Olympiasieger überhaupt küren konnte.

Während sich Kamil Stoch heute (Probedurchgang und Wettbewerb ab 15:30 Uhr live bei skispringen.com) vor allem auf die einzelnen Sprünge konzentrieren und nicht an den Grand Slam denken will und auch der polnische Betreuerstab um Cheftrainer Stefan Horngacher auf größtmögliche Abschottung ihres Ausnahmeathleten setzt, wird es heute auf jeden Fall spannend an der Schanze.

Konkurrenz für Stoch aus dem eigenen Lager?

So werden auch andere Top-Athleten alles dafür geben, einen Tagessieg einzufahren. Deutlich wurde dies schon gestern, als nicht Kamil Stoch, sondern Teamkollege Dawid Kubacki die Qualifikation vor Johann Andre Forfang und Simon Ammann für sich entscheiden konnte.

„Möglich ist alles aber man hat heut auch wieder gesehen, dass es viele gibt, die mitkämpfen. Der Kamil darf sich keine Fehler erlauben und dann wird’s ein sehr interessanter Wettkampf“, so auch die Meinung des zweitplatzierten Andreas Wellinger.

» Alle Termine im Überblick: Tournee-Finale in Bischofshofen

Chancen wird sich sicher auch Lokalmatador Stefan Kraft ausrechnen. Gestern schon präsentierte er sich mit 134 Metern und damit Platz vier in der Qualifikation stark vor heimischem Publikum.

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Über Anna Baumgartner 8 Artikel

Seit 2011 im Team von skispringen.com. Mit familiären Wurzeln in Polen und der Schweiz skisprungbegeistert seit eh und je. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit für das Skispringen arbeitet sie an ihrer Promotion und ist schreibend und organisierend im Kunst- und Kulturbereich unterwegs.

5 Kommentare

  1. War das ein taktisches Manöver seitens des österreichischen Polen Trainer Stefan Horngacher, David Kubacki eine Luke tiefer loszuschicken, um a) evtl. auszuloten wie weit es geht bzw. b)so den Grand Slam für Stoch abzusichern, nachdem dadurch Kubacki seine Chance auf den Tagessieg durch den kürzeren Sprung nicht wahrnehmen konnte… – möchte jetzt wissen, was in David Kubacki`s Gedanken da wohl vorgegangen war, als er eine Luke kürzer losfahren musste – hier hat der Trainer bestimmt und beim Sturz von R. Freitag in Innsbruck hat dessen Trainer eben dies nicht bestimmt, um Freitags Chance nicht zu vergeigen….doch es kam ja anders als man es vor hatte…..Baldige Besserung für Richard Freitag und Gratulation an Kamil Stoch zum Grand Slam!

  2. Bravo Kamil Stoch zum Sieg. Klasse Leistung. Andi Wellinger phantastisch:zweiter in der Gesamtwertung in der Tournee. Herzlichen Glückwunsch.

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