Trainer übt Kritik an Skiverbänden

"Es ist mir nicht klar, was wir noch tun müssen": Sloweninnen-Trainer tritt zurück

Foto: SC Willingen

Trotz des Sieges im Nationencup tritt Sloweniens Damen-Nationaltrainer Zoran Zupancic zurück. Bei seinem Abgang lässt der Erfolgstrainer kein gutes Haar am slowenischen und Internationalen Skiverband.

Zwei Mal Olympia-Gold in Peking, Premierensieg im Nationencup, Platz zwei und drei im Gesamtweltcup sowie die Gesamtsiege in der „Alpenkrone“ und „Raw Air“: Die Erfolgsbilanz des slowenischen Damen-Teams in der Saison 2021/2022 hätte kaum besser sein können. Und dennoch wird das Team nicht in dieser Besetzung weitermachen. Nachdem Spela Rogelj ihren lange angekündigten Rücktritt vollzog, wird auch der Macher des Erfolgs nicht mehr Teil des Teams sein: Cheftrainer Zoran Zupancic legte überraschenderweise sein Amt nieder.

„Es ist das Ende des Vierjahreszyklus. Wir haben einen Dreifach-Sieg eingefahren und den Nationencup gewonnen. Die Arbeit ist getan. Ich bedanke mich bei der Mannschaft; den Springerinnen, den Betreuern und allen weiteren Helfern, die zu jeder Zeit für diese Ergebnisse gesorgt haben“, verkündete Zupancic in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ‚STA‘, nachdem Olympiasiegerin Ursa Bogataj am Sonntag nach ihrem dritten Weltcupsieg im Siegerinterview die Nachricht bereits verbreitet und seinen Entschluss bedauert hatte.

Zupancic: „Hätte gerne weitergemacht“

Seitens des slowenischen Verbandes (SZS) vermisse er Wertschätzung für die erfolgreichste Zeit im slowenischen Damen-Skispringen, die noch vor der gerade abgelaufenen Saison begonnen hatte. Im vergangenen Jahr wurde Ema Klinec Normalschanzen-Weltmeisterin, Nika Kriznar holte zudem den Gesamtweltcup. Der Standpunkt des Coaches ist klar: „Wir haben im Grunde genommen 95 Prozent dessen geholt, was überhaupt möglich war, und das wird schwer zu wiederholen sein. Ein Erfolg für die Geschichte. Deshalb tut diese herablassende Haltung weh.“

Die Gründe für seinen Entschluss liegen tiefer, so der 46-Jährige weiter: „Es ist mir nicht klar, was wir noch tun müssen, um die Einstellung zum Damen-Skispringen zu ändern. Wir haben die wichtigsten Trophäen geholt, die es zu gewinnen gibt, aber es ist nicht nur das. Es ist auch die Haltung des Internationalen Skiverbandes (FIS), dass er nicht einmal das Saisonfinale organisieren kann.“ Dass es weder für die vier ausgefallenen Japen-Weltcups noch für die abgesagte Blue-Bird-Tour Ersatz-Wettkämpfe gab, fände er „seltsam. Offensichtlich sind wir für sie nur ein Kostenfaktor.“

Zupancic betonte: „Ich habe mein Herz für meine Mannschaft gegeben. Ich hätte gerne weitergemacht, aber die Dinge sind so wie ich gesagt habe. Ich trete zurück, um die Dinge zum Besseren zu wenden.“ Der slowenische Verband verabschiedete ihn mit einer öffentlichen Stellungnahme und kündigte an, „unsere Ressourcen und unser Fachpersonal erheblich“ aufzustocken. Das Fundament sei solide und man sei zuversichtlich, weiterhin große Erfolge erzielen können, hieß es seitens SZS, der sich nun auf die Suche nach einer Nachfolgelösung begibt.

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Über Luis Holuch 326 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

4 Kommentare

  1. Das muss man sehr ambivalent betrachten. Auf der einen Seite wird er natürlich recht damit haben, was diese Verbands-Dinge angeht, das kennt man ja. Auf der anderen haben die Frauen einfach ein Mega-Problem mit der Leistungsdichte.Selbst bei 90m Wettbewerben gibt es innerhalb der Top 30 teils groteske Abstände, vom großen Bakken müssen wir nicht reden und erst recht nicht vom Fliegen. Schaue mir oft nur die letzten 10 an, sind eh immer die gleichen. Und klar hat jede Sportart mal im Schatten der Männer angefangen, aber hier stagniert es komplett. Erschwerend kommt noch hinzu, dass es seit 2 Jahren die Kombination für die Frauen gibt, wo auch ein Teil der Talente verbleibt. Mann könnte die Saison näher an den Männern planen und um Überschneidungen oder Spielraum für Probleme zu vermeiden, wie im Biathlon ab Donnerstag abwechselnd mit den Wettkämpfen beginnen. Ich war der erste, der mehr Bewerbe vor allem auf den Großen Schanzen sehen wollte, aber die Qualität ist echt mies und nur die Besten 5 springen die Anlagen aus. An den Slowenen liegt es allerdings nicht, um den Bogen zu spannen…mit 3 von denen, 2 jeweils aus JPN, AUS und NOR + eine Deutsche kann man aber keinen Weltcup aufziehen.

    • Sehe ich genauso!!! Deshalb ist die Frage Flugschanze für die Frauen ja oder nein auch für mich kein Thema. Es sind höchstens 10 die sich da nicht den Hals brechen würden. Meine Einschätzung…Und in Deutschland wächst offensichtlich auch nicht viel nach und nur eine Springerin ist zur Zeit wirklich international top.

  2. Hat sicher nicht Unrecht der Mann! Mir erschließt sich die Ungleichbehandlung durch die FIS leider auch nicht. SO kann sich das Frauenspringen nicht weiter entwickeln. Schade, gibt doch wirklich irre tolle und gute Frauen in diesem Sport. Irgendwann geben die Mädels auf wenn weiterhin so mit ihnen umgegangen wird. Wo sind die Frauen in der FIS-Abteilung Skispringen????? Wohl (fast) eine reine Männergesellschaft wie leider in so vielen anderen Weltverbänden…

    • Hallo, Fan
      Du hast mit allem, was du sagst, so Recht. Für die Männer wird fast immer ein Ersatzort für ausgefallene Skispringen organisiert (Beispiel: Titisee-Neustadt für Sapporo), warum nicht auch für die Frauen?

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