DSV-Skispringerin wohlauf

So geht es Selina Freitag nach ihrem schweren Sturz in Willingen

Foto: imago / Eibner

Beim Sturz von Selina Freitag am Samstag in Willingen hielt die Skisprungfamilie den Atem an. Doch wie durch ein Wunder trug die DSV-Skispringerin keine schweren Verletzungen davon und hat sich nun auch selbst geäußert.

Am Samstagmittag um kurz vor halb zwei wurde es plötzlich noch stiller als ohnehin im fast menschenleeren Strycktal. Selina Freitag hob vom Schanzentisch der Mühlenkopfschanze ab und nichts deutete darauf hin, was nur Sekunden später geschah. Die Skispringerin der SG Nickelhütte Aue streifte mit dem rechten Ski einen Reisigzweig auf dem Aufsprunghang, wodurch dieser quer nach links zeigte. Milisekunden später wurde sie ausgehoben, landete unsanft auf der rechten Körperhälfte und auf dem Gesicht und blieb liegen. Doch, anders als befürchtet, hatte dieser Unfall, keine schwerwiegenden Folgen.

„Ich bin froh, dass nichts Gröberes passiert ist. Klar tut mir die rechte Seite weh, aber ansonsten geht es mir gut“, sagte Freitag in einer virtuellen Medienrunde nur wenige Stunden später. Und auch das Lachen hatte sie bereits wiedergefunden. „Meine Familie kennt sich ja mit solchen Situationen aus, deswegen gab es von Zuhause den Rat, dass ich eine Runde laufen gehen und die Muskulatur etwas lockern soll. Das habe ich eben auch gemacht. Jetzt werde ich noch ein, zwei Stunden bei unserer Physiotherapeutin in Anschluss nehmen, dann geht es noch besser“, schmunzelte die 20-Jährige.

Freitag mit Glück im Unglück

Schon während des Wettkampfs konnte ein DSV-Sprecher erste Entwarnung geben, nachdem die Untersuchungen beim Rennarzt vor Ort keine Befunde ergeben hatten. „Sie haben den Kopf und die Wirbelsäule abgecheckt. Danach habe ich mich umgezogen und schon wieder den nächsten Corona-Test gemacht.“, schilderte Freitag den weiteren Ablauf der Ereignisse. Ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking, die in der kommenden Woche beginnen, steht der Unfall also nicht im Wege.

Mehr noch: Auch ein Start beim zweiten Einzelspringen am Sonntag in Willingen (live bei skispringen.com) ist nicht ausgeschlossen: „Wenn mir am Morgen nach dem Aufstehen nach Skispringen ist, würde ich es gerne versuchen. Das wäre auch für den Kopf wichtig.“ Zumal ihr bereits klar sei, wie es zu dem Schreckmoment kommen konnte: „Ich bin zu früh aus der Spannung gegangen und dann kam noch etwas Wind. Der hat mir die Ski dann verdreht. Und es ging so schnell, dass ich gar nicht mehr reagieren konnte. Ich habe zunächst keine Luft mehr bekommen, sodass ich erstmal geschrien habe.“

Auch ihre Kolleginnen und Konkurrentinnen war der Schock in die Glieder gefahren. Das wegen böiger Winde ohnehin turbulente Springen, das die Weltcupführende Marita Kramer in nur einem Durchgang gewann, hatte einen traurigen Tiefpunkt erreicht und führte sogar zu einem Protest auf der Schanze: Eva Pinkelnig aus Österreich schwang demonstrativ ab, indem sie ein imaginäres Kreuz in die Luft zeichnete. Gegenüber dem ‚ZDF‘ bekundete sie danach: „Ich hätte nach dem Sturz von Selina für mich sagen müssen ‚ich lasse es‘, weil die Verhältnisse irregulär sind. Die Spur stockt und es weht von allen Seiten.“ Und obwohl Selina Freitags Sturz nichts mit den Bedingungen zu tun hatte, hätte er sich wohl verhindern lassen.

Über Luis Holuch 307 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

1 Kommentar

  1. Schön das ihr nichts Schlimmes passiert ist!!!
    Aber: Sie „striff“ habe ich noch nie gehört. Es heisst wohl immer noch: Sie „streifte“… nichts für ungut!

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