Knapp vor Andreas Wellinger

Vierschanzentournee: Anze Lanisek gewinnt Qualifikation zum Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen

Foto: imago / GEPA

Anze Lanisek entscheidet den Qualifikationsdurchgang zum Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen für sich. Der Slowene setzt sich knapp gegen Andreas Wellinger durch, der trotz klarer Bestweite Zweiter wird. Andere DSV-Skispringer tun sich auf der Olympiaschanze schwer.

Mit einem Sprung auf 134 Meter sicherte sich Anze Lanisek den Sieg in der Qualifikation zum traditionellen Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Der Slowene erzielte am Sonntagmittag auf der Großen Olympiaschanze insgesamt 140,5 Punkte und setzte sich damit knapp gegen Oberstdorf-Sieger Andreas Wellinger durch, der mit 139 Metern (139 P.) zwar klare Bestweite gesprungen ist, dabei aber ordentliche Punktabzüge von den Kampfrichtern kassiert hat. Den dritten Platz belegte der Österreicher Manuel Fettner mit 132,5 Metern und 135,1 Zählern.

Nach starkem Training: Wellinger verpatzt Landung

Auftaktsieger Andreas Wellinger, der in den vergangenen Stunden vor allem durch ein Loch im Anzug für Diskussionen gesorgt hatte, blickt auf einen erneut starken Auftritt in Garmisch-Partenkirchen vor 8.000 Zuschauern zurück: Schon die beiden im Vorfeld ausgetragenen Trainingsdurchgänge hat der 28-jährige Ruhpoldinger für sich entschieden.

„Es ist momentan extrem konstant. Es macht Spaß und geht relativ leicht, ich weiß, was ich zu tun habe“, analysierte Andreas Wellinger und erklärte mit Blick auf seinen verpatzten Telemark: „Die Landung war heute echt Müll. Den Fehler muss ich morgen definitiv besser machen, denn so sind mir heute fünf Punkte verloren gegangen.“

Geiger und Co. tun sich schwer

Andere DSV-Skispringer haben sich in der Vorausscheidung noch schwer getan: Allen voran Karl Geiger, der mit 122 Metern nicht über den 35. Platz hinausgekommen ist und es im K.o.-Duell morgen mit dem Italiener Alex Insam (15.) zu tun bekommt. „Ich bin heute leider extem schlecht Ski gesprungen. Ich muss morgen schneller anfahren – ich war heute sehr langsam, was untypisch ist für mich. Irgendwas passt nicht“, analysierte der Oberstdorfer im ‚ZDF‘. Auch Pius Paschke hat mit 127 Metern und dem 25. Platz noch deutlich Luft nach oben gelassen.

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Neben der eigentlichen Weltcup-Kernmannschaft von Bundestrainer Stefan Horngacher haben auch die vier Springer der nationalen Gruppe die Qualifikation überstanden, die der DSV zusätzlich an den Start schicken darf. Besonders stark präsentierte sich dabei Constantin Schmid, der mit 132 Metern den neunten Platz belegt hat. Am Neujahrstag mit dabei sind außerdem Felix Hoffmann (24.), Martin Hamann (44.) sowie Luca Roth (48.).

Kraft und Kobayashi lassen Luft nach oben

Mit Blick auf den Gesamtsieg der 72. Vierschanzentournee verspricht das Neujahrsspringen am Montag jede Menge Spannung, denn mit Stefan Kraft und Ryoyu Kobayashi lassen die beiden engsten Verfolger von Spitzenreiter Wellinger in der Qualifikation noch deutlich Luft nach oben.

Kraft belegte auf seiner Angst-Schanze noch hinter Landsmann Michael Hayböck (4.) und dem Slowenen Timi Zajc (5.) den sechsten Platz. „Ich warte seit Jahren darauf, dass dieses Springen abgesagt wird“, hatte der österreichische Hoffnungsträger noch nach dem Auftakt in Oberstdorf augenzwinkernd gesagt.

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Ryoyu Kobayashi kam mit 128,5 Metern nicht über den 17. Platz hinaus und trifft im K.o.-Durchgang damit auf den Finnen Eetu Nousiainen.

Domen Prevc disqualifiziert, Lovro Kos mit Glück

Domen Prevc wurde disqualifiziert, weil sein Sprunganzug eine zu hohe Luftdurchlässigkeit aufgewiesen hat. Mit einem irregulären Anzug war auch der Kasache Ilya Mizernykh am Start, der ebenfalls aus dem Rennen genommen wurde, im Gegensatz zum Slowenen aber höchstwahrscheinlich ohnehin ausgeschieden wäre.

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Besonders viel Glück hatte Prevc‘ Landsmann Lovro Kos, der nach dem Auftaktspringen in Oberstdorf immerhin Vierter der Tournee-Gesamtwertung ist. Nach seinem Sprung auf 133,5 Meter griff der Slowene noch vor der Sturzlinie in den Schnee – doch die meisten Kampfrichter haben das nicht gesehen und verzichteten auf entsprechende Punktabzüge.

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Am Neujahrstag startet um 12:30 Uhr zunächst der Probedurchgang, bevor die Skispringer ab 14 Uhr (alles live bei skispringen.com) um den Sieg beim Neujahrsspringen und wichtige Punkte im Kampf um den Tournee-Gesamtsieg kämpfen.

Mehr dazu gleich hier bei skispringen.com.

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Über Marco Ries 867 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

14 Kommentare

  1. Wellinger ist aktuell klar der beste Mann! Die Punkterichter haben ihn deutlich unter Wert verkauft; 16,5 bei so einem Sprung ist unmöglich

    • Sorry, aber die Wertung von Finnland und Deutschland war falsch. Der Rest hat die Landung richtig gewertet. Keine Frage, dass Andreas im Moment der beste Springer ist.

    • Hallo, schanzenrekord du musst aber sehen wie Andi Wellinger gelandet ist: Er hat im hohen Weitenbereich einen unsauberen Versuch einer Telemark-Landung hingelegt. Deshalb waren die Noten niedrig. Aber: in Oberstdorf hat er im ersten Wertungssprung einmal die Note 20 bekommen.

      • @Bibi Hallo, ich war sogar im Stadion und habe das gesehen, und ich fand die Landung nicht einer 16,5 würdig. Bin jedenfalls sicher, ein Stoch oder Kraft hätte dafür im Schnitt noch eine 17,5-18 bekommen 😉

  2. Was Andi Wellinger gerade auf die Schanzen bringt ist ja sau gut und fast dominant.
    Das gibt ja richtig Hoffnung.
    Alle anderen Deutschen fangen an, an letztes Jahr zu erinnern. Auch die Reaktionen und die Mimik fangen an sich wieder zu ändern. Hoffe sie können diese Spirale schnell wieder aufhalten. Was passiert, wenn Geiger und Paschke erstmal anfangen zu zweifeln, hat man ja letzte Saison gesehen.
    Für Schmid hat es mich sehr gefreut. Leider ist es bestimmt sau schwer für ihn wieder in die Mannschaft zu kommen. Glaube nicht, dass ein anderer rausgenommen wird, selbst wenn Schmid besser ist bei diesem Springen.

    • Geiger ist schon nach seinem vierten Platz eingeknickt wie ein Schneeglöckchen. Weil er wusste, er kann nicht mehr der Allerbeste und Tourneesieger werden. Sowas darf einfach nicht sein!

    • Ich rechne nicht mit einem stärkeren Kraft. Ich denke auf dieser Schanze ist ein top ten Platz das maximum. Es geht glaube ich darum nicht zu viel zu verlieren um dann in Österreich den Angriff auf den Gesamtsieg zu starten. Für Wellinger und Kobayashi heißt es genügend Punkte Vorsprung zu holen.
      Außerdem darf man Prevc und Kos nicht vergessen. Die springen sehr gut, sind nicht weit weg und können richtig überraschen.

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