Kamil Stoch fällt zurück

Daniel Andre Tande siegt in Willingen, Richard Freitag Zweiter

Daniel-André Tande feiert in Willingen überraschend seinen vierten Weltcupsieg. Der Norweger setzt sich hauchdünn gegen Richard Freitag durch. Top-Favorit Kamil Stoch führt zur Halbzeit, fällt im Finale dann aber deutlich zurück.

Am Ende kam alles anders, als erwartet. Nicht Top-Favorit Kamil Stoch sicherte sich den Sieg beim ersten von zwei Einzelspringen in Willingen, sondern Daniel-André Tande. Der Norweger lag nach dem ersten Durchgang noch auf dem zweiten Platz, leitete im Finaldurchgang dann aber eine beeindruckende Aufholjagd ein.

Mit Sprüngen auf 148 und 146,5 Meter erzielte Tande insgesamt 261,3 Punkte und setzte sich damit in einem hochspannenden Wettbewerb gegen Richard Freitag durch, der auf 149,5 und 141,5 Meter (260,5 P.) kam. Dawid Kubacki aus Polen wurde mit 145 und 139,5 Metern (254,8 P.) Dritter.

Freitag mit verkürztem Anlauf zur Bestweite

Nach dem ersten Durchgang sah alles noch nach dem nächsten Sieg von Kamil Stoch aus. Zur Halbzeit führte der Pole das Feld vor Richard Freitag an. Freitag zeigte vor 21.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion an der Mühlenkopfschanze mit 149,5 Metern den weitesten Sprung des Tages, konnte dabei aber keinen Telemark setzen.

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Zuvor hatte Bundestrainer Werner Schuster eine Anlaufverkürzung für den Sachsen veranlasst. „Das war nicht der Taktikfuchs, das war der Sicherheitsfuchs“, erklärte Bundestrainer Schuster: „Trotzdem musste er den Sprung abbrechen und konnte keinen Telemark setzen, sonst wäre er vorne gelegen.“

Stoch fällt zurück, Wellinger stark

Kamil Stoch hielt den Erwartungen von tausenden polnischen Zuschauern nicht stand, fiel mit 137,5 Metern im Finale auf den vierten Platz zurück. Am Ende setzte sich Tande mit dem minimalen Vorsprung von nur 0,8 Zählern gegen Freitag durch.

„Das Zehntelglück war heute leider nicht auf unserer Seite“, urteilte Schuster. Zufrieden zeigte sich der Bundestrainer dennoch – denn mit 143,5 und 141,5 Metern präsentierte sich auch Andreas Wellinger glänzend. Wie schon eine Woche zuvor in Zakopane ließ sich der Ruhpoldinger von den schwachen Trainingsleistungen nicht aus der Ruhe bringen, zeigte seine besten Sprünge im Wettkampf. Eine Woche vor der Olympia-Entscheidung konnte Wellinger mit dem fünften Platz weiteres Selbstvertrauen tanken.

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Markus Eisenbichler ist es hingegen nicht gelungen, die starken Trainingsleistungen mit in den Wettkampf zu nehmen. Mit 136 und 139,5 Metern sowie dem zwölften Platz gab sich der Siegsdorfer vor der Abreise nach Korea wenig zufrieden. Komplettiert wird das Ergebnis der deutschen Mannschaft durch den Oberstdorfer Karl Geiger und Lokalmatador Stephan Leyhe vom SC Willingen auf den Plätzen 14 bzw. 16.

Polen und Norwegen geschlossen stark

Den nächsten Weltcupsieg hat die polnische Mannschaft am ersten Wettkampftag in Willingen zwar verpasst, mannschaftlich war das Team von Cheftrainer Stefan Horngacher aber wieder eine Klasse für sich: Neben Kubacki und Stoch überzeugte auch Stefan Hula als Sechster.

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Einen Tick stärker waren diesmal aber die Norweger: Neben Sieger Tande schafften es mit Johann Andre Forfang (7.) und Robert Johansson (8.) zwei weitere Athleten unter die Top Ten, die Anders Fannemel als Elfter nur knapp verpasst hat.

Aus der österreichischen Mannschaft, die ohne ihre Olympia-Starter nach Willingen gekommen ist, überzeugte Daniel Huber. Mit Weiten von 143,5 und 138,5 Metern belegte der 25-Jährige den neunten Platz.

Tande führt „Willingen Five“ an

In der neuen „Willingen Five“-Gesamtwertung, in die alle Wertungssprünge dieses Wochenendes einfließen, übernimmt Daniel-André Tande mit insgesamt 393 Punkten die Gesamtführung. Hinter ihm folgen Richard Freitag (392,5) auf dem zweiten und Kamil Stoch (388,4) auf dem dritten Platz.

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Am Sonntag folgt in Willingen der letzte Wettkampf vor den Olympischen Winterspielen. Weil die Teams frühzeitig in Richtung Korea abreisen, heißt es für Athleten und Fans früh aufstehen: Um 09:30 Uhr startet der Probedurchgang, um 10:20 Uhr (alles live bei skispringen.com) der erste Wertungsdurchgang. Alle 56 gemeldeten Athleten werden startberechtigt sein, eine weitere Qualifikation wird es nicht geben.

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Über Marco Ries 517 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

10 Kommentare

  1. Hallo. Bin grad bißchen verwirrt. ZDF meinte grad, dass der erste Durchgang morgen mit allen 56 Springer startet, die gestern auch bei der Probe waren. Bedeutet das, dass David Siegel morgen nochmal die Chance hat, sich zu beweisen????? Und wieso hat man eh nur 6 Springer gemeldet???? Wo ist der 7te Startplatz hin???

    • Oh Mann… bei zwei Einzelwettbewerben muss man sich klar für den zweiten Weltcupwettbewerb nochmal qualifizieren. Da wird alles wieder auf Null geschaltet. Also darf Siegel auch nochmal ran. Die Disqualifikation galt nur für das erste Weltcupspringen heute. Lies doch mal ganz einfach zum Beispiel bei Wikipedia die Weltcup-Regeln…

      • Zitat aus „skispringen.com“: „David Siegel wurde wegen eines zu weiten Sprunganzugs schon am Anlaufturm disqualifiziert – bitter: Weil die Qualifikation für beide Einzel-Wettbewerbe gilt, wird er das letzte Wettkampf-Wochenende vor den Olympischen Winterspielen verpassen.“
        Können Sie uns bitte verraten, wann Ihrer Meinung nach die Qualifikation für das zweite Einzelspringen stattfinden soll! Um 09.30 Uhr startet morgen der Probedurchgang, um 10.20 Uhr soll der erste Wertungsdurchgang absolviert werden. Warum heißt wohl der neue Wettbewerb „Willingen Five“? Ein Qualifikationssprung am Freitag, zwei Durchgänge im Einzelwettbewerb am Samstag und zwei Durchgänge im Einzelwettbewerb am Sonntag ergeben insgesamt fünf Wertungssprünge. Oh Mann…

        • Aha! Da wurde scheinbar eine kleine Änderung vorgenommen, Zitat aus „skispringen.com“: “ Um 09:30 Uhr startet der Probedurchgang, um 10:20 Uhr der letzte Wettbewerb vor den Olympischen Winterspielen. Freuen darf sich übrigens David Siegel – denn wie die Offiziellen recht kurzfristig beschlossen haben, werden alle 56 gemeldeten Athleten im ersten Durchgang startberechtigt sein. Nachdem Siegel in der Qualifikation am Freitag gescheitert ist, erhält er ebenso wie die übrigen fünf Athleten eine neue Chance.“

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