Gregor Schlierenzauer: „Jegliche Leidenschaft gekillt“

Gregor Schlierenzauer beendet die Saison vorzeitig – und auch ein Karriereende ist nicht ausgeschlossen. Die Medien dürfen keine weiteren Fragen stellen, stattdessen veröffentlichen die Berater des 26-Jährigen folgendes Interview.

Gregor, die vergangene Zeit war für dich nicht einfach, du wurdest vorzeitig aus dem Tournee-Team genommen, bist auch nicht in Willingen dabei. Das hat eine Menge Spekulationen zur Folge, wie sieht deine weitere Planung aus?

Gregor Schlierenzauer: Stimmt, speziell die vergangenen Wochen waren schwierig, in Wahrheit fuchst es aber schon länger. Ich bin in der Vorsaison zwar Vize-Weltmeister geworden, aber in Summe weit hinter den Erwartungen geblieben, habe darauf hin einiges umgestellt, meine Trainingsumfänge nochmals vergrößert und neue Reize gesetzt. Mit dem Sieg beim Sommer-Grand-Prix in Hinzenbach habe ich Selbstvertrauen getankt, ich bin topfit in die Saison eingestiegen, habe es dann aber vom ersten Wettkampfsprung an nicht geschafft, das vorhandene Potential in Meter umzusetzen. Ich habe diese Situation akzeptiert und mich der Herausforderung Vierschanzentournee nach Rücksprache mit den Verantwortlichen bewusst gestellt, nach dem Bergiselspringen hat die Enttäuschung dann aber jegliche Leidenschaft gekillt. So macht das keinen Sinn, was wiederum nicht heißen soll, dass ich mich schlecht betreut fühle. Die sportliche Leitung leistet sehr gute Arbeit, aber die Trainer können nicht für mich Skispringen. Es liegt an mir das entsprechende Gefühl für alles was es für diesen Sport braucht aufzubauen und abzurufen und das bekomme ich trotz intensiver Bemühungen zur Zeit nicht auf die Reihe.

Damit findet die Skiflug-Weltmeisterschaft ohne dich statt?

Schlierenzauer: Ich hätte weniger ein Problem damit sportlich hinterher zu fliegen, denke aber, dass Jüngere die einmalige Chance bekommen sollten, bei der Heim-WM dabei zu sein. Abgesehen davon wäre es aufgrund meiner Verunsicherung auch gefährlich, so ehrlich muss man sein. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber letztendlich ist es meine Gesundheit und die bin ich nicht bereit aufs Spiel zu setzen. Damit werde ich nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen, ich habe meine Entscheidung Heinz und dem ÖSV bereits mitgeteilt und möchte mich an dieser Stelle nochmals herzlich für die Unterstützung aber auch für das Verständnis bedanken, das mir das Team entgegenbringt.

Gibt es einen Plan für danach, wirst du trainieren und wann steigst du wieder in den Weltcup ein?

Schlierenzauer: Auch darüber habe ich mir in den vergangenen Tagen sehr viele Gedanken gemacht und auch diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich ziehe für heuer einen Schlussstrich, werde die Saison beenden und nehme mir damit nach zehn Jahren im Spitzensport erstmals eine richtige Auszeit. Ich wollte bereits die Saison 2013/14 auslassen, habe mich damals aber aufgrund der Olympischen Spiele in Sotchi anders entschieden. Jetzt ziehe ich die Reißleine, das schmerzt einerseits, andererseits bin ich auch erleichtert.

Kann das vorzeitige Saisonaus auch dein Karriereende zur Folge haben?

Schlierenzauer: Prinzipiell nicht, aber ich tu mir schwer hier und heute Prognosen abzugeben. Für mich ist es jetzt einmal wichtig loszulassen und auf andere Gedanken zu kommen. Die letzten Wochen waren für mich mental extrem schwierig, die Last ist immer größer geworden, von diesem Rucksack möchte ich mich jetzt befreien. Ich stehe seit meinem 16. Lebensjahr im Rampenlicht, Erfolg ist etwas Tolles, aber es gibt auch Schattenseiten. Man wird schnell schubladisiert und von Leuten gerichtet, die keine Ahnung haben was hinter den Kulissen passiert, das tut manchmal schon weh. Was mir zum Teil angedichtet wurde ist extrem, mir ist zwar klar, dass ich polarisiere und als Profisportler drüberstehen muss, aber das ist nicht immer einfach.

Du hast in deiner Karriere so ziemlich alles erreicht, musst niemanden mehr etwas beweisen, wäre es da nicht leichter zu sagen, danke es hat mich sehr gefreut, aber das war’s?

Schlierenzauer: Es geht nicht darum was ich erreicht habe, sondern um den Ist-Zustand. Im Moment brauche ich eine Pause und Abstand, wenn die Wunden verheilt sind und der Kopf klarer ist, schauen wir weiter.

In den letzten Tagen war in der Presse auch dein Privatleben Thema. Möchtest du dazu Stellung nehmen?

Schlierenzauer: Nein möchte ich nicht, ich habe es ja auch nicht zum Thema gemacht und bin enttäuscht, dass es in diesem Bereich keinen Respekt gibt. Ich habe mein Privatleben nie nach außen getragen, privat ist privat, das habe ich immer so gehalten und dabei bleibt es auch.

Wirst du in der kommenden Woche den Kulm besuchen?

Schlierenzauer: Nein, ich möchte raus aus dem Rampenlicht, weg von den Medien, keine Interviews mehr geben, es ist alles gesagt. Das Interesse sollte jenen gelten, die sich in das WM-Abenteuer stürzen und sportlich aufzeigen. Aber ich werde die Entscheidungen sicher verfolgen und den Jungs fest die Daumen drücken. Skifliegen ist eine einzigartige Erfahrung, es wird garantiert ein Hammer-Event, ich bin sicher, dass die Fans auf ihre Kosten kommen.

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