„Irgendwann muss man den Bock eben umstoßen“

Für Jochen Danneberg sind Prevc und Freund die Favoriten bei der Vierschanzentournee. In seiner Kolumne bei skispringen.com schreibt der zweifache Tournee-Sieger auch über gefährliche Außenseiter und den Druck.

Jahr für Jahr ist die Vierschanzentournee eines der großen Highlights im Weltcup-Kalender. Geht man nach den bisherigen Ergebnissen, sehe ich Peter Prevc als den stärksten Springer mit dem meisten Potenzial im Feld, doch auch Severin Freund hat bereits zwei Saisonsiege gefeiert und sich damit aufgedrängt. Die Chance des ersten deutschen Tourneesiegs seit Sven Hannawald im Jahr 2002 definitiv gegeben, aber Peter Prevc wird schwer zu schlagen sein.

Ich gehe nicht davon aus, dass die beiden jeden Tagessieg nach Belieben unter sich ausmachen, aber in der Gesamtwertung erwarte ich Prevc und Freund vorne. Nicht vergessen darf man außerdem die Norweger, die mannschaftlich sehr stark sind. Wenn neben Prevc und Freund ein Springer um den Sieg mitspringen kann, dann wird es einer aus der Mannschaft von Alexander Stöckl sein.

Jüngster Prevc-Bruder nur Außenseiter

Gewiss hat die Vierschanzentournee ihre eigenen Gesetze, aber ich rechne in diesem Jahr nicht mit einem Außenseitersieg, wie es bei bei den Österreichern Thomas Diethart oder Stefan Kraft in den vergangenen beiden Jahren der Fall war, die vor ihrem Tourneesieg noch nicht einmal einen normalen Weltcup gewonnen haben. Zuzutrauen wäre die Rolle des gefährlichen Außenseiters aber am ehesten Domen Prevc, dem Jüngsten der Prevc-Brüder. Ihm traue ich nach dem zweiten Platz in Engelberg einen weiteren Achtungserfolg zu, aber er wird kaum beständig genug für einen Tournee-Gesamtsieg sein. Wenn er seine Form beibehalten kann, wird der 16-Jährige weit vorne landen – seinem Bruder Peter kann er nicht gefährlich werden.

Die Österreicher muss man immer ins Kalkül ziehen, man hat in den letzten sieben Jahren gesehen, wie sie sich zur Vierschanzentournee gegenseitig hochschaukeln und motivieren können. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Siegesserie der Österreicher reißen wird. Am ehesten würde ich Michael Hayböck eine gute Platzierung zutrauen, aber auch Titelverteidiger Stefan Kraft ist immer noch sehr stark. Gregor Schlierenzauer wird es bei seiner Rückkehr nicht einfach haben, er gehört für mich nicht zu den Favoriten auf den Gesamtsieg, weil er zuletzt nicht beständig genug war.

Deutsche Skispringer müssen dem Druck standhalten

Meine Hoffnungen ruhen auf dem deutschen Trio bestehend aus Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wellinger. In den vergangenen Jahren mussten die deutschen Skispringer ihre Tournee-Träume oft schon nach dem Auftaktspringen in Oberstdorf begraben, scheinbar sind die Springer mit der Drucksituation nicht zurechtgekommen. Inzwischen hat die Mannschaft von Werner Schuster aber achtbare Erfolge gefeiert – Team-Olympiasieg, Weltmeistertitel für Freund – und sollte das Potenzial haben, damit umzugehen. Natürlich ist Oberstdorf nicht die beste Erinnerung, aber die Mannschaft ist gereift. Irgendwann ist man aufgefordert, den Bock eben umzustoßen und so zu springen, wie man es auch kann.

Viel Spaß bei der Tournee,
Euer Jochen Danneberg

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