Olympia-Favoritencheck

Carina Vogt, Katharina Althaus und Co. jagen Maren Lundby

Die Olympia-Entscheidung ist zweifelsohne der Höhepunkt für die Skispringerinnen in dieser Saison. Die große Favoritin bei den Damen kommt aus Norwegen, doch auch Titelverteidigerin Carina Vogt rechnet sich Chancen aus. skispringen.com macht den Favoritencheck.

Erst zum zweiten Mal in der Geschichte bietet sich den Skispringerinnen die Gelegenheit, eine Olympiasiegerin zu ermitteln. Nach jahrelangem Kampf feierte das Damen-Skispringen 2014 in Sotschi sein Olympia-Debüt. Der Wettkampf in Sotschi war mit dem überraschenden Olympiasieg von Carina Vogt besonders aus deutscher Sicht ein großes Highlight. Vier Jahre und einen Tag später wird am Montag, 12. Februar 2018, die zweite Olympiasiegerin gekürt.

Welche Springerinnen dazu in der Lage sind, das zeigt skispringen.com im großen Olympia-Favoritencheck:

Top-Favoritin:

Maren Lundby (Norwegen): Zehn Weltcupspringen, sieben Siege und dreimal Zweite – allein diese Zahlenkombination reicht um die aktuelle Form von Maren Lundby zu beschreiben. Sechs ihrer Siege holte sie in Folge. Die 23-Jährige ist die dominierende Springerin dieser Saison. Im Gesamtweltcup führt sie fast uneinholbar mit 300 Punkten vor der Zweiten Katharina Althaus, was aber auch daran liegt, dass die Deutsche die Weltcups in Zao ausließ. Doch auch so wäre Lundbys Vorsprung im gelben Trikot komfortabel. Dazu ist sie in dieser Saison einfach zu stark. Besonders im mentalen Bereich hat sich die Norwegerin enorm verbessert. Bei der WM 2017 führte sie nach dem ersten Durchgang, fiel dann aber noch auf Platz vier zurück und verpasste die Medaille. In dieser Saison zeigte sie sich nervenstark und gewann auch als Halbzeit-Führende. Teilweise gelang es ihr im zweiten Sprung die Führung sogar auszubauen. Die Schanzen in Pyeongchang scheinen ihr ebenfalls zu liegen. Beim Test-Weltcup im vergangenen Jahr wurde sie Dritte und Vierte. Am ersten Trainingstag am Donnerstag gewann sie alle drei Trainingsdurchgänge. Damit untermauerte sie eindrucksvoll ihre Rolle als absolute Gold-Favoritin. Es bleibt nur die Frage, ob sie den mit ihren Leistungen aufgebauten Erwartungsdruck standhalten kann? In Norwegen gilt sie berechtigterweise als große Gold-Hoffnung. Präsentiert sie sich in Pyeongchang so nervenstark wie im Weltcup, wird Maren Lundby die Olympiasiegerin 2018.

Favoritinnen:

Katharina Althaus (Deutschland): Die Oberstdorferin ist eine von nur zwei Athletinnen die Maren Lundby in dieser Saison schlagen konnten. Beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer gelangen ihr zwei Saisonsiege, was ihr zu Saisonbeginn das Gelbe Trikot bescherte. Trotz ihrer erst 21 Jahre absolviert sie schon ihre siebte Weltcup-Saison. Und diese ist mit Abstand die Beste. Bei all ihren acht Saisonstarts stand sie auf dem Podest. Damit liegt sie trotz des ausgelassenen Weltcups in Zao auf Rang zwei im Gesamtweltcup. Ihre Stabilität scheint sie auch in Südkorea nicht verloren zu haben. Am ersten Trainingstag wurde sie zweimal Dritte und einmal Fünfte. Bei der WM 2015 in Falun wurde sie mit dem Mixed-Team Weltmeisterin. In Sotschi ein Jahr zuvor wurde sie im Einzel 23., das geriet aber angesichts des Olympiasiegs von Carina Vogt schnell zur Nebensache. In Pyeongchang wird ihr Ergebnis definitiv besser und es spricht vieles dafür, dass sie diesmal die gefeierte Olympia-Heldin wird. Wenn sie ihre Nerven beisammen hält und die Saisonleistungen auch im Olympischen Wettkampf zeigt, wird Althaus eine Medaille holen!

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Carina Vogt (Deutschland): Sie ist die Vorzeigefrau des deutschen Skispringens. Mit ihrem Olympiasieg in Sotschi trug sie sich nicht nur in die Geschichtsbücher ein, sondern sorgte für einen wahren Mädchen-Boom im Skispringen. In dieser Saison hat ihr Althaus als Gesamtweltcupzweite die interne Führungsrolle streitig gemacht, doch Carina Vogt dürfte das gerade recht sein, wird der Druck so auf mehrere Schultern verteilt. Auch wenn sie aktuell Gesamtweltcupsechste ist und in dieser Saison „nur“ einmal auf das Podest sprang, gehört sie zum Favoritenkreis. Schließlich hat die 26-Jährige in den vergangen vier Jahren gezeigt, dass sie immer dann stark ist, wenn es um Medaillen geht. Sie ist die personifizierte „Frau für die Großereignisse“: Seit den Olympischen Spielen in Sotschi ist Vogt bei allen Großereignissen ungeschlagen! WM-Gold im Einzel und im Mixed 2015 in Falun und WM-Gold im Einzel und Mixed zwei Jahre später in Lahti – so hat sie die etwas kuriose Bilanz von nur zwei Weltcupsiegen, aber viermal WM-Gold und einem Olympiasieg. Am ersten Trainingstag war sie als zweimal 12. und einmal 14. noch nicht ganz vorne mit dabei. Aber die vierfache Weltmeisterin hat ja noch bis Montag Zeit um sich mit der Schanze in Pyeongchang anzufreunden. Während bei Lundby und Althaus hinter der Nervenstärke bei Olympia noch ein Fragezeichen steht, ist Vogts Nervenstärke bekannt. Die Fortsetzung ihrer Siegesserie bei Großereignisse scheint unwahrscheinlich, aber sollten die anderen Favoritinnen patzen, wird die Springerin vom SC Degenfeld zur Stelle sein!

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Sara Takanashi (Japan): Die Japanerin hat in ihrem jungen Alter schon fast alles erreicht. Sie ist vierfache Gesamtweltcupsiegerin, mit 53 Weltcup-Erfolgen Rekordweltcupsiegerin, hat WM-Silber und WM-Bronze im Einzel, sowie WM-Gold im Mixed geholt. Für eine 21-Jährige ist das eine nahezu unglaubliche Erfolgsbilanz. Doch bei dieser Aufzählung fehlt etwas: Einzelgold bei einem Großereignis! Ihre Ergebnisse bei Großereignissen haben schon etwas Tragisches. Mitunter als „Wunderkind“ gefeiert, reiste sie zu den Olympischen Spielen 2014 und zu den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 jeweils als Top-Favoritin an, um dann jedes Mal von Carina Vogt geschlagen zu werden. Bei den Olympischen Spielen und der WM 2015 verpasste sie als Vierte sogar die Medaillen komplett. In Pyeongchang soll endlich das Einzelgold her! In dieser Saison war sie immer in den Top vier und ist zurecht Gesamtweltcupdritte. Jedoch holte sie keinen Saisonsieg. Beim Test-Weltcup in Pyeongchang 2017 wurde Takanashi Erste und Zweite und auch am ersten Trainingstag am Donnerstag glänzte sie mit den Plätzen vier, zwei und zwei. Die Japanerin reist nicht als Top-Favoritin an, der Druck in der Heimat ist aber dennoch groß. Trotzdem, vielleicht hilft ihr der Rollentausch und Takanashi holt als „Außenseiterin“ das ersehnte Einzelgold.

Geheimfavoritinnen:

Yuki Ito (Japan): Angesichts der überragenden Leistungen ihrer Landsfrau Takanashi steht Yuki Ito in der öffentlichen Wahrnehmung immer ein bisschen im Schatten des „Wunderkindes“. Dabei sind ihre Erfolge nicht weniger erwähnenswert: Bei der WM 2013 holte sie zusammen mit Takanashi WM-Gold im Mixed, bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 gewann sie jeweils Einzel-Silber und Mixed-Bronze. Damit ist sie bei Weltmeisterschaften sogar erfolgreicher als Takanashi. In der vergangenen Saison wurde sie außerdem Zweite im Gesamtweltcup. Aktuell belegt sie Rang vier im Gesamtweltcup. Die fünffache Weltcupsiegerin sprang in dieser Saison zweimal aufs Podest und war, außer bei der Olympia-Generalprobe in Ljubno, immer unter den Top fünf. Beim Test-Weltcup im vergangenen Jahr wurde sie Erste und Zweite. Auch ihr erster Trainingstag in Pyeongchang lief mit den Plätzen drei, sieben und sechs zufriedenstellend. Vor vier Jahren in Sotschi wurde sie Siebte, diesmal dürfte sie weiter vorne landen, ob es allerdings zu einer Medaille reicht bleibt abzuwarten. Möglich ist sie aber allemal.

Daniela Iraschko-Stolz (Österreich): Die 34-Jährige ist neben Katharina Althaus die einzige Springerin, die Maren Lundby in dieser Saison bezwingen konnte und das ausgerechnet beim letzten Wettkampf vor den Olympischen Spielen. So viele andere Möglichkeiten hatte sie aber auch gar nicht, denn Iraschko-Stolz verletzte sich noch vor dem Saisonstart und fiel bisher fast die komplette Saison aus. Doch rechtzeitig zur Olympia-Generalprobe in Ljubno wurde sie wieder fit und feierte mit Rang vier und eins ein beeindruckendes Comeback. Vor drei Jahren gewann die Österreicherin den Gesamtweltcup und bereits 2011 wurde sie in Oslo Weltmeisterin. Es fehlt also nur noch der Olympiasieg, in Sotschi holte sie Silber. Aufgrund ihrer Erfahrung zählt sie neben Carina Vogt zu den nervenstärksten Springerinnen und am ersten Trainingstag überzeugte Iraschko-Stolz als Zweite, Sechste und Fünfte. Es scheint, als wäre sie vielleicht sogar mehr als eine Geheimfavoritin. Ihre zweite Olympische Medaille ist auf jeden Fall möglich.

Außerdem zu beachten:

Angesichts der Stärke von Lundby, Althaus, Vogt und Co. scheint es unwahrscheinlich, dass noch andere Springerinnen um die Medaillen mitspringen können. Doch bei Großereignissen reicht ein sehr guter Tag um zur Heldin werden. Daher seien noch Athletinnen mit Außenseiterchancen erwähnt: Chiara Hölzl aus Österreich und die Russin Irina Avvakumova, die für die Olympischen Athleten aus Russland startet. Die 20-jährige Hölzl ist aktuell Siebte im Gesamtweltcup und stand in Zao auf dem Weltcup-Podest. Irina Avvakumova ist sogar Gesamtweltcupfünfte. In dieser Saison sprang sie achtmal in die Top sieben und wie Hölzl gelang ihr in Zao ein Podestplatz. Zudem präsentierten sich die frischgebackene Doppel-Junioren-Weltmeisterin Nika Kriznar und ihre slowenische Landsfrau Ema Klinec im ersten Training in Pyeongchang stark.

Die Entscheidung der Damen live bei skispringen.com

Am Montag wird es für die Skispringerinnen ernst – dann tragen sie ihre Einzel-Entscheidung auf der Normalschanze aus. Um 12:35 Uhr steht zunächst der Probedurchgang auf dem Programm, um 13:50 Uhr (MEZ / alles live bei skispringen.com) startet der Wettkampf.

Über Jonas Klinke 10 Artikel
Seit Februar 2017 im Team von skispringen.com. Verfolgt Wintersport und insbesondere Skispringen seit Kindertagen. Studiert neben seiner Tätigkeit für skispringen.com an der Hochschule Darmstadt und engagiert sich für das Bürgerradio Antenne Bergstraße.

1 Kommentar

  1. Ich drücke unseren deutschen Damen ganz fest die Daumen das sie es unserem Goldjungen Andi Wellinger nachmachen und ebenfalls für so tolle Gänsehaut Momente sorgen

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