Erste Olympiasiegerin im Skispringen

Rücktritt! Carina Vogt beendet Karriere

Foto: DSV

Carina Vogt beendet das Kapitel Skispringen. Die Olympiasiegerin von 2014 gab am Freitag ihren Rücktritt bekannt. Mit ihr verlässt eine Pionierin das Damen-Skispringens die Bühne.

Fast 25 Jahre lang war Carina Vogt Skispringerin, doch diese Zeit geht nun zu Ende. Wie die 30-Jährige im Rahmen einer Online-Medienrunde bekannt gab, tritt sie nun zurück. Mit ihr verlässt nicht nur die erste Olympiasiegerin der Geschichte, sondern auch eine Pionierin des Damen-Skispringens die Bühne. Zuletzt hatte die Degenfelderin mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, sodass ihr Abschied anders als geplant verlief.

„Ich habe gemerkt, dass ich körperlich limitiert bin und nicht mehr die Leistung bringen kann, die ich über Jahre bringen wollte. Ich habe den Sport immer zu hundert Prozent gelebt und jetzt die letzten zwei Jahre gemerkt, dass es so nicht mehr funktioniert und ich meinen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden“, sagte Vogt am Freitagmittag. Horst Hüttel, Weltcup-Sportdirektor beim Deutschen Skiverband (DSV) erklärte: „Sie ist das Gesicht des Damenskispringens. Wir sind dankbar, so eine Athletin im Verband gehabt zu haben.“

Ursprünglich wollte Vogt die komplette Amerika-Tour im zweitklassigen Continentalcup mit den Stationen Park City (USA), Whistler (Kanada) und Lake Placid (USA) springen, doch diese war für sie bereits nach dem ersten Wochenende beendet, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Vogt schrieb mehrfach Skisprung-Geschichte

Ihre ersten internationalen Erfolge konnte Carina Vogt im Februar 2012 bei der Junioren-WM im türkischen Erzurum bejubeln, bei der sie Silber im Team und Bronze im Einzel gewinnen konnte. In der darauffolgenden Saison erzielte die Schwäbin als Dritte in Zao (Japan) ihren ersten Podestplatz im Weltcup. Nur wenige Wochen später holte sie gemeinsam mit Ulrike Gräßler, Richard Freitag und Severin Freund beim ersten WM-Mixed-Team-Springen in Val di Fiemme Bronze.

Endgültig Skisprung-Geschichte schrieb Vogt dann bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Dort sicherte sie sich im Alter von 22 Jahren bei der Olympia-Premiere des Damen-Skispringens die Goldmedaille und wurde dafür mit dem Silbernen Lorbeerblatt gewürdigt. Im Gesamtweltcup erzielte sie zudem als Zweite ihr bestes Endergebnis. Auch im Weltcup stand sie als erste Deutsche ganz oben und das erst nach ihrem Olympiasieg. Dass ihr dieser Erfolg in Zao gelang, also am Ort ihres ersten Weltcuppodiums, war kein Zufall. Nur zwei Wochen später fuhr sie in Hinzenbach ihren zweiten und letzten Weltcupsieg ein.

2018/2019 als letzte Highlight-Saison

Auch in dieser Saison drückte sie dem großen Highlight, der WM in Falun ihren Stempel auf. Im Einzel und im Mixed-Team wurde sie Weltmeisterin – als erste deutsche Skispringerin überhaupt. Diese Erfolge konnte sie zwei Jahre später in Lahti sogar wiederholen. Wiederum zwei Jahre später durfte die damals 27-Jährige ihren letzten großen Karriereerfolg bejubeln: Bei der WM in Seefeld wurde sie zusammen mit Juliane Seyfarth, Ramona Straub und Katharina Althaus erste Team-Weltmeisterin der Geschichte, nachdem sie auch die beiden Weltcup-Teamspringen in Zao und Ljubno gewonnen hatte. Zuvor hatte sie zudem ihre letzten beiden Podestplätze in Rasnov mit Rang zwei und drei eingefahren.

Anfang Juli 2019 begann dann eine lange Serie von Verletzungen und gesundheitlichen Problemen. Carina Vogt verpasste nach einem Kreuzbandriss im rechten Knie die gesamte Saison. Wiederum ein Jahr später riss sie sich das Außenband im Sprunggelenk. Diese Verletzung, sowie eine Zyste im Knie, die platzte, verhinderte, dass sie zur Vorbereitung auf die WM in Oberstdorf Sprungtraining absolvieren konnte. Eine Teilnahme in Oberstdorf gelang ihr nach mehreren Punkteresultaten im Weltcup dennoch, allerdings beendete sie die Saison nach einem 30. Rang im Normalschanzen-Einzel vorzeitig.

Vogt bleibt bei der Bundespolizei

Im März 2021 musste sich die fünfmalige Weltmeisterin erneut einer Knie-OP unterziehen. Dadurch verpasste sie abermals große Teile der Saisonvorbereitung und steig verspätet ins Weltcup-Geschehen ein. Ihre drei Teilnahmen in Ramsau und Ljubno beendete sie ohne Punkte und verpasste somit die Olympischen Spiele in Peking. Nachdem sie im COC erstmals auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze gesprungen war, absolvierte sie noch beide Springen in Park City und erzielte als letztes Karriereresultat ihren zweiten Tagessieg im COC – und hört damit mit genauso vielen Einzel- und Team-Weltcup- wie COC-Siegen und WM-Einzeltiteln auf.

„Am meisten fehlen wird mir das Skispringen selbst. Dieses Gefühl nicht mehr zu erleben, wird gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite werde ich das viele Reisen, die Zeit im Bus, im Flugzeug oder sonst wo sicher nicht vermissen. Die Zeit zuhause war sehr schön“, reflektierte die 30-Jährige. In den kommenden Monaten will sich Vogt auf ihre Karriere bei der Bundespolizei konzentrieren, deren Sportförderung sie schon als Skispringerin in Anspruch genommen hat. „Für mich steht dort das Aufstiegsstudium an. Ich möchte mich weiterbilden und habe damit für die Zukunft noch einige Optionen offen“, so Vogt. Dafür wird sie ihren Lebensmittelpunkt vom Chiemgau nach Lübeck verlegen.

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Über Luis Holuch 353 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

4 Kommentare

  1. Echt? Ich bin der Einzige?
    Wenn ein männlicher Skispringer seine Karriere beendet, dann überschlagen sich hier in den Kommentaren die Lobeshymnen. Was auch berechtigt ist, denn von allen ist die Leistung zu bewundern, jahrelang im Spitzensport aktiv zu sein. Aber gerade deshalb kann man sich nur wünschen, dass mit gleichem Maß auch bei unseren weiblichen Skispringerinnen die Dankbarkeit ausgedrückt wird. An dieser Stelle also schwache Leistung aller Skisprungfans hier…

    • liegt mutmaßlich daran, dass im Sommer kaum Leute aktiv die Seite verfolgen. Sehe da keinen Grund, auf einen Zusammenhang zum Geschlecht zu schließen. Die Abgänge von Freund und Freitag wurden eben noch im Winter bekannt gegeben.

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