FIS-Rat trifft Entscheidung

Ausschluss von Russland und Belarus erneut verlängert

Foto: tramplin.perm.ru

Nach Wochen der Unklarheit und hitziger öffentlicher Debatten steht nun fest: Russland und Belarus werden auch im Winter von FIS-Wettkämpfen ausgeschlossen. Was die Verlängerung der Suspendierung bedeutet.

Auch die Wintersaison 2022/2023 wird ohne Skispringerinnen und Skispringer aus Russland und Belarus stattfinden. Das hatte der 16-köpfige Rat des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbands (FIS) am Wochenende entschieden, nachdem die Suspendierung beider Verbände zunächst nur bis zum Ende der Sommersaison galt. Nach der Veröffentlichung von vorläufigen Quotenplätzen für den Winter, wo beide Verbände aufschienen, keimten Spekulationen über eine Wiederzulassung auf.

Doch diese beendete der Verband mit folgender Mitteilung: „Der FIS-Rat hat entschieden, unter Berücksichtigung der Integrität der FIS-Veranstaltungen und der Sicherheit aller Beteiligten und entsprechend der Empfehlung des IOC, den Ausschluss von russischen und belarussischen Teams und Athleten bei FIS-Wettkämpfen zu verlängern.“ Mit fast identischer Wortwahl hatte die FIS bereits den ursprünglichen Ausschluss am 1. März verkündet. Zuvor hatten bereits der Internationale Bob- und Skeletonverband (IBSF) und auch die Internationale Biathlon-Union (IBU) dieselbe Entscheidung getroffen.

Ausschluss gilt seit 1. März

Die Sportlerinnen und Sportler sowie Offiziellen Russlands und Belarus werden somit im Winter weder an Weltcups noch an Weltmeisterschaften teilnehmen dürfen. Der Bann bezieht sich jedoch explizit auf alle FIS-Wettkämpfe. Dass Athletinnen und Athleten bis zum Winter noch einen Nationenwechsel unternehmen und so doch starten können, ist ausgeschlossen. „Wir haben einen klaren Prozess, was das angeht. Wenn man den Antrag nach Ende Mai einreicht, ist ein Start nicht möglich. Dann muss man ein Jahr warten“, erklärte Vion beim Forum Nordicum.

Was der ehemalige Skirennläufer seinerzeit aber nicht ausgeschlossen hatte, war ein Start unter neutraler Flagge: „Wir werden ohne ausdrückliche Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) keine Entscheidung treffen. Das ist eine gemeinsame Entscheidung und wir vertreten die Haltung, dass Sport vereint. Wir suchen nach Möglichkeiten, Russland und Belarus die Teilnahme wieder zu ermöglichen – unter neutraler Flagge.“ Daraufhin entbrannten hitzige Diskussionen vor allem in den skandinavischen Ländern, die schon kurz nach der russischen Invasion in die Ukraine Sanktionen auch gegen russische Sportlerinnen und Sportler gefordert hatten.

Skandinavier drohten mit Boykott

Der norwegische Verband hatte zuletzt die jährliche FIS-Herbsitzung in Zürich verlassen, nachdem dort belarussische Vertreter anwesend waren und sogar einen Boykott der Wintersaison in Erwägung gezogen, wenn der Ausschluss nicht verlängert werden würde. Auch der Deutsche Skiverband (DSV) hatte sich in Person von Präsident Dr. Franz Steinle gegen eine Rückkehr beider Länder ausgesprochen. Anders als bei der vorherigen Verlängerung der Suspendierung nannte die FIS diesmal kein Enddatum. Eine Entscheidung vor dem nächsten Treffen des FIS-Rats im Frühling 2023 erscheint allerdings als unwahrscheinlich.

Russlands Verbandspräsidentin Jelena Välbe wollte bereits seinerzeit gegenüber ‚MatchTV‘ einzelne Aussagen nicht kommentieren, stellte jedoch klar: „Alle Statements, die russische oder belarussische Athleten diskriminieren und ihr Recht an einer Teilnahme beschränken, sind nicht akzeptabel.“ Von der endgültigen Entscheidung habe sie bereits Ende September von FIS-Präsident Johan Eliasch in einem persönlichen Gespräch erfahren und deshalb mit ihrem Verband einen alternativen Kalender mit nationalen Wettkämpfen und Meisterschaften geplant, der parallel zu jenem der FIS ist.

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Über Luis Holuch 352 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

5 Kommentare

  1. Einerseits kann man sagen:ja, das ist unfair Sportler zu bestrafen, weil die können nicht dafür. Anderseits für ukrainische Sportler ist die Lage viel schlimmer. Und warum dürfen dann russische Athleten starten und ukrainische Athleten können nicht Mal an Sport denken

    • Die ukrainischen Athleten werden im Winter dabei sein. Sie sind bereits bei den Sommergrandprix‘ diesen Jahres am Start gewesen. Es wäre ein Zeichen friedlicher Koexistenz, wenn alle Nationen, unter der Bedingung keinerlei politische Statements weder an der Schanze, noch in den sozialen Medien zu verbreiten, in einem fairen, sportlichen Wettkampf gegeneinander antreten könnten. Denn nur so kann Frieden funktionieren. Sanktionen und Bestrafung sind weitere Formen von Gewalt und Gewalt erzeugt weitere Gewalt und Spaltung, anstatt Verständigung. Der Sport jedoch ist (bzw. sollte idealerweise sein) wie z.B. auch die Kunst, ein völkerverbindendes Mittel. Er sollte vorbildhaft der Verständigung dienen und nicht noch mehr zur Trennung, Stigmatisierung und Eskalation beitragen.
      Schade, dass der Sport diese Chance nicht nutzt.

  2. Ich finde es einfach nicht richtig die beiden Länder zu sperren. Die Sportler haben nichts mit der Politik zu tun. Aber da sieht man mal wieder das es nie fair zu geht. Ich finde das es dem Sport schadet.

    • Sportler, die für eine Nation antreten, haben so einiges mit der Politik dieser Nation zu tun. Und ja, die derzeitige Außenpolitik Russlands und auch Weissrusslands schadet unter anderem auch dem Sport – um es mal seeehr, seeehr vorsichtig auszudrücken.

  3. Vielleicht eine blöde Frage, aber bedeutet das nun endgültig, dass die russischen SkispringerInnen nicht am Weltcup 2022/2023 teilnehmen werden?
    Die hatten mit Danil Sadreev und Jewgeni Klimov ja tatsächlich zwei aussichtsreiche Springer am Start.

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