Stefan Kraft: „Wir machen fünf WM-Medaillien“

Zuversichtlich und selbstbewusst startet Österreichs Newcomer Stefan Kraft in seine erste WM. Bei skispringen.com spricht er über die Erwartungshaltung, den rasanten Weltcupeinstieg und Stadionbesuche in Lederhose beim FC Bayern.

Stefan Kraft ist in dieser Saison fulminant in den Weltcup gestartet. Seit dem sensationellen dritten Platz bei der Vierschanzentournee in Bischofshofen ist er der hoffnungsvolle Newcomer Österreichs und fester Bestandteil der Weltcup-Mannschaft. Cheftrainer Alexander Pointner nominierte ihn für die Weltmeisterschaften in Val di Fiemme, bei denen er an mindestens einer Medaille beteiligt sein möchte. Ziel sei die Teilnahme am Mannschaftsspringen auf der Großschanze, sagt Kraft.

Vor dem Start der Weltmeisterschaften spricht der 19-Jährige im exklusiven Interview mit skispringen.com-Redakteur Marco Ries über die gestiegenen Erwartungshaltungen von außen, seinen rasanten Weltcupeinstieg, die veränderten Umständen abseits der Schanze, die Rolle eines Gregor Schlierenzauers und seinen Lieblings-Fußballverein.

Stefan, du bist bei den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme dabei. Vor einigen Wochen hast du die Titelkämpfe als „Ober-Ober-Highlight“ bezeichnet – ungewiss, ob du es schaffen würdest, dabei zu sein. Wie fühlt es sich jetzt an, Teil von Österreichs WM-Team zu sein?

Stefan Kraft: Das ist natürlich toll. Ich bin selbst überrascht, wie schnell das gegangen ist. Vor kurzem habe ich noch Andreas Wellinger bewundert, jetzt ist mir genau dasselbe passiert. Jetzt freue ich mich auf die WM, das ist natürlich etwas ganz Besonderes.

Ende 2012 kannten dich höchstens einige Skisprungfans, jetzt warst du neben Gregor Schlierenzauer im Vorfeld der Springer, der für die WM so gut wie gesetzt schien.

Kraft: Das habe ich noch gar nicht so ganz realisiert. Die Trainer sagen mir, dass ich im Continentalcup nichts mehr verloren habe. Es ist natürlich gewaltig und geil, wenn man sich so schnell in der Weltcup-Mannschaft festgesetzt hat.

Wie gehst du ein Großereignis wie die WM an?

Kraft: Ich möchte es so angehen wie einen normalen Weltcup. Ich möchte jeden Tag und jeden Trainingssprung ganz normal angehen, ohne mir direkt bestimmte Chancen oder Platzierungen auszurechnen. Aber das große Ziel für mich ist das Teamspringen auf der Großschanze – da möchte ich dabei sein.

Glaubst du, dass es überhaupt möglich ist, eine WM derart unbeeinflusst von den Erwartungen von außen anzugehen?

Kraft: Es ist sicherlich ein bisschen etwas anderes, weil dort ein ganz anderer Rummel herrscht. Aber ich glaube, dass mir das sogar helfen könnte, weil ich das gern habe und es mir Spaß macht. Wichtig ist nur, dass ich mich nicht zu sehr auf bestimmte Tage oder Sprünge fokussiere – stattdessen möchte ich immer top-vorbereitet sein und am Ende sehen, für was es reicht.

Es ist für dich bereits das zweite Saisonhighlight: Bei der Junioren-WM in Liberec hast du Bronze gewonnen. Ist eine solche Veranstaltung vergleichbar mit den anstehenden Weltmeisterschaften?

Kraft: Ich denke schon. Mir wurde gesagt, dass ich bei der Junioren-WM auch deshalb teilnehmen soll, weil es ein gutes Training ist. Ich habe gemerkt, dass eine WM etwas anderes ist – das Niveau war wirklich sehr hoch. Jaka Hvala hat bei der Junioren-WM gewonnen und jetzt schon den ersten Weltcupsieg auf seinem Konto. Auch ich habe so einige Erfahrungen gesammelt, die für Val di Fiemme sehr viel wert sein können.

Hast du bei den Weltmeisterschaften in Liberec Druck verspürt?

Kraft: Ja, ich bin schon als einer der Favoriten nach Liberec gefahren. Österreich hat seit Ewigkeiten bei den Junioren-Weltmeisterschaften keine Medaille gemacht und daher ist es schon etwas Anderes, wenn man in einer guten Form dorthin geht. Aber ich konnte anscheinend gut damit umgehen.

Du bist ja äußerst rasant in den Weltcup gestartet. Wie fühlt sich das – inzwischen mit etwas Abstand betrachtet – an?

Kraft: Das hat zu Hause in Salzburg einiges ausgelöst. Alle sind sehr froh, dass es wieder einen Salzburger Skispringer gibt, der wieder mitmischt. Jeder Landesskiverbandstrainer spricht mich an. Das finde ich toll, das beflügelt mich und gibt mir Motivation, so weiterzumachen. Das ist wirklich sehr erfreulich.

In Bischofshofen standst du auf dem Siegerpodest neben Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen. Sicherlich ein ganz besonderer Moment beim erst dritten Weltcupspringen deiner Karriere.

Kraft: Ja, diese beiden Athleten haben bei der Tournee um den Sieg gekämpft und ich durfte an diesem Tag mit ihnen auf dem Podest stehen. Das war schon cool, als Schlieri seine Mütze vor mir gezogen hat. Das ist eine Ehre – aber mein Ziel ist es, bald auch ganz oben auf dem Podest zu stehen.

Wie viel Kontakt hattest du vor dieser Vierschanzentournee mit der Weltcup-Mannschaft?

Kraft: Vorheriges Jahr habe ich sie in Ägypten kennengelernt, als ich dorthin mitgehen durfte. Den einen oder anderen habe ich dort etwas besser kennengelernt, außerdem hatten wir einen gemeinsamen Trainingskurs in Villach. Aber sonst gab es vorher nicht viel Kontakt. Umso erfreulicher ist es, dass ich wirklich sehr, sehr gut im Team aufgenommen wurde.

Denkst du, dass es schwieriger ist, sich in ein Team zu integrieren, das derart erfolgsverwöhnt ist und in dem viele Springer das Potenzial und den Willen haben, ganz vorne in der Weltspitze mitzumischen?

Kraft: Das glaube ich schon. Gerade in einem Jahr, in dem es bei einigen vielleicht nicht ganz so gut läuft, ist es toll, dass man als junger Springer so gut aufgenommen wird. Ich bin sehr froh darüber, dass jeder mit mir eine Freude hat.

In Bischofshofen meintest du, dass du dich auf den Tourbus freust. Inzwischen bist du schon einige Zeit damit unterwegs. Wie gefällt’s dir?

Kraft: (lacht) Es ist voll geil. Es ist einfach ein anderes Reisen. Man kann die ganze Nacht durchschlafen und gewinnt praktisch einen Tag. Das ist wirklich ein Luxus und gewissermaßen ein Vorteil. Gerade bei einer stressigen Tour, wenn ein Wettkampf nach dem anderen folgt, nutzen wir das gerne.

Vor einigen Wochen hattest du davon gesprochen, dass du vielmehr Andreas Wellinger als „Newcomer des Jahres“ bezeichnen würdest und nicht dich selbst. Inzwischen läuft es bei ihm nicht mehr ganz so rund, bei dir dagegen schon.

Kraft: Heute würde ich den Jaka Hvala so bezeichnen (lacht). Vielleicht gibt es bei der WM ja neue Erkenntnisse. Aber ich denke, dass wir – gemeinsam mit Karl Geiger – durchaus überraschend in den Weltcup gestartet sind. Dass wir mit null Punkten gestartet sind und jetzt gut mitmischen können, ist natürlich sehr cool.

Hast du einen Grund dafür, dass es auf einmal so gut läuft?

Kraft: Ich glaube das liegt daran, dass ich im Sommer die Schulzeit beendet habe (lacht). Im Juni habe ich die Schule abgeschlossen, danach stand für mich das Bundesheer an. Wir sind den Sommer nicht ganz so intensiv angegangen und haben die Dinge in Ruhe aufgebaut. Jetzt ist der Kopf frei, ich habe das richtige Setup und ein gutes Umfeld gefunden. Sicherlich schaden mir auch die neuen Anzüge nicht, weil man damit einfach weniger Fehler machen darf und ich mich diesbezüglich nicht so sehr umstellen musste wie andere.

Inwieweit hat sich durch den Weltcupeinstieg dein Leben abseits der Schanze verändert?

Kraft: Im Grunde hat sich nichts verändert, außer dass deutlich mehr Rummel um mich herrscht. In der Heimat sprechen mich sehr viele Leute an, das Medieninteresse ist größer geworden. Vom Umfeld an sich hat sich aber nichts verändert – und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern.

Empfindest du es als positiv, dass du häufig auch im privaten Umfeld angesprochen wirst?

Kraft: Viele sagen, dass so etwas anstrengend sein kann, aber mir macht es noch sehr viel Spaß. Mir taugt das alles. Außerdem motiviert es, weil es auch eine gewisse Form der Anerkennung ist. Wenn die Leute den Erfolg wahrnehmen und mitfiebern, spornt das zusätzlich an.

Du hast es ja selbst schon angesprochen, dass die Saison für einige deiner Teamkollegen bisher nicht ganz nach Plan läuft. Wie wichtig ist es für eure Mannschaft in so einer Situation, einen Gregor Schlierenzauer in den Reihen zu haben?

Kraft: Das ist natürlich ganz wichtig. Wenn man miteinander trainiert und weiß, dass so ein Top-Springer ein ähnliches Umfeld hat und ähnlich arbeitet, wird klar, dass man es selbst ebenso schaffen kann. Und natürlich ist es gerade beim Teamspringen sehr wertvoll, wenn man sich auf den besten Schlussspringer der Welt verlassen kann.

Nimmt ein Springer wie Gregor Schlierenzauer auch abseits der Schanze eine besondere Rolle innerhalb der Mannschaft ein?

Kraft: Nein, da jeder ist gleich. Er wird genauso blöd angeredet, wie jeder andere auch (lacht). Aber natürlich ist es schon so, dass beispielsweise Gregor mir vor meinem ersten Skifliegen in Oberstdorf einige Dinge mit auf den Weg gegeben hat, denn er hatte seine Skiflugpremiere ebenso in Oberstdorf.

Wie hast du den schnellen Umstieg vom Continentalcup zum Weltcup verkraftet? Du arbeitest ja jetzt mit neuen Trainern, mit neuen Betreuern usw.

Kraft: Ich hatte mit der Vierschanzentournee und der Polen-Tour einen sehr guten Übergang. Mein Trainer ist noch mit nach Polen gereist und konnte so alles in Ruhe mit Alexander Pointner abstimmen. Dadurch hat der Übergang ohne Leistungsabfall wunderbar geklappt.

Die Schule und die Zeit beim Bundesheer hast du beendet. Konzentrierst du dich nun vollkommen auf das Skispringen oder gibt es auch abseits der Schanze noch Herausforderungen?

Kraft: Jetzt möchte ich ein bis zwei Jahre meine Ruhe haben und mich auf das Skispringen konzentrieren. Später möchte ich etwas in die Richtung Sport und Ernährung studieren, weil mich das sehr interessiert und auch für unsere Sportart natürlich wichtig ist. Konkret geplant ist das aber noch nicht, aber vielleicht mache ich mir im Sommer während der Urlaubszeit Gedanken.

Für was kannst du dich in deiner Freizeit – unabhängig vom Skispringen – begeistern?

Kraft: Grundsätzlich bin ich gerne in der Natur unterwegs und genieße die Freiheit. Ansonsten bin ich bin großer Fußballfan und gehe sehr gerne ins Stadion – am liebsten in die Allianz Arena, weil ich Fan des FC Bayern München bin. Meine Tante hat einige Jahreskarten, die ich am Wochenende gerne nutze, um mit einigen Freunden in Lederhose mitzufiebern (lacht). Das ist sehr cool und taugt mir sehr.

Als Österreicher Fan einer deutschen Fußballmannschaft?

Kraft: (lacht) Das liegt ja auf der Hand. Fan einer österreichischen Mannschaft zu sein, bringt ja momentan nicht viel. Damit hat man nicht so viel Freude.

Auf deiner Facebook-Seite hast du inzwischen fast 10.000 Fans und damit genauso viele wie beispielsweise Tom Hilde, der bedeutend länger im Weltcup springt und immerhin drei Weltcupsiege gesammelt hat. Wie kannst du es erklären, dass du bei den Leuten offenbar so gut ankommst?

Kraft: Ja, das ist ganz witzig. Nach jedem Wettkampf schaue ich auf die Seite und lese viel positives Feedback von den Leuten. Ich denke, dass es gut ankommt, dass ich in den Interviews nach dem Wettkampf das sage, was ich wirklich denke und nicht etwas vorgesetzt bekomme. Zudem wurde die Seite genau zum richtigen Zeitpunkt gestartet – nämlich am 2. Januar vor meinem ersten Wettkampf bei der Vierschanzentournee.

Gibt es in Zeiten von Facebook und Co. eigentlich auch noch Fanpost?

Kraft: Ja, seit der Tournee kommen eigentlich jeden Tag einige Briefe. Letztens kam sogar aus Russland ein riesen Umschlag – das freut mich sehr. Natürlich lese ich alle Briefe auch.

Als Abschluss: Wie viele WM-Medaillen sind für die österreichische Mannschaft in diesem Jahr drin?

Kraft: Ich würde tippen, dass wir fünf Medaillen machen. Ich hoffe, dass ich zumindest an einer davon auch beteiligt bin.

Für die WM, deine Zukunft im Skispringen und dem FC Bayern alles Gute! Vielen Dank für das Gespräch.

7 Kommentare

    • aHahahahahahahuhuhuhuhahaha!
      IM ERNST! Du bist so dumm! Erstens heist es Lahti! Dann wird Austria alles gewinnen! Kraft wird von den Punktrichtern betrogen und dieser Pole wird ständig bevorzugt.
      Aber Austria wird trotzdem siegen! Denn ÖSTERREICH ist SKISPRUNG-Nation Nummer EINS!

      Mach mich nicht wütend PIEFKE! Ihr Deutschen seid ja immerhin zur Zeit Nummer 2!
      Aber nur weil Norwegen und Japan schwächeln. SCHADE! SEHR UNFAIR!

      • Hahhahahah, über euch Ösis kann sich echt totlachen!

        Kraft hatte immer ideale Verhältnisse, die er auch benötigt, weil ohne Aufwind hat der eh keine Chance (siehe Wisla). Bei der Vierschanzentournee ist er genauso abgestürzt und die restliche Truppe mit Hayböck, Fettner usw.. kann man sowieso vergessen.
        Kurz und knapp: Bei der WM macht ihr keine Medaille, weil ihr es einfach nicht könnt und Wellinger einfach besser ist!

        Ihr solltet sowieso aufpassen. Wenn es den Skisport nicht gebe, dann könnt ihr eure ganzen olympischen Medaillen der nächsten 100 Jahre AN EINER HAND ABZÄHLEN!

        hahahahahahaha

        • Echt jez, kleiner Frechdax, deine Meinung fuxt mich jez echt. Ich mein du kannst nichtmals die Rechtschreibung und gibst hier den großen Maker!
          Bist bestimmt so ein Linksgrünversiffter? so ein Kommunistenbruder? Wäre typisch! Typisch Anti-Österreichisch!
          Statt sich zu freuen, dass Deutschland und Österreich alles abräumen werden bei der WM, einfach mal über die besten Nachbarn ablästern. Typisch links, halt…

          Ne jez denk doch mal nach! Natürlich gewinnt Kraft, Aber Wellinger kann echt zweiter werden. Dritter wird der Fetti.

          • Ihr beide seid so wie die Muslime nichts anders. Guckt doch auf die Sportler. Habt ihr nur einmal gesehen dass zwischen den Skispringer eine Neid oder Unfreundschaft herrscht? Egal ob jemand gewinnt oder verliert alle geben sich die Hände und gegenseitig gratulieren. Kann sowas auch nicht zwischen den Fans sein statt eine Fanatismus zu zeigen.

          • WIE KÖNNEN SIE ES WAGEN?! WENN, dann sind SIE hier der Islamist, so wie Sie unsere Sprache angreifen!

            Ich bin für die FREUNDSCHAFT zwischen DEUTSCHLAND und ÖSTERREICH, deswegen habe ich FPÖ gewählt!
            Allen anderen ist nicht mehr zu helfen!

            Es ist der linke Gutmensch droben,, der hier sein politisch korrektes Fakesprech verbreitet!

          • Hahaha, linksgrün soll anti-österreichisch sein? Euer Präsident heißt nicht zufällig Van der Bellen?

            Keine einzige Medaille werden ihr machen weil ihr es einfach nicht könnt, wie oft muss ich das noch wiederholen? Ihr seid keine Sportnation und irgendwann werden euch auch die Skisportler ausgehen.

Kommentar schreiben

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*