Vierschanzentournee

Stefan Kraft überrascht bei Qualifikation in Oberstdorf

Stefan Kraft aus Österreich verblüfft bei der ersten Qualifikation der Vierschanzentournee und lässt den japanischen Top-Favoriten Ryoyu Kobayashi hinter sich. Zwölf deutsche Skispringer qualifizieren sich für das Auftaktspringen in Oberstdorf.

Stefan Kraft ist ein Auftakt nach Maß in die 67. Vierschanzentournee gelungen. Der 25-jährige Österreicher galt im Vorfeld des ersten Saisonhöhepunktes bestenfalls als Geheimfavorit, kehrte nun aber rechtzeitig zum Auftakt nach einem schwierigen Saisonstart eindrucksvoll in die Weltspitze zurück.

Vor 15.500 Zuschauern segelte der Tournee-Sieger der Saison 2014/2015 auf 138,5 Meter und setzte sich mit insgesamt 153,1 Punkten hauchdünn gegen Top-Favorit Ryoyu Kobayashi durch. Der Japaner kam trotz kürzeren Anlaufs auf dieselbe Weite wie Kraft, musste aber einige Punktabzüge in Kauf nehmen und belegte mit 152,9 Zählern den zweiten Platz, gefolgt vom Polen Piotr Zyla (137,5 m; 150,5 P.).

Kraft von sich selbst überrascht

„Ich war selbst etwas überrascht. Ich glaube, die Schanze taugt mir jetzt wieder“, sagte Kraft nach der Ausscheidung. Nach mäßigen Trainingssprüngen habe er in der Videoanalyse neue Erkenntnisse gewonnen: „Ich bin anders angefahren, anders abgesprungen und anders geflogen.“

Zwölf DSV-Skispringer beim Auftakt dabei

Der deutschen Mannschaft ist ein ordentlicher Start in die Tournee gelungen, auch wenn die erhoffte Top-Platzierung bei der ersten Qualifikation noch ausgeblieben ist. Zwölf der insgesamt 13 DSV-Skispringer haben sich vor der beeindruckenden Zuschauerkulisse für das Auftaktspringen qualifiziert.

» Die 25 K.o.-Duelle von Oberstdorf

David Siegel belegte als bester Deutscher mit einem Sprung auf 138 Meter den siebten Platz, Olympiasieger Andreas Wellinger wurde mit derselben Weite Zehnter.

» Karl Geiger: Plötzliche Tournee-Mitfavorit

Bei zunehmend schwierigen Bedingungen fiel es aber gleich mehreren Spitzenathleten am Ende der Ausscheidung schwer, eine vordere Platzierung einzufahren. Das bekam auch Lokalmatador Karl Geiger zu spüren, der sich zwei Wochen nach dem ersten Weltcupsieg seiner Karriere in Engelberg mit dem 23. Platz zufriedengeben musste. Auch Markus Eisenbichler hatte nach starken Trainingsleistungen mit den Bedingungen zu kämpfen und wurde 30.

» Tournee-Favorit Kobayashi: „Spüre keinen Druck“

„Mannschaftlich haben wir eine top Leistung abgeliefert, auch wenn wir keinen ganz vorne drin hatten“, zeigte sich Bundestrainer Werner Schuster zufrieden: „Die Jungs haben die Nervosität abgelegt und einen klaren Plan.“

Daneben sind auch Richard Freitag (12.), Constantin Schmid (14.), Pius Paschke (15.), Stephan Leyhe (17.), Felix Hoffmann (22.), Severin Freund (24.), Martin Hamann (34.) und Moritz Bär (36.) am Sonntag startberechtigt. Einzig Justin Lisso aus der nationalen Gruppe ist als 59. vorzeitig ausgeschieden.

Stoch vorne mit dabei

Polens Kamil Stoch, der bei dieser Tournee als erst zweiter Springer nach Björn Wirkola seinen dritten Gesamtsieg in Folge feiern könnte, belegte trotz schwieriger Bedingungen den achten Platz vor Teamkollege Dawid Kubacki.

» Liveblog-Nachlese: So lief die Qualifikation in Oberstdorf

Andreas Stjernen wurde als bester Norweger Vierter, gefolgt vom Österreicher Daniel Huber. Überraschend stark präsentierte sich auch der sechstplatzierte Roman Koudelka aus Tschechien.

Prominente Namen scheiden aus

Mit dem Slowenen Domen Prevc (51.), dem Norweger Halvor Egner Granerud (56.) und dem Polen Maciej Kot (62.) sind mehrere namhafte Athleten ausgeschieden. Auch Skisprung-Oldie Noriaki Kasai aus Japan muss nach Platz 53 zum Auftakt seiner 29. (!) Tournee zuschauen.

Das wäre auch fast Johann Andre Forfang passiert, der sich bei schwierigen Verhältnissen als 48. gerade noch so in den Wettkampf gezittert hat.

» Alle Termine im Überblick: Weltcup-Kalender 2018/2019 (Herren)

Am Sonntag geht es in Oberstdorf dann um wichtige Punkte und darum, sich eine möglichst gute Ausgangsposition für die weiteren Wettbewerbe zu sichern. Um 15 Uhr startet zunächst der Probedurchgang, um 16:30 Uhr (alles live bei skispringen.com) folgt dann der K.o.-Durchgang.

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Über Marco Ries 588 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

22 Kommentare

  1. Da haben die Wertungsrichter wieder mal ganze Arbeit geleistet! Und wieder einmal ist der Kraft der Nutznießer. Ohne Worte!
    Es ist ja nicht das erste Mal, daß der davon profitiert. Man erinnere sich an 2016 oder 2017, als Robert Johansson um seinen Weltrekord beim Skifliegen betrogen wurde, weil die Richter einem Kraft, der vor der Sturzlinie mit dem Hinterteil im Schnee saß, volle Noten gaben, obgleich der Sprung als Sturz hätte gewertet werden müssen.

  2. Tja, da haben die Wertungsrichter mal wieder ganze Arbeit geleistet, und Kraft ist mal wieder der Nutznießer des ganzen. Ohne Worte!!!
    Am schlimmsten ist noch, daß das nicht das erste Mal war, daß der Kraft von Entscheidungen der Wertungsrichter profitiert. Man erinnere sich bitte an seinen „Weltrekord“ 2016 (oder 2017) in Vikersund, wo der Kraft mit dem Arsch im Schnee saß und trotzdem Noten um die 18 rum bekam.
    Damals wurde Robert Johansson um den Weltrekord betrogen.

    So einer wie der Kraft hat in diesem Wettbewerb NICHTS zu suchen!

  3. das ist so bekloppt da springt ein Johannson z.B. 138m als 8 und dann kommt ein Kraft der geht dann 2 Gates runter und springt 122,5m und liegt dann vorne . . wer findet sowas schön oder Spannend !? dann kommt nach Kraft noch ein Stoch der geht dann noch eine Luke runter und steht bei 114m und gewinnt das Springen . Wo ein Johannson 138m gesprungen ist bei besseren Bedingungen .. Es sollen Alle Springer runter von der Luke wo der Beste ohne Sturz Erfolgreich ist .

    Wenn ich die Qualifikation sehe und schon der 5. Springer sone unbekannter Deutscher 138m springt das ist doch ….

    • Das stimmt so nicht ganz, wer von selbst verkürzt, muß eine Mindestweite
      springen, sonst werden ihm die Gate-Punkte gestrichen.
      Und unbekannte Deutsche gibt es auch nicht, alle haben schon Wettkämpfe
      im COC hinter sich und sich dadurch qualifiziert. Schön, daß es guten Nachwuchs
      in Schland gibt! Ich drücke unserem 18jährigen Schmiedefelder Justin Lisso die Daumen, daß er im 2. Anlauf bessere Bedingungen hat und sich qualifiziert.

  4. Ich finde diese ganze Erneuerung Scheiße ! Es soll der Springer gewinnen der Weit spring und Telemark setzt und nicht der schlechten Wind hat und 30m kürzer .. Früher hat Skispringen immer Spannung gehabt und am Ende der Saison waren auch immer die Besten ganz oben . Das ist kein Sport mehr genau wie die Formel 1 da fahren die auch alle nur noch um den Kreis und Überholen wird sofort bestraft da heult der Danner dann .

  5. Bei der Bewertung durch das Kampfgericht stelle ich immer wieder fest, dass öfters national bewertet wird. Glücklicherweise wird jedoch die höhere und niedrigere Bewertung gestrichen. Die Windpunkte sind nur teilweise gerecht. Bei Aufwind kann eine wesentlich größere Weite erreicht werden, welche durch die Windpunkte nicht ausgeglichen werden.
    Eine Differenz von bis zu 1,5 Punkten in der Bewertung ist lächerlich.
    Was sehen manche Kampfrichter? Ich habe manchmal das Gefühl, dass bei guten Springern manche Fehler einfach ignoriert werden und nicht in die Bewertung einfließen.

  6. Außerdem ist das Skispringen immer noch viel zu windabhängig. Alex Insam hatte heute z.B. 1.03 m/s Rückenwind. Wie soll er sich da qualifizieren?

    Es sollte eine Obergrenze an Windpunkten geben und wenn ein Athlet darüber ist, dann sollte er den Sprung auf freiwilliger Basis wiederholen dürfen.

    • Das ist ja nur das Mittel, einige hatten am Tisch bis zu 3m/s Rückenwind.
      Der Korridor war komplett ungerecht eingestellt für diese Schanze.
      Bei den Favoriten hat man gewartet, bei den unbekannteren nicht.
      So etwas ist total unsportlich!

  7. Das war aber vor der Einführung der Windkompensation viel problematischer. Seither hat man wenigstens einen Ansatzpunkt, um gute oder schlechte Windverhältnisse zu berücksichtigen.
    Nie vergessen sollte man aber, dass es sich nun einmal um eine Freiluftveranstaltung handelt.

    • @John Reimsbach

      Ich habe ja auch nicht die Windpunkte kritisiert, sondern die Haltungsnoten. Die Sprungrichter sollen bei einem Sprung die Haltung in der Luftfahrt und bei der Landung bewerten und nicht die Weite!

    • Wenn es nach mir ginge, dann würden die Sprungrichter sowieso nur die Landung bewerten, weil wenn ein Sprung in der Luft verwackelt wird, kann auch der Wind dran schuld sein.

  8. Wann werden die Sprünge endlich unabhängig von den Windverhältnissen bewertet???
    Wenn ein Athlet aufgrund von Windpech kürzer springt, erhält er deutlich schlechtere Noten. Das hätte Forfang heute fast die Qualifikation gekostet.
    Die Sprungrichter orientieren sich bei der Notengebung offensichtlich an der Weite und das darf nicht sein!

    • Selbstverständlich! Und wenn man nur ein wenig Ahnung von Skispringen hätte, wüsste man auch, dass das gerecht ist. Nur wer weit springt erhält hohe Punkte, da in diesem Weitenbereich eine Telemarkladung viel schwieriger ist als z.B. Bei 120 Metern.

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