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Walter Hofer: "Das hat sich im Nachhinein als Volltreffer erwiesen"

Foto: Eberhard Thonfeld

An diesem Wochenende startet Weltcup-Winter 2019/2020. Für Walter Hofer ist es die letzte Saison als FIS-Renndirektor. Über seine letzte Mission und seine Erwartungen spricht er exklusiv mit skispringen.com.

Seit 1992 bekleidet Walter Hofer für den Internationalen Skiverband (FIS) das Amt des Renndirektors im Skispringen. Der Sport ist ohne den Österreicher kaum mehr vorstellbar und doch muss man sich bald an diesen Gedanken gewöhnen. Denn seine Ära geht im März 2020 mit der Skiflug-WM in Planica zu Ende. Im exklusiven Interview mit skispringen.com-Redakteur Luis Holuch sprach der 64-Jährige über kommenden Weltcup-Winter und schwierige Entscheidungen in seiner Laufbahn.

Herr Hofer, Sie hatten jüngst bereits gesagt, dass der nun zurückliegende Sommer einer der ruhigeren Ihrer Ära war. Welche Erkenntnisse konnten Sie denn trotzdem aus den Ereignissen ziehen?

Walter Hofer: Nun, zunächst ist der Sommer-Grand-Prix ja eine Plattform für alle teilnehmenden Nationen und Athleten, um ihre Standortbestimmung zu machen. Wir mussten in diesem Sommer nicht viel austesten. Ich sehe in der Analyse einen echten Generationswechsel: Es kommen einige Nationen verstärkt in den Vordergrund, vor allem, wenn ich an die Japaner denke. Auch die Kasachen und Russen sind in den vorderen Rängen zu finden gewesen. Und das stimmt mich positiv für die Fluktuation bei den Siegern, die wir gerne weiterverfolgen wollen, weil wir in den letzten drei, vier Jahren gesehen haben, dass sich dieser Trend fortsetzt. Aus organisatorischer Hinsicht war es uns wichtig, die kleineren Orte, die im Winter keine großen Chancen haben, dabei zu sein, bedienen zu können. Aber ich war froh, dass wir die Zahl (elf Springen an sieben Orten, Anm. d. Red.) so zusammen bekommen haben.

„Ich glaube, der Übergang wird uns sauber gelingen“

Erwarten Sie denn, dass sich der von Ihnen angesprochene Aufwärtstrend der kleineren Nationen fortsetzt, oder werden die es im Winter wieder schwerer haben?

Hofer: Nein, ich sehe sogar, dass es für die sogenannten Großen schwerer wird, sich kontinuierlich im vorderen Feld zu platzieren. Ich sehe eine sehr gute Mischung. Nicht nur, was die Athleten angeht, sondern eben auch die Nationen und das kann sich im Winter fortsetzen.

Ist denn diese Saison, die mit der Skiflug-WM lediglich ein einziges Großereignis abseits der Tourneen hat, eine ideale, um den Übergang einzuleiten, was Ihre Position angeht?

Hofer: Ich glaube, dass uns das sehr sauber gelingen wird. Wir haben jetzt schon einiges an Vorbereitungszeit reingesteckt und werden das auch so fortsetzen, um genügend Erfahrungswerte zu sammeln. Auch vom Reglement, wo es keine großen Änderungen gab, ist das schon optimal. Wir sind in einem ruhigen Fahrwasser, sodass die neue Generation auch eine gute Standortbestimmung machen kann.

Haben Sie, seitdem klar war, wie Ihre Nachfolge aussehen wird, Ihr Wirken schon einmal Revue passieren lassen? Oder kommt das erst, sobald Sie den Staffelstab dann übergeben haben?

Hofer: Nein, das ist permanent da. Eigentlich ist es gar nicht groß anders als vorher, denn mit jedem Vorschlag, mit dem wir uns auseinandersetzen, ist sofort alles im Hinterkopf. Man muss sich permanent Gedanken machen, welche Konsequenzen diese oder jene Entscheidung haben wird. Alles führt wieder zurück auf die Ursprünge und die Frage, „was war denn eigentlich der Ausgangspunkt des Ganzen?“. Alle neuen Vorschläge müssen sozusagen durch die hohle Gasse, um zu erörtern, was am Ende des Tages dabei herauskommen kann.

Gibt es denn eine Entscheidung, über die Sie im Nachhinein sagen würden, „das hätte ich mal besser sein gelassen“?

Hofer: Mir fallen ad hoc zwei Entscheidungen ein, wo ich heute noch weiß, dass ich dabei unsicher war. Das eine war die Entscheidung bezüglich der Punktevergabe. Es gab ja Zeiten, wo nur die ersten 15 Athleten Punkte bekommen haben. Damals war dieser eine Punkt für den 15. Platz auch aus Trainersicht sehr wichtig und umkämpft. Die Änderung, das dann auf 30 Athleten auszuweiten, brachte riesige Veränderungen, um nicht zu sagen, Vorteile für die Startreihenfolge und damit auch die Vermarktung mit sich. Das Zweite war die Umverteilung und Erhöhung des Preisgeldes von zehn auf 30 Athleten. Ich war mir wirklich nicht sicher, wie das in der Öffentlichkeit ankommen wird, weil es die Sorge gab, dass wir das Niveau damit zu weit auseinanderziehen. Aber auch das hat sich im Nachhinein als Volltreffer erwiesen.

„Ich bin auf alle Fälle stolz“

Wenn Walter Hofer dann Anfang April seine Funktionärskarriere beendet hat, was würde er dann über sich selbst sagen oder lesen wollen? Oder machen Sie sich darüber keine Gedanken?

Hofer: Doch, definitiv, auch wenn es nicht von Anfang an rund lief. Mein Bestreben war es, Skispringen sicherer zu machen und das ist mir mit meinem Team gelungen. Deswegen bin ich auf alle Fälle stolz, das kann ich in aller Bescheidenheit sagen.

Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg für den Winter und alles Gute!

Auch interessant: Mit Sandro Pertile steht der Nachfolger von Walter Hofer schon in den Startlöchern. Lesen Sie hier, wie die FIS-Doppelspitze in die anstehende Weltcup-Saison startet.

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Über Luis Holuch 77 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

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