Erste Hürde genommen

FIS segnet Damen-Skifliegen ab

Nach einem Beschluss beim Frühjahrsmeeting des Internationalen Skiverbands (FIS) rückt das Skifliegen für die Damen näher. Schon bei der „Raw Air“ 2023 könnte der erste Wettkampf stattfinden.

Spürbar groß war die Enttäuschung bei den Skispringerinnen vor einem Jahr, nachdem der Internationale Skiverband (FIS) den Wunsch nach einem Skifliegen abgeschmettert hatte. Zwölf Monate später ist der Traum ein ganzes Stück näher gerückt. In einer Abstimmung beschloss das Kalenderplanungskomitee am Mittwoch mit 14:0 Stimmen bei einer Enthaltung, dass ein erstes Skifliegen ermöglicht werden soll. Im vergangenen Jahr stimmte dasselbe Komitee noch mit 9:7 dagegen.

Das Votum gegen das Skifliegen sorgte seinerzeit für reichlich Aufsehen und führte nun zu einer Protestwelle der Athletinnen. So beteiligten sich gleich 21 Athletinnen aus neun Nationen an einem Video, in dem sie ihren Wunsch bekräftigten. Initiatorin war Großschanzen-Weltmeisterin Maren Lundby, die den Clip als erste auf ihren Seiten in den Sozialen Medien teilte. „Wir haben ein Jahr daran gearbeitet, es aber nicht veröffentlicht. Wir hätten nicht gedacht, dass es notwendig werden würde“, erläuterte Lundby gegenüber dem norwegischen Rundfunk ‚NRK‘ die Hintergründe.

Vikersund soll der Anfang sein

Wie norwegische Medien zuerst berichteten, soll im kommenden Winter 2022/2023 als Abschluss der „Raw Air“ ein Premieren-Skifliegen stattfinden. Als Schauplatz wurde der Vikersundbakken auserkoren, der aufgrund seiner flachen Flugkurve als beste Option angesehen wird. Wie die FIS wenig später vermeldete, sollen „wahrscheinlich die 15 Teilnehmerinnen die Top 15 der Raw-Air-Gesamtwertung“ starten, die jedoch allesamt mindestens 18 Jahre alt sein müssen, was auch versicherungstechnische Gründe hat. Zudem wird dieser Wettkampf nicht den Status eines Weltcups innehaben.

„Es gibt viele Skisprungexperten da draußen. Aber ich hoffe, wir sind uns einig, dass die Springerinnen selbst und ihre Trainer die besten Experten sind. Gibt etwas motivierenderes für die Damen, als dieselben Möglichkeiten wie die Herren zu haben?“, kommentierte Norwegens Teamchef Clas Brede Braathen die Entscheidung gegenüber ‚VG.no‘. Sollte der erste Wettkampf im März über die Bühne gehen, werden 14 Jahre vergangen sein, seit Skispringerinnen letztmals von einer Flugschanze gingen.

Damen auf Flugschanzen sind kein Novum

Mit dabei war Lindsey Van aus den USA, die 2009 in Liberec erste Weltmeisterin der Geschichte wurde. „Der erste Tag lief gut, es gab weite Flüge. Uns fünf Frauen wurde aber gesagt, dass das Vorfliegen beendet ist und so bekamen wir keine Sprünge“, schilderte sie bereits im Dezember 2020 auf ihrem Instagram-Profil. Die Organisatoren in Vikersund haben auf ihrer Website alle Flüge ab dem Jahr 2000 dokumentiert und so lassen die Ereignisse rekonstruieren. An diesem Tag wurden die Testflüge nach nur 20 Minuten abgebrochen und die fünf Frauen von der FIS auch ohne Flüge disqualifiziert – „auf Grundlage des Geschlechts“, wie es in der Ergebnisliste heißt.

Tags darauf durften die Athletinnen aber doch mitmachen – ein schwacher Trost: „Selbst die beiden Versuche, die ich dann machen durfte, haben keinen Spaß gemacht“, erinnert sich Van an den 13. März 2009. Ein Tag, der bis heute historisch ist, schließlich gab es seitdem keine Skiflüge mehr von Frauen. Nach einem harmlosen Sturz von Anette Sagen bei 177 Metern – dem 50. Flug einer Frau in der Geschichte – schob die FIS den fliegenden Frauen auch reglementtechnisch einen Riegel vor. Erst im Frühjahr 2018 wurde diese Regel wieder gekippt, seitdem dürften Frauen Skifliegen, wenn man es ihnen denn ermöglichen würde. Die Frage nach dem Zeitpunkt wird endgültig am 9. Mai beantwortet, wenn sich das Skisprung-Komitee mit dem Entschluss befasst.

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Über Luis Holuch 352 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

1 Kommentar

  1. Eine gute Nachricht und es wurde auch Zeit! Wenn ich mich recht erinnere (und ich erinnere mich ziemlich genau an die damaligen Diskussionen…), war es schon im März 2004 (nicht 2009) als Sagen und co. in Vikersund geflogen sind.

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