Weltpremiere im Damen-Skispringen

Japan gewinnt ersten Team-Wettkampf der Skispringerinnen in Hinterzarten

Die japanischen Skispringerinnen sichern sich den Premierensieg beim Team-Weltcup in Hinterzarten. Takanashi und Co. setzen sich gegen Russland und Frankreich durch. Das DSV-Team verpasst nach schwerem Sturz von Svenja Würth das Podium.

Mit einem haushohen Vorsprung von 92,3 Punkten sicherte sich das japanische Team bei der Premiere des Mannschaftswettbewerbs im Frauenskispringen einen historischen Triumph. In der Besetzung Yuki Ito, Kaori Iwabuchi, Yuka Seto und Sara Takanshi und insgesamt 956 Punkten setzte sich die Truppe aus Fernost klar gegen die Teams aus Russland Anastaiya Barannikova, Alexandra Kustova, Sofia Tikhonova, Irina Awakumova; 863,7 P.) und Frankreich (Lea Lemare, Julia Clair, Romane Dieu, Lucile Morat; 846,4 P.) durch.

Würth stürzt schwer

Überschattet wurde die vielbeachtete Premiere in Hinterzarten allerdings von einem schweren Sturz der deutschen Svenja Würth. Die 24-Jährige kam bei ihrem Versuch im ersten Durchgang bei 97 Metern zu Sturz und musste mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss in die Klinik eingeliefert werden. Der vierte Platz der im zweiten Durchgang somit dezimierten deutschen Mannschaft (836,5 P.), für die außerdem Carina Vogt, Juliane Seyfahrt und Katharina Althaus an den Start gingen und die sich für das Heimspiel im Schwarzwald viel vorgenommen hatte, wurde zur Nebensache.

Im Vorfeld war dem deutschen Bundestrainer Andreas Bauer die Vorfreude auf den ersten Teamwettkampf in der Geschichte des Frauenskispringens anzumerken: „Das ganze Team freut sich auf diese Weltpremiere, endlich dürfen wir uns auch als Viererteam präsentieren, dafür haben die Athletinnen vieler Nationen lange gekämpft“, sagte Bauer, der die Eingliederung des Mannschaftsspringens in den Weltcupkalender als „Meilenstein“ für die Entwicklung des Damenskispringens bezeichnete.

Zusätzlich motiviert durch die Möglichkeit, sich mit einem Sieg bei der Premiere einen Eintrag in den Geschichtsbüchern zu sichern, gingen die aufgrund der starken Leistungen beim Weltcup-Auftakt vor zwei Wochen im norwegischen Lillehammer ohnehin schon mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein angereisten deutschen Damen zu Werke.

Bereits nach den ersten beiden Springerinnen des ersten Durchgangs zeichnete sich der erwartete Zweikampf zwischen dem deutschen und dem japanischen Team ab. Nach starken 102 Metern von Julianne Seyfahrt betrug der Rückstand auf die Japaner nach zwei Sprüngen dennoch 15,7 Punkte. Svenja Würth, die als dritte des DSV-Teams in die Spur ging, schien den Rückstand entscheidend verkürzen zu können. Nachdem Seto Yuka bereits nach 90 Metern zur Landung ansetzte, segelte Würth ganze sieben Meter weiter. Doch bei der Landung verlor sie die Kontrolle, krachte in den Schnee und sogar in die Bande und musste im Anschluss mehrere Minuten im Auslauf behandelt werden.

Bauer kritsiert die Wettkampfleitung

Cheftrainer Andreas Bauer äußerte sich unmittelbar nach dem schweren Sturz zum Gesundheitszustand seiner Athletin und übte gleichzeitig Kritik an der Jury: „Sie ist bei Bewusstsein und verspürt Schmerzen im Knie. In der Klinik wird ihr Zustand abgeklärt. Wir haben sehr schwierige Bedingungen an der Schanze mit sehr viel Neuschnee. Sie ist auf der rechten Seite gelandet, wo sehr viel Neuschnee war und der Sprung entsprechend schwer zu Stehen war. Ich kann im Moment wenig Verständnis dafür aufspringen, dass man die Mädels so weit hat springen lassen.“

Trotz einer beeindruckenden Weite von Katharina Althaus, die in der vierten Gruppe des ersten Durchgangs auf 106 Meter kam, betrug der Rückstand des deutschen Teams zur Halbzeit somit bereits über 20 Punkte auf die Japanerinnen. Zusätzlich konnte das DSV-Teams aufgrund des Ausscheidens von Würth im Finale nur noch mit drei Athletinnen an den Start gehen.

Für Team Japan war der Weg in die Geschichtsbücher somit frei. In souveräner Manier ließ die Mannschaft um Superstar Takanashi im Finaldurchgang nichts mehr anbrennen und feierte schließlich einen hoch überlegenen Sieg. Besonders Yuki Ito überzeugte im zweiten Durchgang mit einem Sprung auf 105 Meter.

Norwegen nur auf Platz sieben

Hinter den Teams aus Russland, Frankreich und Deutschland kamen die Sloweninnen (Ursa Bogataj, Nika Kriznar, Spela Rogelj, Ema Klinec; 829 P.), auf den fünften Rang, gefolgt von Österreich (Elisabeth Raudaschl, Claudia Purker, Jacqueline Seifriedsberger, Chiara Hölzl; 800,6 P.). Siebter wurde Norwegen (Anna Odine Stroem, Thea Sofie Kleven, Silje Opseth, Maren Lundby; 798,3 P.), die Mannschaft der USA (Nina Lussi, Abby Ringquist, Sarah Hendrickson, Nita Englund; 717,1 P.) kam auf Platz acht.

Irritierender Laubbläser: Clair darf nochmal

Kurioses gab es für die Fans im Adler-Skistadion während dem zweiten Durchgang zu bestaunen: Da die Französin Julia Clair bei ihrem Sprung während der Anfahrt von einem Laubbläser, welcher die Spur vom stark fallenden Schnee frei halten sollte, behindert wurde, gestatte die Jury ihr einen zweiten Versuch, welchen sie letztlich zu einer guten Weite von 96 Metern nutzen konnte.

» Nationencup 2017/2018 (Damen)

Bereits nach dem ersten Durchgang die Segel streichen mussten die Teams aus Italien (Lara Malsiner, Veronica Gianmoena, Elena Runggaldier, Manuela Malsiner; 336,5 P.), Kanada (Nicole Maurer, Natasha Bodnarchuk, Abigail Strate, Taylor Henrich; 335,5 P.) sowie Rumänien (Bianca Elena Stefanuta, Andreea Diana Trambitas, Carina Alexandra Militaru, Daniela Haralambie; 240,2 P.).

Deutschland verteidigt Führung im Nationencup

Im Nationencup konnte das deutsche Team trotz des missratenen Wettkampfes die Führung verteidigen, mit 919 Punkten liegt die Mannschaft von Andreas Bauer weiter vor Japan (790 P.) und Russland (494 P.).

» Alle Termine im Überblick: Weltcup-Kalender 2017/2018 (Damen)

Bereits morgen geht es für die Skispringerinnen weiter in Hinterzarten, dann steht auf der Rothaus-Schanze das Einzelspringen auf dem Programm. Um 14:30 Uhr startet der Probedurchgang, für 15:30 Uhr (alles live bei skispringen.com) ist der erste Wertungsdurchgang angesetzt.

Über Sebastian Theuner 14 Artikel
Seit Dezember 2013 im Team von skispringen.com. Hat bereits seit dem Kindesalter ein Faible für das Schreiben und den (Skisprung-)Sport. War und ist bei verschiedenen Tages-, Wochen- und Fachzeitungen als Praktikant und freier Mitarbeiter tätig. Studiert an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

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