Polnischer Verband zieht mit

Norwegischer Skiverband will Russland für "Raw Air" und Skiflug-WM ausschließen

Der norwegische Skiverband möchte, dass Russland und Belarus nicht an Wettkämpfen in Norwegen teilnehmen. Das betrifft im Skispringen die „Raw Air“ und die Skiflug-WM. Die FIS zögert immer noch mit einer Entscheidung.

Alle anstehenden Skisportveranstaltungen in Norwegen werden ohne russische und belarussische Athletinnen und Athleten stattfinden. Diese Entscheidung verkündete der norwegische Skiverband am Dienstagmorgen. Im Skispringen betrifft der Ausschluss die ab Mittwoch anstehende Raw-Air-Tour in Lillehammer und Oslo, sowie die Skiflug-WM in Vikersund vom 10. bis 13. März. Während der norwegische Verband also der Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) folgt, zögert der Internationale Skiverband (FIS) weiterhin.

„Wir hatten gehofft, dass die FIS auch im Namen des gesamten Skisports zu dieser Entscheidung kommen würde, aber unser Skiverband kann nicht mehr länger warten. Das Gremium hat daher entschieden, die FIS darüber zu informieren, dass es russische und belarussische Athletinnen und Athleten nicht erlaubt ist, an Wettkämpfen in Norwegen teilzunehmen“, teilte Verbandspräsident Erik Roeste mit. FIS-Generalsekretär Michel Vion antwortete später: „Der Verband kann diesen Wunsch ausdrücken, den Start der Athletinnen und Athletinnen jedoch nicht untersagen. Das verletzt die FIS-Regeln.“

Ausschluss ebenfalls bei Junioren-WM

Während es bis Dienstagmorgen keine verlässliche und offizielle Information gab, verdichteten sich bereits am Wochenenende die Anzeichen, dass zumindest die „Raw Air“ ohne russische Skispringerinnen und Skispringer stattfinden würde. So hatte Alexandra Kustova noch am Sonntag in einer ‚Instagram-Story‘ geschrieben, dass sie nicht Teil der Tour seien. Grundlage für die Entscheidung auch Belarus auszuschließen war eine Petition, die der norwegische Verband in Zusammenarbeit mit dem finnischen und dem schwedischen am Montag an FIS-Präsident Johan Eliasch gesendet hatte.

Noch am selben Abend hatte auch der polnische Verband (PZN) nach einem langen Meeting mit dem Sportministerium und der FIS einen Ausschluss der beiden Nationen für Junioren-WM in Zakopane beschlossen. Im Skispringen betrifft diese insgesamt zwölf Athletinnen und Athleten, die wieder von den Startlisten genommen wurden. Darunter waren mit Irma Makhinia und Danil Sadreev auch zwei Medaillengewinner der Olympischen Spiele in Peking. „Hätte man ihren Start erlaubt, hätte der Veranstalter viele Events abgesagt“, sagte PZN-Generalsekretär Jan Winkiel der Website ‚Skoki Polska‘.

FIS erfährt großen Gegenwind

Die FIS sieht sich derweil großer Kritik ausgesetzt, insbesondere nachdem sie am Montag öffentlich ihre Solidariät mit den ukrainischen Athletinnen und Athleten bekundet hatte, die Situation in der Ukraine aber nicht etwa klar als Krieg, sondern lediglich als einen „Konflikt“ benannt hatte. Kurz darauf forderte die aktuell pausierende Maren Lundby via ‚Twitter‘: „Der Krieg ist kein Spiel. Hier muss auch der Sport ansetzen und seinen Beitrag leisten – und nicht nur leere Worte von sich geben.“

Halvor Egner Granerud griff am Montag in einem Tweet ein Zitat einer FIS-Mitteilung auf, in der es hieß: „Um faire und inklusive FIS-Veranstaltungen zu ermöglichen, sollen die nationalen Skiverbände und lokalen Organisationskomitees keine Athleten aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer Nationalität oder sexuellen Orientierung ausschließen.“ Granerud schrieb daraufhin: „Wie kann es fair und inklusiv sein, wenn ukrainische Olympioniken in ihrer Heimat bleiben und ihr Land verteidigen müssen? Dann schreibt lieber irgendeinen Quatsch über Sport, der nicht politisch ist.“

Am Montagabend erleuchtete die Schanze am Holmenkollen in den ukranischen Landesfarben, nachdem die Osloer Gemeindeverwaltung diesem Wunsch des Holmenkollen Ski-Festival nachgekommen war. Kamil Stoch sprang am Sonntag beim Weltcup in Lahti mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg, kämpft im Sport“ auf seinem Ski und betonte danach in der ‚ARD‘: „Wir können nicht so tun, als wäre nichts passiert. Für mich ist aber der Sport die Antwort: Im Sport ist kein Platz für Gewalt und Krieg. Ich unterstütze Werte wie gegenseitige Unterstützung und Respekt.“

Über Luis Holuch 327 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

9 Kommentare

  1. Es ist eine Schande, die russischen Sportler auszuschließen. Gerade in Kriegszeiten, würde es von echter Menschlichkeit und Güte zeugen, wenn man auf die russischen Athleten zugeht. Sonst fördert man die Spaltung.

  2. Es ist definitiv richtig alle russischen Sportler aus allen Wettbewerben auszuschliessen. Wenn ein Land überfallen wird und tausende Menschenleben gefährdet sind, muss knallhart reagiert werden. Natürlich tut es einen Leid den sympatischen Jevgeni Klimow nicht mehr springen zu sehen und ja, Sport sollte nicht politisch sein. Aber jetzt muss gehandelt werden, Russen von allen ausschliessen, Reisen, Sport etc. Nur so wird dieses Volk munter, sich gegen den Agresor aufzulehnen. Wer mit einen Nukliar Schlag droht, das geht gar nicht. Auch wenn es noch so schade ist, gerade Russland ist ein wichtiger Bestandteil vom Skispringen. Und so viele Nationen betreiben ja den schönen Sport garnicht.

  3. Ich sehe den Sinn dieser vernünftigen Entscheidung, es tut mir trotzdem Leid für die russischen Sportler. Ich weiß, dass es hier in den Kommentaren gerne mal gewisse Ressentiments gegenüber „ehemaligen Ostblock-Ländern“ gibt, aber es ist in keinster Weise logisch oder rational, jeden russischen Bürger für Putins Taten verantwortlich zu machen.
    Dazu kommt, dass viele Russen einer Art von Propaganda ausgesetzt sind, die auch vielen Besserwissern in den Kommentaren eine andere Weltsicht geben würde, würden sie überall damit „zugedröhnt“ werden! Bleibt reflektiert!

    • „Ich sehe den Sinn dieser vernünftigen Entscheidung, es tut mir trotzdem Leid für die russischen Sportler.“
      Genau so geht es mir auch.

      „Dazu kommt, dass viele Russen einer Art von Propaganda ausgesetzt sind, die auch vielen Besserwissern in den Kommentaren eine andere Weltsicht geben würde, würden sie überall damit „zugedröhnt“ werden! Bleibt reflektiert!“
      Ich erlebe es, dass auch Russen, die seit langem in Deutschland leben und nicht dieser Propaganda ausgesetzt sind, den Krieg für gerechtfertigt und das russische Staatsdoping für eine politisch motivierte Lüge halten. Ich finde das tragisch.

  4. Ich sehe den Sinn der Entscheidung, es tut mir trotzdem Leid für die russischen Sportler. Ich weiß, dass es hier in den Kommentaren gerne mal gewisse Ressentiments gegenüber „ehemaligen Ostblock-Ländern“ gibt, aber es ist in keinster Weise logisch oder rational, jeden russischen Bürger für Putins Taten verantwortlich zu machen.
    Dazu kommt, dass viele Russen einer Art von Propaganda ausgesetzt sind, die auch vielen Besserwissern in den Kommentaren eine andere Weltsicht geben würde, würden sie überall damit „zugedröhnt“ werden! Bleibt reflektiert!

    • Trotzdem finde ich die Entscheidung vernünftig! Norwegen ist generell ein konsequentes Land im Kampf für Menschenrechte, dass auch schon den Boykott der Katar-WM debattiert hat

      • Ich habe noch keinen Sportler aus Russland gesehen, der öffentlich gegen Putin oder jetzt auch gegen den Krieg demonstrierte. Auch bei Olympia in Peking, keine Spur von russischer Solidarität.

    • Solange die russische Bevölkerung,und dazu gehören auch die Sportler, diesen Krieg mehrheitlich befürworten, gehören sie auch alle ausgeschlossen.

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