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Olympasiegerin Maren Lundby: „Ich möchte noch viel mehr erreichen“

Foto: Reka Hodgyai

Olympiasiegerin, Gesamtweltcup-Siegerin und Botschafterin: Maren Lundby ist das Gesicht des Damen-Skispringens. Bei skispringen.com spricht die Norwegerin vor dem Saison-Auftakt über Veränderungen und die Entwicklung ihres Sports.

15 Podiumsplatzierungen in 15 Einzelspringen, davon neun Siege, der folgerichtige Sieg im Gesamtweltcup und der Olympiasieg – der Winter 2017/2018 war eine einzige Sternstunde für Maren Lundby. Doch, was vergangen ist, kehrt nicht wieder zurück. Das wusste die 24-Jährige schon beim Weltcup-Finale im März in Oberstdorf. Welche Schlüsse sie für die bevorstehende Wintersaison gezogen hat und warum diese die beste der Geschichte werden könnte, hat Maren Lundby skispringen.com-Redakteur Luis Holuch im Exklusiv-Interview verraten.

Maren, Du warst beim Sommer-Grand-Prix-Finale das erste Mal in Klingenthal. Wie hat es Dir dort gefallen?

Maren Lundby: Sehr gut! Vor allem die Schanze finde ich sehr schön – sie ist schön groß. Das mag ich einfach. Je größer die Schanze, desto besser gefällt sie mir.

Kürzlich war in den norwegischen Medien zu lesen, Du hast Deinen Trainingsalltag umgestellt. Was genau hast Du verändert?

Lundby: Es mag im ersten Moment etwas komisch klingen, aber ich habe die Zahl meiner Trainingssprünge reduziert. Bis zum Grand-Prix-Finale habe ich nur 150 Sprünge im Training gemacht. Das ist viel weniger als in den Jahren zuvor. Letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt waren es 300, im Jahr davor sogar etwa 450.

„Mein Gefühl hat mir gesagt, dass ich im Winter ein besseres Niveau erreichen kann“

Das ist ja ein komplett anderer Ansatz als zuvor. Warum hast Du Dich für diese Methodik entschieden?

Lundby: Ich habe mich für diese Herangehensweise entschieden, weil mir mein Gefühl gesagt hat, dass ich im Winter ein besseres Niveau erreichen kann. Wenn man im Sommer viele Sprünge macht, ist es schwierig, das Niveau konstant hochzuhalten. Deswegen habe ich viel in Athletik- und Krafttraining investiert. Ich setze darauf, dass mir das eine konstant gute Form für den Winter verschafft.

Hat diese höchst erfolgreiche vergangene Saison aus Dir einen anderen Menschen oder eine andere Athletin gemacht? Oder bist Du dieselbe Maren Lundby wie vorher?

Lundby: Das hoffe ich doch. (lacht)

Also mir ist kein Unterschied aufgefallen. Mich interessiert, wie Du das selber siehst…

Lundby: Dankeschön! (lacht) In meiner Wahrnehmung bin ich immer noch dieselbe Person oder dieselbe Athletin wie vorher. Es gibt noch vieles, was ich erreichen möchte und deswegen freue ich mich auf die Zukunft. Vor allem auf den Winter, denn da springe ich noch viel lieber als im Sommer. Dann, wenn es wirklich zählt.

Was aus meiner Sicht jedoch anders als noch vor wenigen Jahren ist, dass Du immer wieder Deine Meinung in der Öffentlichkeit ausdrückst. Warst Du schon immer so oder gab es einen Zeitpunkt, an dem Du Dein Verhalten geändert hast?

Lundby: Also ich denke, dass es überhaupt kein Problem sein sollte, seine Meinung auszudrücken. Ich möchte so authentisch wie möglich sein und jeder sollte mein wahres Ich kennen – für mich ist das der beste Ansatz. Ich kann für mich sagen, dass ich immer schon meine ehrliche Meinung gesagt habe, aber natürlich – wie Du auch richtig sagst – habe ich mich mit der Zeit immer wohler gefühlt im Umgang mit den Medien. Ich bin ruhiger geworden und dann ist es auch einfacher, seine Meinung zu sagen.

Ist der Sommer für Dich dann nur so eine Phase, um für den Winter in Schwung zu kommen? Oder wie siehst Du diese Zeit persönlich?

Lundby: Für mich ist der Sommer eher eine Zeit der Vorbereitung, aber natürlich genauso wichtig. Nicht unbedingt, was die Wettkämpfe und die Ergebnisse angeht. Darauf kommt es für mich nicht primär an. Klar ist es schön, wenn ich auch im Sommer gute Ergebnisse erzielen kann. Aber der Winter hat schon einen anderen Stellenwert.

„Das ist schon einiges von dem, was wir uns erwünscht und erhofft haben“

Also stört dich auch nicht, dass du bislang im Sommer-Grand-Prix noch kein Springen gewonnen hast?

Lundby: Stören würde ich nicht sagen. Natürlich würde ich auch mal gerne ein Sommer-Grand-Prix-Springen gewinnen, das fehlt mir noch. Es hat bislang noch nicht geklappt, es fehlte immer ein bisschen was. Aber solange ich dann im Winter wieder auf dem Treppchen stehe, soll es mir Recht sein.

Dann lass uns doch auf den Winter vorausschauen. Würdest Du den Weltcup-Kalender als Fortschritt für das Damen-Skispringen bezeichnen?

Lundby: Oh ja! Das ist ein sehr großer Fortschritt für uns. Wir haben allein drei Wettkampfserien: Das Triple in Lillehammer zum Auftakt und dann am Ende noch die Raw Air und die Blue Bird-Tour. Auch die Wettkampfanzahl ist ja so hoch wie noch nie – und nicht zuletzt die vielen Großschanzen. Das ist schon einiges von dem, was wir uns erwünscht und erhofft haben.

Für Überraschung gesorgt hat die Absage des Mixed-Teamspringens in Titisee-Neustadt. Wie hast Du reagiert als Du davon gehört hast?

Lundby: Ich war schon traurig als ich das gehört habe, ein kleiner Wermutstropfen ist das schon. So haben wir lediglich das Mixed in Seefeld bei der WM während des Winters. Uns bleibt nichts Anderes übrig, als dort und während des gesamten Winters gute Leistungen zu bringen und dann wird es hoffentlich zukünftig mehr Mixed-Springen geben.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für den Winter!

Über Luis Holuch 9 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

3 Kommentare

  1. Ich habe nichts gegen Frauen im Skispringen aber ich würde mich sehr Freuen wenn so ein Interview was ja immer interessant ist mal wieder mit Skispringern durchgeführt wird.

    Liebe Grüße
    Hillsize

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