Paul Ganzenhuber spricht über Sommer-Weltcup

Die Diskussionen über die mögliche Durchführung eines Sommer-Weltcups sind weiterhin in vollem Gange. Paul Ganzenhuber, Vorsitzender des FIS-Komitees für Kalenderplanung, spricht im Exklusiv-Interview mit skispringen.com erstmals über die langfristigen Pläne. Im Gespräch mit Marco Ries erklärt der Österreicher, wie ein derartiges Vorhaben aussehen könnte, was für diese Neuerung spricht und in welchen Zeiträumen man sich damit befassen möchte.

Herr Ganzenhuber, die Pläne für einen Sommer-Weltcup sorgen derzeit für einige Diskussionen. Sie gelten als Initiator der Sache…

Paul Ganzenhuber: Das ist so nicht ganz korrekt. Vielmehr ist es das Bestreben der meisten Beteiligten, den Sport in diese Richtung zu entwickeln. Wir würden die Serie des Sommer-Grand-Prix‘ in den nächsten Jahren gerne in einen Weltcup umwandeln, doch letztendlich hat der internationale Skiverband – genauer: der FIS-Vorstand – darüber zu entscheiden.

Welche Vorteile erhoffen Sie sich?

Ganzenhuber: Der Grund dafür liegt in der Ausweitung des Skisprungsports für die Nationen, die im Winter nicht zum Zug kommen, weil der Winterkalender hauptsächlich durch Mitteleuropa und Skandinavien gut besetzt ist. Die übrigen Länder kann man aber auf Dauer nicht hintanstellen. Der Sommer würde sich also dazu eignen, diesen Ländern ebenfalls Weltcup-Wettbewerbe zukommen zu lassen.

Das ist also nicht nur ein Wunsch, was direkt den sportlichen Bereich betrifft, sondern auch ein administrativer Wunsch, um den Kalender auszuweiten und im Sommer gleichwertige Wettbewerbe wie im Winter durchzuführen. Es gereichte vor allem denjenigen Ländern zum Vorteil, die derzeit verstärkt Mattenschanzen bauen, bis dato aber nicht im Kalender vertreten sind. Und das sind Nationen, die im Skisprungsport große Anstrengungen unternehmen, um sich nach vorne zu schieben. Dem sollte man Rechnung tragen und ihnen die Möglichkeit bieten, Weltcupveranstaltungen durchzuführen.

Abgesehen von der Zunahme an Weltcup-Veranstaltern – was erhofft man sich direkt für die Sportart Skispringen?

Ganzenhuber: Skispringen ist ja sowieso schon mehr oder weniger zur Ganzjahressportart geworden. Es geht nun darum, einen Schritt weiter zu gehen und die Sommer-Wettbewerbe gleichwertig zu den Winter-Weltcups zu schalten und den sportlichen Wert damit zu erhöhen.

Derzeit ist ja eine allgemeine Diskussion am Laufen. Es ist die Frage, wie hoch der Sommer-Grand-Prix im Allgemeinen eingeschätzt und von den Medien mitgetragen wird. Der grundlegende Tenor geht eben dahin, dass man die Sommer-Wettbewerbe so umgestaltet, damit sie dieselbe mediale Verbreitung finden wie die Winter-Veranstaltungen.

Würde dies bedeuten, dass es eine einzige Weltcup-Serie gibt, die sowohl Sommer als auch Winter umspannt?

Ganzenhuber: Das ist im Detail noch zu diskutieren und man muss sich sehr genau damit auseinandersetzen, ob man die Sommerbewerbe separat oder zusammen mit den Winterbewerben in einer Serie durchführt. Hier ist vor allem das Skisprung-Komitee aufgerufen, Vorschläge auszuarbeiten.

Sie rechnen also damit, dass dieser Vorschlag Anklang findet?

Ganzenhuber: Im Grunde besteht schon die Idee, den Sport in diese Richtung zu entwickeln. Diese Intention ist bei den Beteiligten vorhanden und wird von vielen Leuten mitgetragen. Aber noch ist es nicht soweit – der FIS-Vorstand hat noch kein grünes Licht gegeben. Grob geschätzt könnte es vielleicht in fünf bis sechs Jahren soweit sein.

Gibt es dazu schon Feedback von den Athleten? Würden sie eine derartige Änderung unterstützen?

Ganzenhuber: Man muss natürlich bedenken, inwieweit wir die Sportler damit nicht überfordern. Man muss auch trainingsmethodisch überlegen, wie man ein vernünftiges System aufstellen kann, das auch die Athleten mittragen können und wollen. Es müssen entsprechende Erholungspausen miteingeplant werden, genauso wie die notwendigen Trainingszeiten für einen entsprechenden Leistungsaufbau.

Derzeit legt man ja von Ende März bis Mitte Juli und von Anfang Oktober bis Ende November eine Wettkampfpause ein. Müsste das aus Ihrer Sicht so beibehalten werden oder würden sich die Sommer-Wettbewerbe über einen längeren Zeitraum verteilen?

Ganzenhuber: Es würde in etwa so ablaufen, wie es derzeit der Fall ist. Doch wie die Zeiträume im Detail aussehen, müsste man natürlich noch genau überlegen. Pausen zwischen Winter und Sommer sind aber nötig.

Wie sieht es mit dem momentanen Standpunkt des FIS-Vorstandes aus?

Ganzenhuber: Aktuell gibt es diesbezüglich keine Zustimmung.

Und langfristig?

Ganzenhuber: Unser langfristiger Plan ist es, den FIS-Vorstand dazu zu befragen und wir müssen abwarten, inwieweit er unserem Gedankenspiel nachkommen kann oder nicht. Es hängt vor allem davon ab, wie ernst der FIS-Vorstand unser Begehren nimmt und wie sehr er dann eben dazu geneigt ist, dem zuzustimmen.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus? Könnte es nicht vielleicht zum Problem werden, dass innerhalb der FIS vor allem der Alpinsport einen besonderen Stellenwert einnimmt?

Ganzenhuber: Ich denke nicht darüber nach, ob wir eine Chance haben oder nicht. Es geht vielmehr darum, eine Vision aufzubauen und diese an den Vorstand heranzutragen. Es kann natürlich sein, dass es nicht dazu kommt, aber wir würden den Sport gerne in diese Richtung entwickeln.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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