Corona reißt Lücke in Kalender

"Raw Air"-Tour fällt aus

Diese Nachricht trifft das Skispringen hart: Die mittlerweile etablierte „Raw Air“-Tour durch Norwegen wurde am Donnerstagabend abgesagt. Die Absage reißt eine große Lücke in den Kalender nach der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf.

Das Szenario wurde in den vergangenen Tagen immer wahrscheinlicher, nun ist es Realität geworden: Die für den 12. bis 21. März geplante „Raw Air“-Tour durch Norwegen fällt aus. Der Internationale Skiverband (FIS) bestätigte die Absage bereits am Donnerstagabend. Grund dafür seien die neuen Reise- und Veranstaltungsbeschränkungen, die die norwegische Regierung verhängt hatte. Die Absage betrifft sämtliche Weltcups in allen FIS-Disziplinen, die bis Saisonende noch angesetzt waren.

Anfang Januar hatte der Veranstalter der Skifliegen in Vikersund bereits bekanntgegeben, keine Zuschauer zuzulassen. Nun findet das erst zweite Skiflug-Wochenende im Saisonverlauf gar nicht mehr statt. Vergangene Woche war bereits der für das kommende Wochenende neu angesetzte Damen-Weltcup in Lillehammer ersatzlos gestrichen worden. Das zusätzlich für Tschaikowski geplante Teamspringen bei den Damen wurde dagegen von der FIS bereits bestätigt, findet jedoch außerhalb der „Blue Bird“-Wertung statt.

„Raw Air“-Absage bedeutet Historisches

Durch die Absage fallen bei den Herren vier Einzel- und zwei Teamspringen aus, bei den Damen sind es drei Einzel. Die Lücke im Wettkampfkalender ist unübersehbar: Die Herren haben mit dem Teamspringen am 6. März ihren letzten Wettkampf bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf, Stand jetzt ginge es dann erst am 25. März mit der Qualifikation im slowenischen Planica weiter . Die Damen hätten nach der WM-Großschanzen-Premiere am 3. März erst am 20. März mit dem „Blue Bird“-Auftakt in Nischni Tagil wieder ihren nächsten Einsatz.

Beim norwegischen Skiverband, der bis zuletzt auf die „Raw Air“-Tour gehofft hatte, ist die Enttäschung über die Absage groß, gestand Präsident Erik Roeste, wenngleich er betonte: „Wir haben großen Respekt für die Entscheidung der Regierung.“ Dennoch sei er sich sicher gewesen, „dass wir die Weltcups in einem sicheren und guten Rahmen hätten veranstalten können. Bislang fanden Wettkämpfe in 66 Orten in 13 Ländern statt und es hat funktioniert.“ Nun ist die 42. Weltcupsaison im Skispringen nach 1993/1994 erst die zweite, in der keine Springen in Norwegen stattgefunden haben.

Werden die „Raw Air“-Springen ersetzt?

Die norwegischen Grenzen waren vergangene Woche aufgrund der steigenden Fallzahlen und des häufigeren Auftretens der Coronavirus-Varianten aus Südafrika und Großbritannien geschlossen worden. Kulturminister Abid Raja, der sich jüngst öffentlich für die Weltcups starkgemacht hatte, betonte, dass die Entscheidung alternativlos gewesen sei. „Wir haben heute eine klare Antwort bekommen. Bis zum 1. März wird es keine Ausnahmeregelungen geben, einzig für Personen aus dem Gesundheitswesen und anderen systemrelevanten Berufen.“

Was mit den abgesagten Springen passiert, ist derzeit noch völlig offen. Die FIS teilte mit, man werde über etwaige Ersatzorte und -Springen informieren, so sie denn gefunden werden. Auch für den Verband ist die Absage ein harter Schlag, zumal sie genau einen Tag vor dem Ablauf der 30-Tage-Frist vor dem Beginn des Events kam. Sollte sich kein Skiflug-Veranstalter finden lassen, werden nur die beiden Einzel in Planica über den Sieger des Skiflug-Weltcups entscheiden, von denen eines das Finale der besten 30 ist. Auch das wäre ein absolutes Novum – eine Saison mit lediglich zwei Skiflug-Wettkämpfen gab es zuletzt in der Saison 2013/2014, als lediglich am Kulm geflogen und der Umbau der Schanze in Planica nicht rechtzeitig fertig wurde.

Auch interessant: Keine zwei Wochen vor der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf gibt es mit Jacqueline Seifriedsberger und Ramona Straub erste prominente Absagen

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Über Luis Holuch 177 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020 in Oberwiesenthal.

19 Kommentare

  1. Nach der WM nach Planica. 3x Kleinschanze und 3x Großschanze, jeweils 2x Einzel 1x Team, anschließend die geplanten Wettkämpfe auf der Flugschanze.

  2. Ich wäre für ein Dreiländerspringen anstatt der RAW-Air,
    Also Deutschland (Oberhof), Tschechien (Liberec) und Polen (Zakopane/Wisla) und das mit 1000-300 Zuschauern unter Hygienekonzept.

  3. Oberhof hat auch eine erneuerte Großschanze im Kanzlersgrund, da sollten Sprünge bis 150m möglich sein. Wird Zeit, dass die mal Welcup-Station wird.

  4. Planica konkurrierte bereits mit Zakopane um die Ausrichtung zusätzlicher Wettbewerbe. Warum nicht eine Woche vor der Letalnica auf der Großschanze in Planica schon springen? Art Generalprobe vor 2023.

  5. Das ist ein herber Schlag für diesen Sport. Eine Absage durch die norwegischen Organisatoren zeigt doch drastisch auf, wieviel Respekt, nahezu Angst bezüglich der Entwicklung in der Pandemie für Norwegen vorherrscht.

    Andererseits, ginge es um Profi-Fussball, wäre die Entscheidung wohl eine andere gewesen (sh. diese unsägliche Klub-WM).

    Drücke den Sportlern die Daumen, dass es alternative Wettkämpfe geben wird.
    Und euch in der Redaktion viel Glück, dass es auch in den nächsten Monaten ausreichend zu berichten gibt.

  6. Eine zweite Vierschanzen-Tournee ohne Zuschauer sollte als Ersatz doch möglich sein…Das mediale Interesse wäre wohl noch größer als beim RAW-Air.

  7. Dann geht man halt nochmal nach Oberstdorf, dort stehen sowohl Klein, Normal als auch noch ne Flugschanze. Auf der anderen Seite sieht man, wie schnell eine Regierung eine Grenze für Sportler dichtmacht, wenn sie nicht in der EU sind.

    • Natürlich, alles nach Deutschland.
      Rodeln, Skeleton und Bob in Königsee,Oberhof und Altenberg.
      Langläufer in Dresden. Skispringen in Oberstdorf, Garmisch, Titisee-Neustadt und Klingenthal incl.Nordische Kombination.Biathlon 2 Wochen in Oberhof.
      Wir haben ja keine Pandemie.
      Nur Otto-Normalverbraucher darf sogut wie nichts.

      • Otto darf sich sich während des Lockdowns die Zeit zu Hause mit frisch erzeugtem TV-Sport vertreiben. Ist doch OK, oder nicht?

      • Ich bin auch der Meinung, daß wir unter Hygienekonzept paar Tausend
        Zuschauer im Freien zulassen könnten. Da steckt sich vermutlich keiner an. Und warum nicht in der Pandemie den anderen zeigen, dass man einen großen Wettbewerb durchziehen kann. Wollen Sie alles dichtmachen? Was macht das mit der Psyche der Menschen?

  8. Ich vermute, es wird für FIS nicht so leicht Ersatz zu finden. Um Reisestrapazen zu minimieren könnte man nach Villach und dann nach Kranij und anschließend nach Planica gehen. Und für Damen ist natürlich sehr enttäuschend,das so viele Veranstaltungen ausgefallen sind. Hoffentlich läuft in Oberstdorf alles gut.

  9. Ich hoffe, dass das nicht zu dramatische Folgen für den norwegischen Verband hat. Weiß man da schon was?
    Nach der Absage der Raw Air im letzten Jahr, musste aus finanziellen Gründen die Junioren-Mannschaft aufgelöst werden.

    • Das ist aber ein Armutszeugnis füe eine Nation wie Norwegen! Die haben so viel Öl und so viel Sponsorengeld. Die sind ja noch geiziger wie die Schwaben und die Schotten!

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