Neue Nation auf der Skisprung-Landkarte

Sensation: Team-Weltmeisterin Sophie Sorschag wechselt nach Kosovo

Foto: tramplin.perm.ru

2021 wurde Sophie Sorschag in Oberstdorf Team-Weltmeisterin, nahm 2022 zudem an Olympia teil. Nach einem Zerwürfnis mit dem ÖSV steht nun fest: Sie wechselt nach Kosovo – und sorgt damit für ein absolutes Novum.

Noch Anfang Februar 2022 reiste Sophie Sorschag neben Lisa Eder als zweite Ersatzfrau des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) zu den Olympischen Spielen nach Peking. Dort wurde sie jedoch zur tragischen Figur: Aufgrund nicht regelkonform überklebter Sponsorensticker wurde sie disqualifiziert. Dies sollte ihr letzter Wettkampf als ÖSV-Springerin werden, wie nun feststeht: Die Skispringerin hat einen Nationenwechsel vollzogen und wird nun den Kosovo vertreten – was ein absolutes Novum im Skispringen darstellt.

Sorschag wird die erste Springerin des Balkanstaates überhaupt. Auch im Herrenbereich war das kleine Land, das im Februar 2008 seine Unabhänigkeit erklärte, noch nicht präsent. Im März 2022 hatte sie sich bei schweren Sturz im Training des Continentalcups in Brotterode das Kreuz- und Seitenband gerissen und auch eine Meniskusverletzung erlitten. Statt eines realistischen COC-Gesamtsieges hieß es für die Kärntnerin Reha und schuften fürs Comeback.

ÖSV widerspricht Sorschags Darstellung

Bei diesem wird sie nun für den Kosovo antreten, wie das Olympische Komitee und der Skiverband des Landes am Donnerstag verkündeten. Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des kosovarischen Verbandes, Milaim Kelmendi, und dessen Stellvertreter Bujar Turjaka und in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana die letzten Formalitäten erledigt und im Anschluss der Nationenwechsel perfekt gemacht. Über die Existenz von Skisprungaktivitäten oder Schanzen im Kosovo ist nichts bekannt.

Im Oktober 2022 keimten erstmals Gerüchte über einen Nationenwechsel auf, nachdem das estnische Portal ‘Ohtulet’ berichtet hatte, Sorschag sei auf dem Sprung nach Estland. Auch Bulgarien und Schweden wurden als mögliche neue Nation gehandelt. “In Österreich ist die Tür leider zu. Am 27. April wurde ich total unvorbereitet vom Verband ausgeschlossen. Deshalb und da ich meinen geliebten Sport weiterhin ausüben möchte, musste ich den Nationenwechsel beantragen”, hatte die 24-Jährige am 8. November 2022 der ‘Krone-Zeitung’ gesagt.

Der ÖSV widersprach Sorschags Version in Person von Sportdirektor Mario Stecher: “Für uns ist es schade, denn wir wollten sie behalten. Aber Sorschag selbst hat im Juni von sich aus den Antrag auf den Nationenwechsel bei der Präsidialkonferenz eingereicht.” Einen Monat zuvor, nämlich am 11. Mai 2022, hatte der Verband seine Kaderlisten veröffentlicht und die Team-Weltmeisterin von 2021 dort noch im A-Kader aufgeführt. Diese PDF-Datei wurde inzwischen ausgetauscht, diesmal fehlt ihr Name.

Kein Start in dieser Saison mehr möglich

Auf besagter Präsidialkonferenz hatte der ÖSV bereits die Freigabe für den Nationenwechsel gegeben. Mit insgesamt drei Top-Ten-Platzierungen und einem siebten Platz in Titisee-Neustadt Ende Januar 2021 hatte die Skispringerin ihr Potenzial gezeigt. Seit dem vergangenen Sommer ist der slowenische Ex-Skispringer Jure Radelj ihr Privattrainer, der ihr den Start bei einigen lokalen und nationalen Wettkämpfen in dessen Heimat ermöglichte. Dabei startete sie stets Radeljs Klub, den SSK Norica Ziri, für den auch die aktuell stärksten Sloweninnen Nika Kriznar und Ema Klinec springen.

Die aktuelle Saison mitsamt der Nordischen Ski-WM in Planica und dem ersten Skiflug-Wettkampf für die Damen in Vikersund wird Sorschag aufgrund der FIS-Regularien jedoch verpassen. „Jeder Nationenwechsel muss uns bis Ende Mai gemeldet werden, sonst muss man diese Saison aussetzen. Zudem muss die Person die neue Staatsbürgerschaft bereits mindestens sechs Monate innehaben“, stellte FIS-Generalsekretär Michel Vion bereits beim Forum Nordicum Ende September klar. Somit darf die Neu-Kosovarin frühestens ab der Sommersaison wieder an FIS-Springen teilnehmen.

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Über Luis Holuch 385 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

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