FIS beschließt Wettkampf-Kalender

Tournee-Feeling inklusive: So sieht der Weltcup der Skispringerinnen aus

Foto: Alexey Kabelitsky (Hill Tagil)

Bei ihrem alljährlichen Herbst-Meeting verabschiedet die FIS die Kalender für die kommende Weltcup-Saison. Das Programm für die Skispringerinnen strotzt nur so vor Änderungen und Neuerungen. Ein Überblick.

Kurz vor dem Sommer-Grand-Prix-Finale in Klingenthal stand für die Offiziellen des Internationalen Skiverbandes (FIS) das alljährliche Herbst-Meeting an – und dieses hielt einige Überraschungen bereit. Das Zusammentreffen der FIS-Delegierten, das aufgrund der Corona-Bedingungen erneut online stattfand, brachte einen stark veränderten Weltcup-Kalender für die Skispringerinnen hervor. skispringen.com liefert einen Überblick über die zahlreichen Änderungen und Neuerungen.

Der Weltcup-Winter beginnt mit einer echten Premiere, denn zum ersten Mal ist der Auftakt nicht im norwegischen Lillehammer, sondern im russischen Nischni Tagil geplant. Dort findet bereits vom 19. bis 21. November der Weltcup-Auftakt der Herren statt, die Damen gastieren dort eine Woche später – Ausrichter wird dann der chinesische Verband sein, der im Sommer bereits Continental- und FIS-Cups in Finnland veranstaltete. Beim chinesischen Ausrichter-Debüt im Weltcup bestreiten die weltbesten Skispringerinnen ersten Mal seit neun Jahren wieder Weltcupspringen schon im November. Lillehammer steht dann am Wochenende darauf an, dort findet dann am zweiten Tag das erste Großschanzen-Springen der Saison statt.

Ein Hauch von Vierschanzentournee inklusive

Am 10. und 11. Dezember und damit an einem Freitag und Samstag zieht der Tross weiter nach Klingenthal, ehe am Freitag darauf in Ramsau am Dachstein das letzte Springen vor Weihnachten wartet. Der WM-Ort von 1999 war im vergangenen Winter als Ersatz-Ausrichter eingesprungen und ist nun erstmals seit 2012 wieder fixer Bestandteil des Kalenders. Und anders als in den vergangenen Jahren müssen die Athletinnen nicht wieder fünf Wochen auf ihren nächsten Wettkämpfe warten, was einer weiteren Neuerung zu verdanken ist.

Erstmals in der Geschichte des Damen-Skispringens finden nämlich Springen am Silvester- und Neujahrstag statt. Im slowenischen Ljubno steigt dann eine Art „Neujahrstournee“, die aus zwei Einzelspringen besteht, die wiederum analog zur parallel stattfindenden Vierschanzentournee im K.o.-Modus ausgetragen werden, was ebenfalls eine Premiere für die Damen sein wird. Diese Ansetzung entzerrt das Bild um einiges, schließlich hätte Ljubno sonst den Schluss eines straffen Programms von acht Springen zwischen dem 8. und 23. Januar in Sapporo, Zao (beides Japan) und Rasnov (Rumänien) gebildet.

Neuerung auch bei Olympia

So behält Sapporo seinen Platz am zweiten Januar-Wochenende, während Zao auf das darauffolgende (13. bis 15. Januar) rückt. Ursprünglich waren die Springen in der Präfektur Yamagata Dienstags und Mittwochs und jene in Rasnov für den folgenden Samstag und Sonntag vorgesehen, wodurch logistische Probleme geradezu vorprogrammiert gewesen wären. Am 21. und 22. Januar ist nach jetzigem Stand noch die Frage zu klären, ob Rasnov dort parat steht. Sollte dem nicht so sein, übernimmt der norwegische Verband – womöglich sogar mit einer Schanze, die noch nie im Damen-Weltcup genutzt wurde.

Am letzten Januar-Wochenende, was zugleich auch die letzte Station vor den Olympischen Spielen in Peking ist, reist der Tross erstmals nach Willingen. Auf der Mühlenkopfschanze, welche zugleich auch die größte in der Geschichte des Damen-Skispringens sein wird, steht neben zwei Einzelspringen auch das erste von zwei Mixed-Teamspringen im Saisonverlauf an. Auch bei Olympia gibt es eine Neuerung, denn am 7. Februar wird auch dort zum ersten Mal ein Mixed-Teamspringen veranstaltet; zwei Tage nach dem Einzel, das am 5. Februar steigen wird und bei dem das Feld von 35 auf 40 Teilnehmerinnen aufgestockt wird.

Raw-Air-Tour heuer nur „light“

Nach dem großen Saison-Highlight geht es mit einem Dreierpack in Hinzenbach weiter. Auf der kleinsten Schanze im Kalender (HS90) stehen neben dem einzigen Team- auch zwei Einzelspringen an. Danach wartet eine abgespeckte Version der Raw-Air-Tour auf die Skispringerinnen. Die Schanzen in Trondheim befinden sich für die WM 2025 im Umbau, somit entfällt die sonst gewohnt letzte Station bei den Damen. Den Auftakt gibt es am 3. März in Lillehammer, tags darauf folgt in Oslo erstmals ein Mixed im Rahmen der Raw-Air-Tour, welches zugleich auch das zweite und letzte im Weltcup-Kalender ist. An den beiden darauffolgenden Tagen stehen in der norwegischen Hauptstadt zwei weitere Einzelspringen.

Die finale Neuerung im Kalender ist schließlich der Stopp in Oberhof, das zuvor noch nie einen Damen-Weltcup ausgerichtet hat. Auf der Rennsteig-Schanze (HS100) finden am 12. und 13. März zwei Einzelspringen statt. Es ist zugleich auch der letzte Halt in Mitteleuropa, bevor es dann zur dritten Auflage der Blue-Bird-Tour nach Russland geht. Erste Station ist dort Nischni Tagil, wo somit gleich zwei Weltcup-Wochenenden im Saisonverlauf stattfinden werden. Das Finale gibt es dann in Tschaikowski, wo wiederum erstmalig zwei Mal auf der Großschanze gesprungen werden soll.

» Event-Übersicht: Weltcup-Saison der Damen 2021/2022

Es wird der Abschluss der umfangreichsten Weltcup-Saison überhaupt sein: Insgesamt sind 28 Einzel-, sowie ein Team- und zwei Mixed-Team-Springen geplant, von denen nach aktuellem Stand 13 auf Großschanzen angesetzt sind. Diese Zahl könnte sich jedoch durch die zwei noch zu vergebenden Springen noch auf 15 erhöhen. Im vergangenen Weltcup-Winter, der von zahlreichen Absagen geprägt war, fanden lediglich 13 Einzel- (davon drei auf Großschanzen), ein Mixed- und zwei Teamspringen statt.

Über Luis Holuch 220 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020 in Oberwiesenthal.

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