Favoritensterben am Bergisel

Vierschanzentournee: Kamil Stoch triumphiert in Innsbruck und übernimmt Gesamtführung

Foto: imago / GEPA

Favoritensterben am Bergisel: Während Granerud und Geiger im ersten Durchgang abstürzen, zieht Kamil Stoch an den Favoriten vorbei und übernimmt mit seinem ersten Saisonsieg die Gesamtführung der Vierschanzentournee.

Mit Sprüngen auf 127,5 und 130 Meter sicherte sich Kamil Stoch den Sieg beim dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck. Der Pole erzielte am berühmten Bergisel am Sonntag insgesamt 261,6 Punkte und setzte sich damit gegen den Slowenen Anze Lanisek durch, der auf 127,5 und 123,5 Meter (249,6 P.) kam. Den dritten Platz belegte Dawid Kubacki mit 126 und 127 Metern (248,3 P.).

Turbulent ging es schon im ersten Durchgang zu. Bei wechselhaften Bedingungen haben sich die beiden Top-Favoriten im Kampf um den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee enorm schwergetan: Halvor Egner Granerud und Karl Geiger haben ihre K.o.-Duelle zwar gewonnen, belegten zur Halbzeit aber nur die Plätze 29 bzw. 30.

Favoriten stürzen ab

Im Finale ging es für beide dann nur noch um Schadensbegrenzung. Granerud beendete den Wettkampf nach Sprüngen auf 116,5 und 127,5 Meter auf dem 15. Platz, Geiger folgte mit 117 und 128,5 Metern direkt dahinter auf Platz 16. Doch die Ambitionen vom Gesamtsieg sind Geschichte: Mit seinem ersten Saisonsieg übernimmt Kamil Stoch die Gesamtführung der Vierschanzentournee, 15,2 Punkte dahinter folgt sein Landsmann Dawid Kubacki.

Karl Geiger liegt nach dem dritten Wettbewerb 24,7 Punkte hinter Stoch und 4,1 Punkte hinter Granerud auf dem vierten Platz. „Das ist ziemlich ernüchternd, ziemlich bitter. Es ist ganz schön zäh, was hier heute abgegangen ist. Ich bin ziemlich gefrustet“, äußerte sich ein sichtlich enttäuschter Karl Geiger im Anschluss: „Das Ding ist durch.“

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Ähnlich äußerte sich der bisherige Gesamtführende Granerud. „Es fühlt sich wie Innsbruck an. Tut mir leid, das zu sagen, aber ich hatte hier noch nie einen guten Wettkampf“, sagte der 24-jährige Norweger.

Nur drei DSV-Skispringer im Finale

Bester deutscher Skispringer war Markus Eisenbichler, der mit 120,5 und 128,5 Metern hinter dem Polen Piotr Zyla (4.) und Yukiya Sato aus Japan (5.) den sechsten Platz belegt hat. „Ich wollte im zweiten Durchgang attackieren und habe das geschafft. Es war ein brutal harter Wettkampf, aber ich bin mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte der Siegsdorfer, der in der Tournee-Gesamtwertung nun an fünfter Stelle liegt.

Neben Geiger und Eisenbichler schaffte aus der deutschen Mannschaft einzig Martin Hamann den Sprung in den Finaldurchgang, belegte mit 130 und 124,5 Metern einen starken 13. Platz.

Horngacher: „Ich kann ihnen nicht böse sein“

Für den schwachen ersten Sprung von Karl Geiger hat Bundestrainer Stefan Horngacher einen technischen Fehler am Schanzentisch verantwortlich gemacht. „Der hat extrem viele Punkte gekostet. Aber nichtsdestotrotz haben sich die Jungs im zweiten Durchgang super zurückgekämpf“, erklärte Horngacher nach dem Wettkampf: „Die Jungs haben das Beste gegeben, was in ihnen steckt. Da kann ich ihnen nicht böse sein.“

Zwei Österreicher in den Top Ten

Mannschaftlich besser lief es für die Gastgeber: Sechs Österreicher haben am Bergisel gepunktet. Stefan Kraft (8.) und Michael Hayböck (9.) landeten unter den Top Ten, doch Österreichs Tournee-Hoffnung Philipp Aschenwald kam nicht über Platz 22 hinaus.

Mit Yukiya Sato (5.) und Ryoyu Kobayashi (7.) sind auch zwei Japaner sowie der Schweizer Gregor Deschwanden (10.) unter den Top Ten gelandet. Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer (32.) und Vierfach-Olympiasieger Simon Ammann (43.) waren in ihren K.o.-Duellen unterlegen und haben den zweiten Durchgang verpasst.

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Nach einem Ruhetag wird die Vierschanzentournee am Dienstag in Bischofshofen fortgesetzt. Dann stehen auf der Paul-Außerleitner-Schanze ab 14:15 Uhr zunächst die beiden Trainingsdurchgänge und ab 16:30 Uhr (alles live bei skispringen.com) die Qualifikation auf dem Programm.

Auch interessant: Die 68-jährige Geschichte der Vierschanzentournee hat viele schräge Anekdoten hervorgebracht. skispringen.com wirft einen Blick zurück – von betrunkenen Finnen, einem falschen Sieger, Schweizer Flossenhandschuhe, „Eddie the Eagle“ und einem Blackout zum Auftakt lesen Sie hier!

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Über Marco Ries 705 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

27 Kommentare

  1. Schade dass Markus Eisenbichler und Karl Geiger nicht mehr um den Sieg mitspringen. Ich finde es aber großartig, dass die beiden vorne dabei
    sind. Man sollte nicht vergessen, dass Karl Geiger aus der Quarantäne kam und gleich in Oberstdorf gewonnen hat.

    • Kamil stoch: 4 times olympic medalist/champion, 2 times vierchanzen tournament winner, 3 times world cup winner, multi world championship medalas winner, 39 world cup 1 st place, 74 times on podiums… Granerud? 6 world cup winner and nothing more.. really granerud want to compare with king Kamil?? In 21 st century number one was Malysz und Kamil and maybe Simon Amman . Granerud: your brain : ist instabilert

  2. Jan. Ich verfolge keine Politik. Ich bin großer Sportfan. Ich respektiere alle Sportler. Ich respektiere auch dich und deine Meinung. Ich kann aber nicht respektieren,das über deutsche Adler hier von manchen sogenannten polnischen Fans despektierlich geschrieben wird. Und was da zu lesen war nach dem Corona Tests in Oberstdorf, unfassbar: deutsche Verschwörung gegen Polen, Komplott usw.

  3. Alle Polen sollen sich freuen. Skispringen ist einzige Sportart, wo sie was gewinnen. Wo sind polnische Biathleten, Alpinen, Langläufer, Nordische Kombinierer? Und und und. Und Lewandowsky zweifelsohne Weltklasse Fussballer. Und wo hat er zu dem gereift, was er heute ist? Polnische Eishockey. Was ist das? Polnische Handball?

    • Nein, das ist nicht wahr. Wir gewinnen viel in Leichtathletik, Volleyball und anderen Disziplinen. Natürlich sind wir nicht so erfolgreich wie die Deutschen, aber bitte verfolgen Sie hier keine Politik. Grüße aus Polen. Übrigens: Sie würden nicht glauben, wie viele Fans Martin Schmitt in Polen hatte.

  4. An alle polnische Fans. Genießt den Sieg eures Kamils, ohne das ihr andere Springer beleidigt. Andere Nationen haben auch schon Erfolge gefeiert

  5. Nun laßt mal die Kirche im Dorf ( König Kamil ).
    Er hatte auch zweimal tolle Windbedingungen.
    Wäre Granerud im ersten Durchgang 1 Minute zeitiger gestartet, hätte er sicher auch einen tollen Sprung gezeigt und die Situation wäre eine ganz andere.Das hat auch Sven Hannawald so gesehen.
    Stoch ist sicher ein toller Springer, aber über 20 Punkte besser ist er ohne entsprechende Bedingungen nicht als andere gute Springer.

    • Stoch in der zweiten Runde hatte etwas schlechtere Bedingungen als Granerud (-6,6 Punkte Stoch und -7,1 Punkte Granerud), bekam aber immer noch eine um 7,5 Punkte bessere Note.

        • Und was war in der ersten Runde entscheidend? Granerud war der langsamste. Seine Anlaufsgeschwindigkeit betrug nur 86,1 km/h (Eisenbichler 86,5, Stoch 86,7, Geiger 87,6). Er war so gestresst, dass es die schlechteste Geschwindigkeit von allen gab. Eisenbichler hatte noch schwächeren Wind als Granerud und sprang 4 Meter weiter.

  6. Glückwunsch an Kamil Stoch zum souveränen Sieg in Innsbruck.
    Seine Formkurve steigt bei der Tournee wieder rechtzeitig nach oben, wie auch bei seinen Teamkollegen. Respekt!

    Nicht nur Geiger zeigt diesmal Nerven, sondern überraschend auch Granerud.
    Bei der Skiflug-WM waren die Beiden ja noch die űbberragenden Springer.

    Aber ist ja nicht zum ersten Mal bei der Tournee der Fall, daß der Weltcupführende bei der Tournee plötzlich nicht mehr ganz oben steht.

    Bei Geiger und Eisenbichler hab ich das Gefühl, sie setzten sich selber zu sehr unter Druck bei der Tournee.
    Da fehlt momentan einfach die Lockerheit und schon schleichen sich Fehler ein.
    Vielleicht läuft es in B’hofen wieder besser, der ganz große Druck dürfte weg sein. Man hat nichts mehr zu verlieren.

    • Das glaube ich nicht. Eisenbichler und Geiger sind ja jetzt nicht schlecht gesprungen, die Konkurrenz ist einfach besser geworden bzw endlich in Form gekommen. Zu Saisonbeginng hätte diese Leistung fürs Treppchen noch gereicht aber nun eben nicht mehr. Man kann von den Springern nicht mehr erwarten als sie leisten können und man kann auch von Eisenbichler nicht erwarten, dass er immer wieder einen Glückssprung erwischt. Auch Granerud ist nicht der Überflieger, auch er hat sehr von der zu Beginn schwachen Konkurrenz profitiert.

      • Du hast schon mitbekommen, daß heute Geiger und Granerud jeweils ihre ersten Sprünge verhauen haben.
        Ihre Sprünge im 2.Durchgang haben dann schon eher ihr eigentliches Leistungsniveau wiedergespiegelt.Ganz ähnlich bei Eisenbichler.

        Natürlich wird kein Springer die gesamte Saison über konstant Top-Sprünge abliefern, daß ist doch ganz normal. Gewisse Formschwankungen haben alle Springer.
        Skispringen ist sicherlich auch Kopfsache. Wenn man es besonders gut machen will, geht’s manchmal schief. Wie im wahren Leben auch.

  7. Einfach ein toller Wettkampf. Großes Kompliment den sympathischen polnischen Top – Springern, voran Kamil Stoch. Besser geht es nicht. Unsympathischen deutschen Springer, kein Vergleich!!! Kompliment an Werner Schuster für den super Kommentar, hier zeigt sich die fachliche Kompetenz im Gegensatz zum Beisitzer Herrn Langer,einfach eine Katastrophe, was die Kommentare betrifft!!!

    • Weiß jetzt nicht warum deutsche Springer unsympathisch sind.
      Was soll der Blödsinn.
      Unsympatisch und respektlos sind eher solche Kommentare.
      Nimm dir ein Beispiel an den Sportlern, die gehen alle fair und respektvoll miteinander um.

    • Faszinierend traurig, wie lässig (wissend) die Sofaspezialisten in den Foren des Internets ihre Urteile fällen. Egal ob es (angebliche) Charakter- oder Mentaleigenschaften von Sportlern oder Trainingskompetenzen von Trainern betrifft (oder welches Tun irgendwelcher anderen Personen auch immer). Die Menschen auf dem Sofa wissen natürlich immer ganz genau, wie es eigentlich zu gehen hat oder was gerade …..

      Dass unterschiedliche Ergebnisse das normalste der Welt und absolut wünschenswert sind ( jeder Teilnehmer will siegen, alle Zuschauer wollen Spannung), wird völlig missachtet und Mitwirkende werden nicht als Menschen respektiert.

      Das Übelste aber sind die missachtenden, beleidigenden Urteile aus der Ferne über die Menschen/Sportler xy, ihren (angeblichen) Charakter ect.
      Seltsam, dass mancher nicht merkt, dass er damit nur den eigenen miesen Charakter offenbart.

  8. Stoch beweist mal wieder das er der beste Springer ist, ganz stark! Hätte mir mehr von unserem Karl erhofft. Leider wie sonst auch immer muffensausen wenns um die 4hills geht 🙁

    • ist er das? sein erster Saisonsieg in Innsbruck. als Stoch-Fan freue ich mich herzlich, er war heute gut und wir Polen hatten heut das nötige Glück. wo geht das Glück in B-Hofen hin? was ich nicht, die Beständigen waren bisher Granerud und Geiger (beide gerade Weltmeister und Vize geworden)… ich wünsche Kamil den 3. Tourneesieg, es bleibt aber zuerst nur beim Wünschen, das Wettbewerb kommt erst

      • Stoch braucht immer etwas Anlauf in die Saison, wie auch die anderen. So scheint es zumindest. Die deutschen, allen voran Geiger & Eisenbichler, hatten einen extrem guten Start in die Saison was aber vorrangig an der schlechten Form der anderen Springer lag und auch dem Windglück. Auch Granerud lässt nach während die Polen jetzt erst in Fahrt kommen. Ich denke ein Pole wird die Tournee gewinnen außer Granerud packt 2 Hämmer aus. Und nach der Tournee wird man von Granerud wohl nicht mehr viel sehen, da auch er von der schlechten Form der anderen Springer profitiert hat.

      • Bemerkenswert, wie Kamil Stoch darum bat, den König bei der Anrede „König Kamil“ wegzulassen. Das zeigt wieder mal, dass sich die aktiven Sportler in Punkto Respekt, Fairness und Einstellung völlig anders benehmen als etliche der „Sofasportler“/„Pseudofans“.

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