Turbulentes Finale

Vor Karl Geiger: Marius Lindvik siegt in Willingen

Marius Lindvik holt sich den Sieg beim zweiten Weltcupspringen in Willingen. In einem turbulenten Finale behält Karl Geiger die Nerven und wird starker Zweiter. Markus Eisenbichler schäumt hingegen vor Wut.

Zufriedene Gesichter auf dem Podium am Ende eines langen Skisprung-Wochenendes in Willingen: Marius Lindvik sicherte sich mit 140 und 144,5 Metern und 243,8 Punkten den Tageserfolg. Karl Geiger wurde mit 139,5 und 140 Metern und 238,7 Punkten Zweiter und holte sich damit die Gesamtweltcupführung zurück. Rang drei ging an Cene Prevc, der nach 148 Metern im ersten Durchgang noch geführt hatte, dann aber mit 133,5 Metern und einer Punktzahl von 235,6 Punkten Lindvik und Geiger passieren lassen musste.

„Ich wusste, dass ich die Chance hatte, nach dem ersten Sprung noch ein paar Plätze gutzumachen. Der Wind war da und ich konnte ihn gut nutzen, damit bin ich sehr zufrieden“, sagte Lindvik nach dem Springen. Ins gleiche Horn stimmte auch Geiger ein: „Heute war echt ein cooler Wettkampf, heute habe ich nochmal zwei gute Sprünge gezeigt, damit bin ich sehr zufrieden.“ Sein Kontrahent im Gesamweltcup, Ryoyu Kobayashi, setzte im Finale mit der Tagesbestweite von 152 Metern zu einer Aufholjagd an und wurde nur 1,1 Punkte hinter Prevc Vierter. Sein Landsmann Daiki Ito wurde guter Achter, vor den beiden Slowenen Timi Zajc und Lovro Kos, die die Top Ten komplettierten.

Erleichterung bei Kraft

Ähnliches wie Kobayashi gelang Stefan Kraft, der mit 149 Metern ebenfalls acht Plätze nach vorne kletterte und als Sechster bester Österreicher wurde. „Der Sprung hat echt gut getan. Jedes Jahr war es ein Kampf mit der Schanze, ich habe mich immer schwergetan. Das hat sehr viel Spaß gemacht“, sagte Kraft im ‚ZDF‘ erleichtert. Sein Teamkollege Thomas Lackner schaffte es als Siebter ebenfalls in die Top Ten und das erst zum zweiten Mal in seiner Laufbahn. Markus Müller bestätigte sein gestriges Ergebnis mit Platz 13, wohingegen Daniel Huber aufgrund ungünstiger Bedingungen elf Positionen zurückfiel und 19. wurde.

Frust bei Eisenbichler und Schmid

Markus Eisenbichler hatte nach 144 Metern im ersten Durchgang als Dritter eine gute Ausgangsposition, stürzte jedoch dann mit 115,5 Metern ab und rutschte so auf Rang zwölf zurück. „Es kotzt mich an, dass man einfach nicht warten kann. Ich verstehe es einfach nicht, es ist doch straffer Aufwind da. Aber da schicken sie Ito und mich mit minus zehn Punkten runter und da haben wir keine Chance“, schäumte der Siegsdorfer im Anschluss im ‚ZDF‘-Interview. Stephan Leyhe belegte auf seiner Heimschanze Position 17. Andreas Wellinger sammelte als 23. ein Dutzend Weltcuppunkte. Ähnlich wie Leyhe konnte auch Severin Freund an das Ergebnis vom Samstag anknüpfen und wurde 25..

Keinen zweiten Durchgang gab es bereits zum vierten Mal in Folge für Olympia-Starter Pius Paschke, der nicht über Platz 33 hinauskam. Auch Constantin Schmid schied als 46. aus, hatte jedoch großes Pech, als ihn kurz nach dem Verlassen des Schanzentischs eine heftige Böe von der Seite erwischte und er stark in den Sprung eingreifen musste. „Ich kann es mir gar nicht richtig erklären und hoffe einfach nur, dass es der Wind war. Ich bin richtig wütend, das hätte nicht sein müssen“, sagte Schmid im ‚ZDF‘. Eine Schrecksekunde gab es im Finale auch beim Italiener Giovanni Bresadola, der bei der Ausfahrt die Balance verlor und hinfiel, sich jedoch nichts tat.

Hulas Sturz endet glimpflich

Stefan Hula, der gestern noch wegen seines neuen Schuh-Fabrikats disqualifiziert wurde, legte bei seinem Sprung auf 125 Meter eine wahrhafte Bauchlandung hin. Der polnische Routinier kippte vorne über und landete auf dem Schlüsselbein, trug jedoch keine Blessuren davon. Auch seine Teamkollegen erwischten einen gebrauchten Tag: Kamil Stoch (34.), Piotr Zyla (41.) und Pawel Wasek (43.) landeten zwar vor ihm, schieden jedoch ebenfalls vorzeitig aus. Einzig Dawid Kubacki schaffte es ins Finale, fiel jedoch von Platz zehn nach dem ersten Durchgang noch auf die 14 zurück.

Im Gesamtweltcup zog Karl Geiger wieder an Ryoyu Kobayashi vorbei und führt nun hauchzart mit 1189 zu 1186 Punkten. Halvor Egner Granerud ist mit 910 Punkten Dritter. Der Weltcup der Skispringer macht nun eine einmonatige Pause. Stattdessen stehen nun vom 4. bis 20. Februar die Olympischen Spiele in Peking an. Die erste von vier Entscheidungen mit Herren-Beteiligung fällt am 6. Februar auf der Normalschanze (alles live bei skispringen.com).

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Über Luis Holuch 326 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

12 Kommentare

  1. Wenn Freund nen Top Sprung erwischt ist das Top 10 Niveau… wenn er keinen Top Sprung macht immernoch locker Top 30(sieht bei Andi aktuell nich etwas anders aus… Paschke muss ich richtig richtig strecken aktuell für die Top 30… ich hätte in lieber nochmal ins Training geschickt als dauerhaft im Wettkampf entäuscht zu werden

  2. Danke an Luis, der hier aktuell alle Interessierten mit vielen und präzisen Informationen versorgt hat.
    Das war besonders an diesem Wochenende schon ein wenig „Fließbandarbeit“.

    Weiter so!

  3. Und was bleibt von heutigen Tag zurück?
    Wenn man gewürfelt hätte um den Sieg, wäre es weniger gefährlich gewesen. Und macht hätte ähnlich viel Glück gebraucht.
    Lindvik hat aber bewiesen, dass er auch bei solchen Bedingungen tolle Leistungen zeigen kann. Er hat sich endgültig zum Olympiafavoriten gemacht. Da er zur Zeit von allen unabhängig von der Schanze oder den Bedingungen die konstanteste Leistung zeigt. Alle anderen müssen darauf hoffen, dass die Schanzen ihn China zu ihnen passen und das die Bedingungen zu ihrem Stil passen.

  4. Liebe Greta Rettich, ich finde die Zusammenfassung von Luis Holuch klasse!!! Bitte stören Sie sich nicht an der Redewendung „gebrauchter Tag“, sie gehört schon längst mindestens zum Reporter-Deutsch. 😀
    Und es stimmt ja auch, dass es für die polnischen Skispringer ein gebrauchter Tag war. Bestimmt leide nicht nur ich mit denen mit.

    • Da gebe ich dir recht
      Mit der ausnahme von dawid mit abstrichen (1. Sprung war sehr gut) war das wirklich gebraucht
      Luis macht seine Sache sehr gut

  5. Mir wäre es recht, wenn die Floskel vom ‚gebrauchten Tag‘ mal im Recycling geschreddert wird. Dauerbenutzer Hannawald soll sich etwas Neues ausdenken. Sprachmüll ist, im Gegensatz zu so manchem wertvollen Second-Hand-Gegenstand absolut verzichtbar.

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