Herzschlagfinale im ersten Bewerb

Vor Katharina Althaus: Ursa Bogataj gewinnt Olympia-Gold in Peking

Foto: imago / GEPA

Ursa Bogataj heißt die dritte Olympiasiegerin der Skisprung-Geschichte. Die Slowenin sichert sich vor Katharina Althaus Gold, die nach dem ersten Durchgang noch in Führung lag. Ganz reibungslos verlief der Wettkampf jedoch nicht.

Drama pur bei der ersten Olympia-Entscheidung im Skispringen! Nachdem Katharina Althaus nach dem ersten Durchgang in Peking noch führte, musste sich die Oberstdorferin am Ende Ursa Bogataj geschlagen geben. Die Slowenin, sicherte sich mit dem Schanzenrekord von 108 und 100 Metern und 239 Punkten die Goldmedaille. Wie Carina Vogt bei der Premiere in Sotschi 2014 hatte sie bis dato noch keinen Weltcupsieg auf ihrem Konto. Althaus kam auf 105,5 und 94 Meter und 236,8 Punkte und holte wie schon in Pyeongchang 2018 Silber, 2,2 Punkte hinter Bogataj. Deren Teamkollegin Nika Kriznar sicherte sich mit 103 und 99,5 Metern und 232 Punkten Bronze.

„Ich habe das nicht erwartet. Die letzten Olympischen Spiele waren ein kleiner Albtraum für mich, aber ich heute konnte ich gar nicht glauben, wie gut es für mich lief. Es waren zwei gute Sprünge und das war genug. Vielleicht hatte ich heute auch das nötige Glück, aber der Druck war auch hoch. Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte Bogataj nach ihrem größten Karriereerfolg, den sie sich mit zwei blitzsauberen Sprüngen erarbeitet hatte. Auch die beiden weiteren Sloweninnen Ema Klinec und Spela Rogelj sprangen als Fünfte und Neunte unter die besten Zehn und bestätigten damit ihre Trainingsleistungen. Für alle vier waren es die besten Olympia-Ergebnisse ihrer Karriere.

Wettkampf leidet unter Windbedingungen

“Es war wahnsinnig da oben. Ich war auch ziemlich nervös, aber ich wusste, dass ich es kann. Ich freue mich mega, dass ich hier eine Medaille gewonnen habe. Das war nicht der einfachste Wettkampf, aber ich habe zwei sehr gute Sprünge gemacht“, analysierte Althaus bei ‚Eurosport‘ ihren Erfolg. In der ‚ARD‘ hob sie zudem hervor: „Mein alter Cheftrainer hat immer gesagt: ‚Medaillen verliert man nicht, die gewinnt man.‘ Das habe ich heute geschafft.“

Sara Takanashi wurde unglückliche Vierte und das, obwohl sie mit 100 Metern im zweiten Durchgang nochmal attackierte. Eben jener zweite Durchgang war vom Kampf mit den Bedingungen geprägt. Denn nach einem leichten Aufwind, der weite Teile des ersten Durchgangs vorherrschte, erhielten die Springerinnen im Finale kaum mehr Windunterstützung. Die Jury reagierte darauf jedoch nicht entsprechend, indem sie den Anlauf anpasste oder in einigen Situationen ausreichend lange wartete.

Gebeutelte Österreicherinnen im Mittelfeld

Zu den Gewinnerinnen des zähen Finales durfte sich Silje Opseth zählen, die Norwegerin konnte noch sechs Positionen gutmachen und wurde Sechste vor Irina Avvakumova vom Russischen Olympischen Komitee. Ihre Teamkollegin Irma Makhinia sorgte mit Platz zehn für eine Überraschung. Beste der gebeutelten Österreicherinnen wurde Lisa Eder als Achte. Sie hatte den ersten Trainingstag noch verpasst, nachdem sie für die positiv getestete Top-Favoritin Marita Kramer nachgerückt war. Eder und Makhinia konnten sogar sieben Plätze aufholen. Daniela Iraschko-Stolz, die sichtlich unter ihrem schmerzenden Knie litt, wurde hintet der Französin Josephine Pagnier Zwölfte.

Eva Pinkelnig wurde schlussendlich 20. und landete damit hinter der zweitbesten Deutschen, Juliane Seyfarth. Selina Freitag zeigte einen guten zweiten Sprung und kämpfte sich so um sechs Plätze nach vorne und wurde 22.. Pauline Heßler belegte hinter der besten Kanadierin Abigail Strate Position 24. Frida Westman aus Schweden war in beiden Durchgängen nicht vom Windglück gesegnet und hatte zudem vor ihrem erste Sprung ein Problem mit ihrer Brille. Diesen Widrigkeiten zum Trotz erkämpfte sie sich den 16. Platz. Ebenfalls ein neues bestes Olympia-Ergebnis für ihr Land holten die Rumänin Daniela Haralambie und die Tschechin Karolina Indrackova mit Rang 25 und 28. Größte Leidtragende des turbulenten Finals war Thea Minyan Bjoerseth aus Norwegen, die um satte 15 Plätze von Platz sechs auf 21 abstürzte.

Großes Pech für Sophie Sorschag

Einen denkbar unglücklichen Tag erlebte Sophie Sorschag. Die für Jacqueline Seifriedsberger nachnominierte Kärtnerin absolvierte im Probedurchgang vor dem Wettkampf ihren ersten Sprung auf der Olympiaschanze überhaupt – und das mit 96 Metern sehr solide. Im Wettkampf erwischte sie dann ein schlechtes Windfenster und kam so nur auf 73,5 Meter und 61,6 Punkte. Ob diese zumindest für den zweiten Durchgang gereicht hätten wurde dann nicht mehr relevant, da sie nach dem Sprung disqualifiziert wurde. Der Grund: Sie hatte provisorisch die bei Olympia untersagten Sponsorensticker mittels Klebebänder abgeklebt, was jedoch ebenfalls nicht erlaubt ist.

Auch die Kanadierin Alexandria Loutitt wurde aus der Wertung genommen, da sie für ihre gesprungene Skilänge zu leicht war. Nicht im Finale war somit zunächst Bing Dong aus China, die als 31. die Beste des Gastgeberlandes wurde, Qingyue Peng wurde 38.. Jenny Rautionaho (Finnland), Klara Ulrichova (Tschechien) und Julia Clair (Frankreich) landeten auf den Positionen 32, 33 und 34. Kinga Rajda erzielte als 35. das beste polnische Olympia-Ergebnis einer Skispringerin erzielte, dicht gefolgt von Teamkollegin Nicole Konderla auf Rang 36. Die einzige US-Amerikanerin Anna Hoffmann belegte Rang 37.

» Event-Übersicht: Zeitplan & Infos zu den Olympischen Winterspielen in Peking (Damen)

Die zweite Olympia-Entscheidung mit Beteiligung der Skispringerinnen ist das Mixed-Teamspringen, das am Montag um 12:45 Uhr steigt. Eine Stunde zuvor um 11:45 Uhr (beides MEZ / alles live bei skispringen.com) findet noch ein Probedurchgang statt.

Über Luis Holuch 307 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

13 Kommentare

  1. Ich finde Unterstellungen hinsichtlich der Sprungfreigabe durch den Sprungleiter unangemessen. Ja, die Bedinungen wären etwas später besser gewesen. Aber konnte das der Sprungleiter wissen? Nein. Und so schnell wie sich die Windbedingungen änderten, konnten sie sich auch noch während des Anlaufs ändern. Hätte er gewartet, und die Bedingungen hätten sich bis zum Absprung verschlechtert, würde man sagen, hätte er früher freigegeben… Und bei jeder Sportart, wo das Wetter eine Rolle spielt, gehört um die vorderen Plätze zu erreichen Können, und für ganz vorne auch Glück. Und bei keiner der Medaillengewinnerinnen käme man auf den Gedanken, dass sie diese unverdient errungen hätten. Deshalb sollte man auch allen von ganzem Herzen ihren Erfolg gönnen. Herzlichen Glückwunsch an alle erfolgreichen Athletinnen!

  2. Wäre besser gewesen erst mal die Ergebnisliste von “ Olympia 2018 Normalschanze Herren“ anzuschauen, dann hätte sich so ein Stuss zu schreiben erübrigt!!!
    So etwas wie heute darf bei einem solchen Event nicht passieren!
    Im ersten Durchgang wurde doch auch die Zeit, zumindest bei den Top 15 genommen, damit die Verhältnisse einigermaßen gleich sind.
    Im zweiten dann nicht einmal mehr bei den Top 5 !
    Riecht für mich nach „Betrug“!!

    • Vollkommen richtig…
      Zweimal an der absoluten Grenze des Korridors und das direkt innerhalb von zwei Springerinnen und dann noch den letzten!
      Die Jury hätte warten sollen und für einen sportlich fairen Wettbewerb sogar müssen!

  3. Tja,da braucht sich jetzt keiner aufregen. Ich sag‘ nur Olympia 2018 Normalschanze Herren,da wurde den Polen auch jede Chance genommen…also sollten die Deutschen ganz ruhig sein….

    • Unsinnige Legendenbildung. Die Olympischen Wettbewerbsverantwortlichen werden auch in diesem Jahr viel weniger Rücksicht auf polnische Springerstars nehmen, als das in den Jurys der FIS üblich ist. Die Spiele sind eben für alle da, nicht nur für die, die am lautesten krakeelen.

      Glückwunsch für Katharina Althaus! Nicht zuletzt dafür, dass sie vom Virus verschont geblieben ist… Mit Marita Kramer wäre das Springen anders ausgegangen.

  4. Herzschlagfinale, am Ende etwas Pech für Althaus, nach Glück im 1. Durchgang. Am Ende freut es mich sehr für die Sloweninnen und speziell Burgataj, die schon einige Verletzungen in ihrer Karriere hatte. Mal sehen, wer im Mixed starten wird, vielleicht gibt es ja eine Wiederholung von Obersdorf, wo ja auch niemand das deutsche Team so richtig auf dem Zettel hatte, weil die 2. Frau vermeintlich zu schwach, und dann zeigt eben Jene (letztes Jahr Anna Rupprecht) plötzlich ihre besten Sprünge des Winters…
    Der Grund für Schorschags Qualifikation ist aber auch eine echte Lachnummer…wobei zählt bestimmt als „Tuning“

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