Eklat in Norwegen

Alexander Stöckl vor dem Aus? Norwegische Skispringer kritisieren Cheftrainer

Foto: imago / GEPA

Steht Alexander Stöckl vor dem Aus bei den norwegischen Skispringern? Die Athleten bestätigen, ihren Cheftrainer in einem Brief kritisiert zu haben. Der Verband soll Stöckl bereits zum Rücktritt aufgefordert haben.

Trotz des Siegs von Johann Andre Forfang in Willingen und einem weiteren Podestplatz von Marius Lindvik in Lake Placid steht Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl möglicherweise vor seinem Aus. Wie bereits am Mittwoch der öffentlich-rechtliche Rundfunk ‚NRK‘ sowie die Zeitungen ‚Dagbladet‘ und ‚Verdens Gang‘ übereinstimmend berichtet haben, sollen Athleten des A- sowie des B-Teams sich in einem Brief über den Cheftrainer aus Österreich beschwert haben.

Athletensprecher Johann Andre Forfang bestätigte die Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft. „Hier geht es nicht um Ergebnisse. Es geht darum, dass wir der Meinung sind, dass dies nicht bis zum Frühjahr warten kann, da wir eine neue Mannschaft für die Saison zusammenstellen wollen“, erklärte Forfang gegenüber ‚Dagbladet‘. In dem Brief soll demnach vor allem die menschliche Führung des langjährigen Cheftrainers kritisiert worden sein.

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Unabhängig vom A-Team hätten weitere Athleten des B-Teams im Continentalcup sich in einem Beschwerdebrief an den Verband geäußert. „Wir Athleten bitten darum, dass das intern geregelt wird und wir uns darauf konzentrieren können, die Saison gut zu beenden“, ergänzte Forfang.

Medien: Stöckl will Posten behalten

Wie ‚NRK‘ nun berichtet, soll Stöckl vom Verband bereits zum Rücktritt aufgefordert worden sein, doch die Verhandlungen über eine mögliche Abfindung für den 50-Jährigen hätten zu keinem Ergebnis geführt. Der Österreicher selbst bestätigte bislang nur, nicht nur vom Brief, sondern speziell der Dringlichkeit, die seine Athleten darin formuliert hätten, überrascht worden zu sein: „Das ist für mich vollkommen unverständlich.“

Schon auf das zurückliegende Wochenende in Lake Placid sowie das anstehende im japanischen Sapporo hatte Stöckl verzichtet, verantwortlich für die Athleten war stattdessen Asssitenztrainer Magnus Brevig. „Das Wichtigste für mich ist, mit den Athleten zu sprechen, wenn sie aus Japan zurückkommen, um Klarheit in der Sache zu bekommen“, sagte Stöckl, der nach aktuellem Stand plant, beim Skifliegen in Oberstdorf wieder auf dem Trainerturm zu stehen.

Nächste Krise in Norwegen

Die norwegischen Skispringer um den letztjährigen Gesamtweltcup-Sieger Halvor Egner Granerud sind in diesem Winter deutlich hinter den Erwartungen geblieben, haben zuletzt aber eine aufsteigende Formkurve verzeichnet.

Doch schon länger befindet sich das norwegische Skispringen in Turbulenzen: Zuletzt hatte vor allem die schwierige Finanzierung und ein Machtkampf innerhalb des norwegischen Verbandes für Schlagzeilen gesorgt. Mitte Januar hat dann der überraschende Rücktritt von Sportdirektor Clas Brede Brathen nach mehr als 20 Jahren Amtszeit für Aufregung gesorgt.

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Das Ende der Ära Stöckl käme ebenso überraschend: Der Österreicher hat das Amt schon 2011 als Nachfolger des langjährigen Erfolgscoaches Mika Kojonkoski übernommen und schnell seinen Lebensmittelpunkt von Österreich nach Norwegen verlegt. Unter seiner Leitung haben die norwegischen Skispringer in den vergangenen 13 Jahren zahlreiche Erfolge gefeiert – zuletzt etwa den Vierschanzentournee- und Gesamtweltcup-Sieg durch Halvor Egner Granerud.

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Über Marco Ries 867 Artikel
Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist und Autor (u.a. das Buch „Unnützes Skisprungwissen“).

4 Kommentare

  1. Hallo, ich bin auch Sportler und hatten manchmal auch mit dem Trainer Stress, das haben wir dann mit dem Trainer intern geregelt. Sowas hinterhältiges was die Skispringer gemacht haben ist nicht in Ordnung. Warum spreche ich nicht den Trainer direkt an mit seinem Team. Solange wie es gut gelaufen ist war alles gut und immer wenn die Sportler die Leistung nicht bringen ist es der Trainer. Die Sportler sollten sich an die eigene Nase fassen. Ich bin enttäuscht das Mann so ein Weg gegangen ist und schade für den guten Ruf von Herr Stöckl. Haben die Sportler und der Verband an die Kinder und die Frau von Herr Stöckl gedacht die in die Schule gehen und in Nowegen wohnen. Dass wäre meine Frage.

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