Raw Air macht ihrem Namen alle Ehre

Daniela Iraschko-Stolz gewinnt denkwürdiges Springen am Holmenkollen

Daniela Iraschko-Stolz heißt die erste Siegerin in einem „Raw Air“-Wettkampf bei den Damen. Zwei Deutsche stehen beim dritten Saisonsieg der Österreicherin auf dem Podium. Sorgen gibt es jedoch um eine Dritte.

Im ersten Wettkampf der Geschichte der Skispringerinnen im Rahmen der „Raw Air“-Tournee feierte Daniela Iraschko-Stolz ihren dritten Saisonsieg. Mit Sprüngen auf 120 und 121 Metern war die Österreicherin in beiden Durchgängen die Beste und fuhr mit 209 Punkten ihren 16. Weltcupsieg ein. Den zweiten Platz sicherte sich Juliane Seyfarth (114,5 und 121 m; 194,3 P.), die nach dem ersten Sprung noch Achte war. Auch der dritte Platz ging an eine DSV-Springerin: Katharina Althaus fuhr mit 111,5 und 119,5 Metern nur einen Punkt weniger (193,3) als Seyfarth ein und schaffte es so noch von Rang neun aufs Podium.

Nur 1,2 Punkte fehlten Sara Takanashi auf Platz vier zu eben jenem dritten Platz. Fast unbemerkt, schließlich aber dann von Joakim Aune via Instagram aufgedeckt, unterlief der fünftplatzierten Maren Lundby eine Materialpanne. Wie ein Foto ihres Landsmanns zeigte, war das Teil der Bindung am vorderen Fußende während ihres ersten Sprunges offen. So stand der Hebel am sogenannten Bindungskopf senkrecht nach oben; ein Fauxpas, der in ungünstigen Fällen auch zu Stürzen führen kann.

Sorge um Straub

Der Sonntag am Holmenkollen begann schön: Die Sonne schien, der Wind wehte zwar, war aber berechenbar und doch ist die Stimmung am Ende äußerst gedämpft. Das Ergebnis wurde angesichts des Sturzes von Ramona Straub zur Nebensache. Die Schwarzwälderin lag nach dem ersten Sprung auf Platz zwei und mit drei Punkten Rückstand auf Iraschko-Stolz noch in Schlagdistanz zu Platz eins. Auch ihr zweiter Sprung glückte mit einer Weite von 118,5 Metern, doch dann verlor sie bei der Landung das Gleichgewicht und fiel auf den Aufsprunghang.

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Die Bindungen ihrer Ski lösten nicht aus, sodass sie von Helfern und Sanitätern daraus befreit werden musste. Diese stützten sie auch beim Gang aus der Auslaufzone, nachdem ihr Bein zuvor unnormal abstand. Ihr siebter Rang ist angesichts der Ungewissheit über ihren Gesundheitszustand eine Randnotiz. Die Schwarzwälderin fliegt am Montag nach München, wo weitere Untersuchungen Aufschluss über mögliche Verletzungen geben sollen. Ebenso wie auch die Plätze acht, neun und zehn von Nika Kriznar, Anna Odine Stroem und Yuki Ito.

Jury greift mit Anlaufwahl daneben

Es war ein äußerst zäher Beginn des Wettkampfs an diesem so legendären Ort. Ein wesentlicher Grund war die kurze Anlauflänge, da nur aus Gate 23 gestartet wurde. Anlass für diese Wahl waren wohl die 137 Meter, die Maren Lundby im Probedurchgang gar aus Gate 22 gesprungen war. Diese sprang sie jedoch bei 1,5 und nicht bei 0,3 Meter Aufwind im Schnitt oder gar Rückenwind, wie im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs. Und so dauerte es bis zur zwölften Springerin, Julia Kykkänen, ehe der erste Sprung über 100 Meter zu sehen war. Die Finnin fiel im Finale von Platz 15 auf 22 zurück.

Negativer Höhepunkt waren dabei die 65 Meter von Ingebjoerg Saglien Braaten, die zwar erst zum zweiten Mal am Holmenkollen sprang, aber schon beim Saisonauftakt in Lillehammer bewies, dass sie auf Großschanzen gut zurechtkommt. Am Ende reichten der Japanerin Shihori Oi 89 Meter, um das Finale der besten 30 zu erreichen. Sie wurde schlussendlich sogar noch 28. und holte erstmals in ihrer Karriere Weltcuppunkte. Gleiches gelang der Tschechin Stepanka Ptackova mit Platz 25.

Aus dem deutschen Team blieb Anna Rupprecht, Svenja Würth und Carina Vogt im ersten Durchgang ebenfalls ein Sprung über 100 Meter verwehrt. Rupprecht, nach dem ersten Durchgang mit Rang 21 noch die beste des Trios, fiel auf Rang 24 zurück, Svenja Würth konnte einen Platz gutmachen und wurde 26.. Carina Vogt sprang mit reichlich Wut im Bauch deutlich besser und kämpfte sich dank 112,5 Meter von Platz 28 auf 18 vor. Umgekehrt diesem Verlauf fiel Eva Pinkelnig noch von Rang sechs auf elf zurück und wurde hinter Chiara Hölzl (Sechste) drittbeste Österreicherin. Lara Malsiner holte als einzige Italienerin Punkte, sie wurde 20.. Elena Runggaldier schied mit Platz 36 im ersten Durchgang aus.

Spannung pur in der Raw Air-Wertung

Die Situation in der „Raw Air“-Wertung hat schon nach den ersten drei der im besten Falle neun Sprünge zugespitzt: Daniela Iraschko-Stolz führt mit 321,3 Punkten und hat damit nur 0,1 Punkte mehr als Maren Lundby (321,2). Den dritten Platz belegt Katharina Althaus mit 319,4 Punkten vor Juliane Seyfarth mit 314,3 Punkten. Somit liegen die ersten vier innerhalb von sieben Punkten und damit nicht einmal vier Metern.

An der klaren Führung Lundbys im Gesamtweltcup ändert das heutige Ergebnis jedoch nichts. 1413 Punkte hat sie gesammelt, Althaus auf Platz zwei nun 1133. Seyfarth rückt dank des zweiten Platzes und 80 Weltcuppunkten (946 nun insgesamt) auf 20 Zähler an Sara Takanashi (966) heran.

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Schon heute Nachmittag reisen die Skispringerinnen weiter zur nächsten Station der „Raw Air“: Lillehammer. Auf der Lysgards-Großschanze stehen am Montag das offizielle Training um 18:50 Uhr und die Qualifikation um 20:30 Uhr (alles live bei skispringen.com) auf dem Programm.

Über Luis Holuch 71 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig.

1 Kommentar

  1. Sie ist immer noch einer der besten Skispringerinnen aller Zeiten (die Siege vor der Einführung des Damenweltcups miteinberechnet) und einer der wichtigsten Pionierinnen in diesem Sport.

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