Neue Regeln: Das ändert sich in diesem Sommer

Die FIS plant eine kleine Revolution im Skispringen: Vor der Olympia-Saison 2017/2018 testet der Weltskiverband im Rahmen des Sommer-Grand-Prix ein neues Regelwerk. skispringen.com nimmt die Neuerungen unter die Lupe.

Wenige Wochen bevor die weltbesten Skispringer bereits zum 24. Mal in den internationalen Sommer-Grand-Prix starten und sich im polnischen Wisla zum ersten Kräftemessen vor der näherrückenden Olympia-Saison 2017/2018 treffen, beschloss der Internationale Skiverband (FIS) einige Regeländerungen.

Die größte Änderung im Regelwerk betrifft die Qualifikationsdurchgänge im Vorfeld der Einzel-Wettbewerbe. Im Rahmen ihrer Sitzung im slowenischen Portoroz entschied die FIS, die Qualifikation für alle Athleten verpflichtend einzuführen – soll heißen: keine vorqualifizierten Athleten mehr, auch die Top Ten der Gesamtwertung müssen sich dem Ausscheidungsdurchgang stellen.

Wind- und Gate-Regeln machen Änderungen möglich

Offiziell nennt die FIS die Wind- und Gate-Kompensationsregelungen, die seit 2009 im Weltcup Anwendung finden, als Grund für die Regeländerung. Weil man inzwischen auf wechselhafte Bedingungen mit einer Veränderung der Anlauflänge reagieren kann, ist das Zeitfenster eines Qualifikationsdurchgangs planbarer geworden. „Als die Qualifikation eingeführt wurde, musste noch ein kompletter Durchgang für alle Athleten aus der gleichen Startluke begonnen werden“, erklärte Renndirektor Walter Hofer in einem FIS-Interview.

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Ein weiterer Grund: Schon seit einiger Zeit gibt es das Bestreben seitens der Offiziellen, die Qualifikation auch im Sinne der übertragenden Fernsehsender aus sportlicher Hinsicht aufzuwerten. Einige Veranstalter haben mittels Sponsorengelder bereits ein Extra-Preisgeld für den Qualifikationssieger umgesetzt, die besten Skispringer der Welt haben sich in den vergangenen Jahren aber immer wieder entschieden, lieber Kräfte zu sparen als am Qualifikationsdurchgang teilzunehmen.

Vierschanzentournee: Keine hochkarätigen K.o.-Duelle mehr?

Lediglich im Rahmen von Raw Air, dem norwegischen Pendant zur Vierschanzentournee, hatte die Qualifikation für die Top-Athleten einen sportlichen Wert – weil auch diese Sprünge in die Gesamtwertung einfließen.

Eine Revolution würde diese Regeländerung bei der Vierschanzentournee bedeuten: Vorbei wären die Zeiten, als die besten Athleten auf die Ausscheidung verzichteten und damit hochkarätige K.o.-Duelle im ersten Wertungsdurchgang – beispielsweise Tournee-Gesamtführender gegen Quali-Sieger – die Folge waren.

Endgültige Entscheidung im Herbst

Noch bleibt abzuwarten, ob die Änderungen, die des Weiteren auch kleine Neuerungen im Materialsektor umfassen, auch in der Wintersaison Anwendung finden.

» Alle Termine im Überblick: Weltcup-Kalender 2017/2018 (Herren)

Vorerst handelt es sich um einer Testphase im Rahmen der Sommer-Grand-Prix – bei ihrer Herbstsitzung wird die FIS die Neuerungen dann evaluieren. In den vergangenen Jahren wurden derartige Regeländerungen aber nur selten wieder verworfen.

Über Marco Ries 404 Artikel

Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

8 Kommentare

  1. Ich halte nicht viel von den Änderungen. Wieso sollten die Stars des Weltcups nicht das Quali-Privileg behalten dürfen? Das haben sie sich ja erarbeitet und verdient. Auch für die Vierschanzentournee würde das nichts Gutes bedeuten…

  2. Ich finde das gut, gerade bei den Lucky Losern, fand ich das immer blöde, wenn 3 von denen Top-Springern in die Lucky Loser Liste reinrutschen, weil sie ja bei der Quali verzichtet haben, dann gegen einen genauso starken Springer starten mussten und denen die nicht ganz so gut sind oder einfach nur Pech hatten, die Chance genommen haben, in den Wettbewerb reinzurutschen.

  3. Mir gefällt die Regeländerung sehr gut und ich hoffe, dass sie auch in Weltcup und Vierschanzentournee eingesetzt wird. Das macht das Skispringen dann wieder ein Stück fairer

  4. Diese Regeländerung ist super und schon längst überfällig.
    Hoffe sie setzt sich durch und wird auch im Winter angewendet, wäre fairer und auch interressanter.

  5. Ich halte diese Entscheidung erstmal für absolut richtig. Man kann diese Regeländerung aber noch ausweiten: Wenn z.B. die Quali fair verlaufen ist, könnte man diese auch anstelle des ersten Durchgangs werten. Besonders dann wenn der Wind dreht und die Schlussspringer ganz andere Verhältnisse haben als die Springer am Beginn des Bewerbs, wäre das eine vernünftige Alternative. Weil die Balkenschieberei ruiniert den Wettkampf, man kann die Springer dann nicht mehr untereinander vergleichen.
    Natürlich gibts da auch Komplikationen, schließlich würde das auch auf die Kosten derer gehen, die im ersten Durchgang besonders gut gesprungen sind. Wenn dann muss man schon eindeutig festlegen, ab wann ein Durchgang nicht mehr fair verlaufen ist. Dafür könnte man die Differenz zwischen der besten und der schlechtesten Windpunkezahl als obere Schranke festlegen. Das bietet insofern den Vorteil, dass der Durchgang auch dann schon als unfair festgelegt wird, wenn nur ein Athlet unter besonders schlechten Bedinungen gesprungen ist. Man könnte das aber auch so regeln, dass wenn das nur ein paar Athleten betrifft, diese den Sprung wiederholen dürfen.
    Eine weitere Möglichkeit wäre es noch, die Quali anstelle des zweiten Durchgang zu werten, wenn dieser aufgrund der widrigen Bedingungen abgeblasen werden muss. Man hat oft genug gesehen, wie wichtig es ist, zumindest zwei Durchgänge durchzuführen.

    Faszit: Irgendwie muss man die Quali einfach in die Wertung miteinbeziehen um den Faktor Glück so gut wie möglich zu minimieren.

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