Planica: Stefan Kraft triumphiert vor DSV-Duo

Stefan Kraft fliegt in Planica souverän zum Sieg – doch die Entscheidung im Gesamtweltcup wird vorerst vertagt. Auch die beiden Deutschen Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler glänzen auf der Letalnica, müssen sich aber geschlagen geben.

Mit zwei überragenden Flügen auf 243 und 240,5 Meter sowie 490,2 Punkten sicherte sich Stefan Kraft am Freitagnachmittag im frühlingshaft warmen Planica seinen siebten Saisonsieg. Der österreichische Doppel-Weltmeister, der sich zuletzt schon den Gesamtsieg bei der Raw-Air-Tour gesichert hat, war auch beim Auftakt des langen Skiflug-Wochenendes im Nordwesten Sloweniens der überragende Skiflieger. Kraft setzte sich beim ersten von drei Wettbewerben im „Tal der Schanzen“ gegen die beiden Deutschen Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler durch.

Andreas Wellinger stellte mit zwei Flügen auf 235 Meter erneut eindrucksvoll unter Beweis, dass er sich nach einer langen Saison noch immer in Top-Form findet, mit insgesamt 480,4 Punkten musste sich der 21-Jährige aber einmal mehr Kraft geschlagen geben. Der Siegsdorfer Markus Eisenbichler jubelte mit 243,5 und 236 Metern (461,8 P.) über eine neue persönliche Bestweite sowie seinen dritten Podiumsplatz im Weltcup, der erste im Skifliegen. „Man muss neidlos anerkennen, was Stefan Kraft momentan leistet. Andreas und Markus haben sich hier super präsentiert, doch Kraft war wieder besser“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster.

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Nach seinem Sieg hat Kraft, der das Feld schon nach dem ersten Durchgang souverän angeführt hat, nun beste Chancen auf die große Kristallkugel: Sein polnischer Konkurrent Kamil Stoch belegte mit 229,5 und 239 Metern den fünften Platz. Vor ihm platzierte sich der 44-jährige Noriaki Kasai, der im Vorfeld auf alle Trainingssprünge verzichtet hatte und sich trotz schlechten Windes mit starken 235,5 Metern im Finaldurchgang vom achten auf den vierten Platz nach vorne katapultierte.

Geiger erneut stark, Wank und Leyhe scheiden aus

Daneben schafften es aus der deutschen Mannschaft auch Karl Geiger und Richard Freitag in die Punkteränge. Der Oberstdorfer Geiger bestätigte seine guten Flug-Qualitäten mit 224,5 und 227 Metern einmal mehr. „Die Sprünge sind zwar optimal, aber irgendwie habe ich das Gefühl, wie ich mich einrichten muss, damit es trotzdem noch gut geht. Jetzt habe ich auch zum ersten Mal sogar das Planica-Lied nach meinem Sprung gehört“, freute sich der 24-jährige Karl Geiger über den 16. Platz. Richard Freitag belegte den 25. Platz.

Andreas Wank erzielte im zuvor durchgeführten Probedurchgang mit 217 Metern noch neue persönliche Bestweite, kam im Wettkampf dann aber nicht über 205,5 Meter und den 32. Platz hinaus. Wie der Schwarzwälder scheiterte auch Stephan Leyhe als 37. am Sprung ins Finale.

Johansson bester Norwger, Slowenen fliegen hinterher

Neben Stoch schaffte mit Piotr Zyla als Siebter ein weiterer Pole den Sprung unter die Top Ten. Dahinter folgten die beiden Norweger Robert Johansson und Anders Fannemel auf den Positionen acht und neun.

Die heimischen Skispringer aus Slowenien konnten beim ersten von drei Wettbewerben im „Tal der Schanzen“ im Kampf um die vorderen Plätze zwar nicht mitmischen – der traditionell guten Stimmung an der Letalnica-Skiflugschanze tat das aber kaum Abbruch. Mit 218,5 und 226 Metern wurde Peter Prevc als Zehnter bester Slowene.

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Die vier österreichischen Skispringer, die sich in Abwesenheit von Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer für den Wettbewerb qualifiziert hatten, überstanden den „Cut“ der Top-30 – neben dem siegreichen Kraft sammelten damit auch Michael Hayböck (6.), Manuel Fettner (24.) und Stefan Huber (30.) weitere Weltcuppunkte.

Neben den Deutschen Wank und Leyhe verpassten mit Jarkko Määttä (32.), Ville Larinto (35.) und Antti Aalto (36.) auch alle Finnen den Sprung in den zweiten Durchgang. Der zuletzt starke Franzose Vincent Descombes Sevoie scheiterte mit 215,5 Metern als 31. denkbar knapp am Einzug ins Finale.

Ein Erfolgserlebnis feierte der Italiener Alex Insam: Der 19-Jährige bestätigte seine starken Flug-Qualitäten mit 225,5 und 225 Metern einmal mehr und erzielte als 15. sein bislang beste Ergebnis seiner Karriere.

Kraft im Gesamtweltcup kaum noch einzuholen

Mit insgesamt 1565 Punkten führt Stefan Kraft den Gesamtweltcup vor dem Finale am Sonntag souverän an. Kamil Stoch hat mit 1479 Zählern zumindest theoretisch noch Chancen auf den Gewinn seiner zweiten Kristallkugel. Auf dem dritten Platz liegt weiter Daniel Andre Tande (1201 P.)..

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Auch der Kampf um die kleine Kristallkugel, die der Sieger des Skiflug-Weltcups erhält, ist noch offen: Mit insgesamt 345 Punkten liegt auch hier Kraft nach vier von fünf Einzel-Skifliegen vorne. Dahinter verdrängt Wellinger (253 P.) den Polen Stoch (234 P.) vom zweiten Platz.

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Vor dem großen Weltcup-Finale am Sonntag findet am Samstag zunächst der letzte Team-Wettbewerb der Saison. Um 9 Uhr startet der Probedurchgang, ehe um 10 Uhr (alles live bei skispringen.com) der Wettkampf folgt.

Über Marco Ries 401 Artikel

Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

12 Kommentare

    • .. sorry, Kraft dürfte bei einem Sieg Stochs nicht schlechter als 17. werden; bei Punktegleichstand (17. Platz) hätte Stoch die Nase vorn (9 Siege vs. 7)

    • Diese Wertung ist entschieden! In dieser Form wird Kraft auch am Sonntag gewinnen. Die Slowenen haben mich heute schwer enttäuscht. Ich hatte ja Jurij Tepes als Sieganwärter auf der Rechnung. Interessant dürfte morgen der Teamwettbewerb werden. Wer ist da jetzt Favorit? Das scheint mir alles ziemlich ausgeglichen zu sein. Kraft, Hayböck und Vettner sind gut bis überragend, aber der vierte Mann? Bei Deutschland sind Geiger und Freitag „Wackelkandidaten“. Die Polen und die Norweger haben heute auch nicht unbedingt geglänzt. Das dürfte wirklich spannend werden.

      • „Fettner“ 🙂 (war heute auch nicht überragend)
        Favorit ist Deutschland, wenn man die heutigen Punkte der 4 besten jeder Nation zusammenzählt:
        1757,3 (GER)
        1716,5 (POL)
        1713,3 (AUT)
        1710,1 (NOR)
        Kein Wunder, Wellinger und Eisenbichler beide in Überform

        • Aus dem „Vettner“ habe ich jetzt einen „Fettner“ gemacht, vielen Dank für den Hinweis. Die Überform von Wellinger und Eisenbichler reicht aber noch nicht für Kraft. Ich denke, Kraft und Hayböck werden zusammen ähnlich viele Punkte holen wie Wellinger und Eisenbichler. Und dann entscheiden die anderen zwei Springer der jeweiligen Teams. Ich weiß allerdings gar nicht, wie ich diesen jungen Huber aus Österreich einschätzen soll. Wenn der zwei konstant gute Flüge liefert, dann reicht es vielleicht für einen Freitag, der auch keine „Bäume“ ausreißt“. Sollte morgen Aufwind herrschen, rechne ich trotzdem noch einmal mit den Slowenen.

  1. Aprospros Unfairness, da es hier so oft thematisiert wird.

    Es kann kein Zufall sein, dass regelmäßig die norwegischen Skispringer DSQ bekommen wegen nicht regelkonformen Anzügen.

    Und da immer nur stichprobenweise kontrolliert wird, denke ich nicht, dass die da groß etwas ändern an den Maßen.

    • Das ist allerdings wirklich äußerst seltsam. Mir ist das auch aufgefallen. Bisher dachte ich aber, dass jeder einzelne Sportler vor jedem Sprung kontrolliert wird. Gehen die Norweger extrem hohes Risiko oder spekulieren sie auf „wird schon gutgehen“? Für so naiv würde ich sie dann doch nicht halten.

        • Wissen Sie, warum genau Forfang disqualifiziert wurde? Das würde mich brennend interessieren. Mir ist schon klar, dass es verschiedene Parameter gibt, die eingehalten werden müssen: Mit Sicherheit eine gewisse Luftdurchlässigkeit, Schrittweite, die Sie bereits angesprochen haben, wohl auch die Ärmellänge. Warum häufen sich die Probleme bei den Norwegern?

  2. Ich war jetzt eine Weile nicht mehr aktiv, aber was sich in den letzten Bewerben abgespielt hat, dass kann ich nicht in Worte fassen. Es hat nicht ausgereicht, Wellinger die Goldmedaille zu stehlen, nein es musste auch noch die Raw-Air-Wertung sein! Und wenn Wellinger hier in Planica auch nicht besser als Kraft war, so war die Benotung doch eine einzige Frechheit!!!! Da wird von vorne bis hinten manipuliert! Wie können Fehlentscheidungen immer zugunsten von Kraft passieren?!!! Warum qird Wellinger bei grottenschlechten bedingungen runtergelassen?!! Das kann nicht alles Zufall sein, denn soviel Zufall gibt es nicht!!! Die gesamte Jury ist gekauft! Da müsste mal jemand so richtig „aufräumen“ und den ganzen parteiischen Abschaum in hohem Bogen hinauskatapultieren!!
    Weil, was die mit Wellinger anstellen, ist einfach nur eine Frechheit!!!

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