Tops & Flops: Analyse des Klingenthal-Wochenendes

Deutschland verpasst das Triple beim Team-Wettkampf, Severin Freund landet in Klingenthal auf dem Boden der Tatsachen. Domen Prevc jubelt erneut – und will jetzt noch mehr. skispringen.com zeigt die Tops und Flops von Klingenthal.

Domen Prevc überragt alle

Domen Prevc schickt sich an, Nachfolger seines sieben Jahre älteren Bruders zu werden: Mit seinem zweiten Sieg beim dritten Einzel-Weltcup im sächsischen Klingenthal eroberte der 17-Jährige das Gelbe Trikot – und will es jetzt am liebsten nicht mehr hergeben. „Ich hoffe, dass ich in diesem Winter noch viele weite Sprünge zeigen kann“, erklärte der Slowene nach dem Wettkampf und ergänzte: „Denn genau deswegen bin ich Skispringer geworden.“

Prevc ist zweifelsohne einer der Gewinner des Weltcup-Wochenendes von Klingenthal. Doch es darf bezweifelt werden, dass der Senkrechtstarter die Saison nach Belieben dominieren kann, wie es sein Bruder Peter Prevc im vergangenen Winter getan hatte: Immerhin wurde spätestens beim Team-Wettkampf am Samstag deutlich, dass sein aggressiver Sprungstil eben auch ein gewisses Risiko mit sich bringt. Vor allem wegen Prevc‘ ersten Sprungs auf nur 125 Meter kam die Mannschaft von Cheftrainer Goran Janus nicht über einen enttäuschenden fünften Platz hinaus.

Polen dank Horngacher im Aufwind

Mannschaftlich gesehen waren die Gewinner des Wochenendes klar die Polen. Selten sicherte sich eine Mannschaft einen Sieg im Team-Wettkampf so souverän wie die Mannschaft von um Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch am Samstag. „So etwas habe ich eigentlich noch nie gesehen“, meinte ‚Eurosport‘-Experte Sven Hannawald zurecht.

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Es war sogar ein historischer Triumph der Mannschaft, die seit diesem Jahr vom Österreicher Stefan Horngacher trainiert wird. Der ehemalige Skispringer war zuvor als Assistenztrainer unter Werner Schuster für Deutschland im Einsatz. Der Abgang des, ein herber Verlust für den DSV. „Er kann alles. Er kann Technik, er kann Material, er kann Team. Er ist einfach ein sehr guter Allrounder“, sagte Bundestrainer Schuster über den 47-Jährigen.

Eisenbichler schließt zur Weltspitze auf

Als passabel oder solide könnte man die Leistungen der deutschen Skispringer beim Heim-Weltcup bezeichnen. Das erhoffte Triple haben sie verpasst – nachdem in den vergangenen beiden Jahren jeweils das DSV-Quartett im Mannschaftsspringen gewonnen hatte, reichte es für Freund und Co. diesmal nur für den zweiten Platz. Zu stark war Polen. „Der Wettkampf hatte ein unglaublich hohes Niveau. Wir sind fast mitgekommen, aber nicht ganz“, bilanzierte Schuster.





Umso erfreuter war der Bundestrainer über die Leistungen von Markus Eisenbichler. Weil er einen zusätzlichen Startplatz im zweitklassigen Continentalcup ersprungen hat, setzt Schuster seit dem Auftakt auf den 25-Jährigen. Mit dem sechsten Platz als bester DSV-Skispringer am Sonntag zahlte er das Vertrauen zurück – und hat endgültig zur Weltspitze aufgeschlossen. „Mit dem Ergebnis kann ich zufrieden sein, das ist ein guter Saisonstart. Auch Lillehammer liegt mir, ich fahre mit einem guten Gefühl dorthin“, erklärte der Skispringer aus Siegsdorf in Hinblick auf das nächste Weltcup-Wochenende. Eisenbichler ist ein Gewinner des Klingenthal-Wochenendes.

Nordamerikaner überraschen und punkten

Auch die Nordamerikaner gehören zu den Gewinnern von Klingenthal. Mit dem US-Amerikaner Kevin Bickner und dem Kanadier Mackenzie Boyd-Clowes sammelten gleich zwei Athleten aus der gemeinsamen Trainingsgruppe erste Weltcuppunkte. Mit Platz 23 feierte der 20-jährige Bickner in Deutschland gar das beste Weltcup-Ergebnis seiner Karriere.

Vojtech Stursa im Wechselbad der Gefühle

Der Tscheche Vojtech Stursa wird sich an das Einzelspringen von Klingenthal noch lange erinnern. Im ersten Durchgang stürzte der 21-Jährige schwer, blieb im Auslauf regungslos liegen. Doch der Newcomer rappelte sich schnell auf – und ging wieder auf die Schanze. Mit Platz 28 feierte er am Ende sogar das beste Ergebnis seiner Karriere.

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Doch war es überhaupt richtig, den tschechischen Skispringer nicht einmal eine Stunde nachdem er bewusstlos im Schanzenauslauf lag, erneut springen zu lassen? „Der Trainer hätte ihn davon abhalten müssen“, fand Ex-Skispringer Dieter Thoma in der ‚ARD‘ deutliche Worte.

Finnland bleibt ohne Punkte

Beim Auftakt-Wochenende im heimischen Kuusamo gelang zumindest zwei finnischen Skispringern der Sprung ins Finale, eine Woche später blieb die Mannschaft von Cheftrainer Andreas Mitter hingegen ohne Punkte. Die ehemals große Skisprungnation befindet sich auch in der Saison der Heim-WM am Boden.

Im Vorfeld überraschte der Verband damit, nur zwei Springer nach Klingenthal zu schicken. Eine Teilnahme am Team-Wettkampf war damit nicht möglich – und am Rande des Weltcups war zu vernehmen, dass dies ein peinliches Missgeschick gewesen sein könnte: Offenbar waren die Verantwortlichen nicht darüber informiert, dass in Deutschland überhaupt ein Mannschaftsspringen stattfindet. In der ursprünglichen Kalenderplanung des Internationalen Skiverbandes (FIS) waren für die Vogtland-Arena noch zwei Einzel-Wettbewerbe vorgesehen, erst bei der Herbstsitzung des Verbandes wurde eine Änderung vorgenommen.

Japans Hoffnungen ruhen auf Kasai

Auch den japanischen Skispringern ist in dieser Saison kein guter Start in den Winter gelungen. Schon beim Auftakt in Kuusamo deutete sich an, dass die Athleten aus Fernost vorerst nicht in der Weltspitze mitmischen können – und dieser Trend setzte sich in Klingenthal fort.

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Ausgerechnet der 44-jährige Noriaki Kasai ist nach wie vor der größte Hoffnungsträger der Japaner. Als 26. war er beim Einzel am Sonntag der beste Springer seiner Mannschaft, am Samstag musste sich das Team von Cheftrainer Tomoharu Yokokawa mit dem siebten Platz begnügen.

2 Kommentare

  1. Finde eure Analysen (Tops und Flop) sehr cool! Das ist immer schön zusammengefasst und man erfährt alles Wichtige, auch wenn man das Springen nicht live im Fernsehen gesehen hat.

    Schade, dass Freund das Gelbe Trikot so schnell wieder abgeben muss. Ich glaube auch, dass er es schwer haben wird, in dieser Saison konstant ganz nach vorne zu springen. Vielleicht macht es Sinn, sich auf Vierschanzentournee und WM zu konzentrieren

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