Zakopane: Deutschland siegt im Hexenkessel

Das deutsche Quartett mit Eisenbichler, Leyhe, Wellinger und Freitag triumphiert beim zweiten Mannschaftsspringen der Saison in Zakopane, die heimischen Polen um Lokalmatador Stoch schwächeln und müssen sich beim Heimspiel geschlagen geben.

25.000 Zuschauer waren an die Wielka Krokiew gekommen, tausende weitere standen davor – doch der erhofften Heimsieg der polnischen Mannschaft um Vierschanzentournee-Sieger Kamil Stoch durften sie am Ende doch nicht bejubeln. Das deutsche Quartett mit Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe, Andreas Wellinger und Richard Freitag vermasselte der Mannschaft von Cheftrainer Horngacher die erhoffte Siegesfeier. Mit insgesamt 1116,3 Punkten setzten sich die deutschen Skispringer in Abwesenheit von Severin Freund, der sich nach einer Erkrankung während der Vierschanzentournee inzwischen wieder im Training befindet, in einem hochklassigen und spannenden Wettbewerb gegen die heimische Mannschaft aus Polen (Piotr Zyla, Maciej Kot, Dawid Kubacki, Kamil Stoch; 111,2 P.) durch.





Schon früh deutete sich an, dass es einen Dreikampf um den Sieg zwischen Deutschland, Polen und Slowenien geben wird. Zur Halbzeit lagen die Slowenen, die neben den Prevc-Brüdern Domen und Peter auch Jurij Tepes und Jernej Damjan ins Rennen geschickt haben, noch vor Deutschland und Polen vorne. Im zweiten Durchgang war es vor allem Andreas Welinger, der mit einem Top-Sprung auf 135 Metern das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) die Führung übernehmen ließ. Schlussspringer Richard Freitag legte 134,5 Meter nach, verlor auf den direkten Konkurrenten Kamil Stoch nur anderthalb Meter und sicherte so den Sieg ab.

Slowenien fällt im Finale zurück

In der slowenischen Mannschaft entpuppte sich Jurij Tepes als Schwachstelle. Der 27-Jährige kam nach immerhin 129,5 Metern im ersten Durchgang im Finale dann nicht über schwache 120,5 Meter hinaus. Da konnte auch der wiedererstarkte Peter Prevc, der auf 137,5 und 134,5 Meter kam, nichts mehr ausrichten – die zur Halbzeit noch führenden Slowenen fielen mit insgesamt 1102,7 Zählern auf den dritten Platz zurück.

Österreich vor Norwegen, Japan nur Achter

Die österreichische Mannschaft musste auf ihren aktuell besten Springer verzichten: Stefan Kraft fehlt in Zakopane wegen einer Entzündung der Nasennebenhöhlen – Österreichs Cheftrainer Heinz Kuttin setzte stattdessen auf Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler, Manuel Fettner und Michael Hayböck. Rückkehrer Schlierenzauer und Hayböck ließen mit jeweils 132 Metern im Finale zwar ihr Potenzial aufblitzen, mit insgesamt 1092,5 Punkten wurde die Mannschaft aus der Alpenrepublik aber nur Vierter. Dahinter landete die Mannschaft aus Norwegen (1066,1 P.), die Johann Andre Forfang, Tom Hilde, Anders Fannemel und Daniel Andre Tande an den Start geschickt haben.

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Auch Tschechien (Viktor Polasek, Jan Matura, Roman Koudelka, Jakub Janda; 1008 P.), Russland (Ilmir Hazetdinov, Roman Sergeevich Trofimov, Denis Kornilov, Evgeniy Klimov; 984,2 P.) und Japan (Ryoyu Kobayashi, Taku Takeuchi, Daiki Ito, Noriaki Kasai; 954,8 P.) gelang der Einzug ins Finale, im Kampf um die vorderen Plätze waren sie aber nur Nebendarsteller.

Finnland scheidet aus

Die finnische Mannschaft, die neben Altmeister Janne Ahonen auch Antti Aalto, Ville Larinto und Jarkko Määttä ins Rennen geschickt haben, verpassten mit 447,9 Punkten als Neunter den Sprung in den Finaldurchgang. Auch die USA (Michael Glasder, Casey Larson, William Rhoads, Kevin Bickner; 413,4 P.) und Kasachstan (Nikolay Karpenko, Sabirzhan Muminov, Sergey Tkachenko, Marat Zhaparov; 342,8 P.) sind als Zehnter bzw. Elfter vorzeitig ausgeschieden.




In der Wertung des Nationencups liegen die Polen mit insgesamt 2747 Punkten weiterhin vorne, dahinter folgen Österreich (2479 P.) und Deutschland (2429 P.).

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Am Sonntag folgt das Einzelspringen in Zakopane – auch dann wird das Stadion an der Wielka Krokiew wieder bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Um 14:30 Uhr startet der Probedurchgang, um 16 Uhr (alles live bei skispringen.com) folgt der Wettkampf.

Über Marco Ries 401 Artikel

Inhaber und Chefredakteur von skispringen.com. Hat sich nach der Jahrtausendwende von RTL am Skisprungfieber anstecken lassen und 2009 dieses Angebot gegründet. Studiert an der Universität Heidelberg und arbeitet nicht nur im Winter als freier Journalist.

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