Acht Sprünge, kein einziger unter 105 Metern: Die Skispringer aus Bayern feiern bei der Deutschen Meisterschaft in Hinterzarten überlegen den 16. Team-Titel in Folge. Vor allem Andreas Wellinger und Philipp Raimund springen weiterhin stark.
Mit 1026 Punkten sicherte sich Bayern I am Samstag auf der Adlerschanze in Hinterzarten den Titel. Hinter dem Quartett um Einzelmeister Philipp Raimund sowie Constantin Schmid, Karl Geiger und Andreas Wellinger folgten Baden-Württemberg I mit Jannik Faißt, Yann Kullmann, Ben Bayer und Luca Roth (943,7 P.) sowie Baden-Württemberg II mit Amadeus Horngacher, Janne Holz, Finn Braun und Lasse Deimel (779,5 P.). Bei den Männern gingen 13 Teams für ihre Landesskiverbände an den Start, jeweils mit vier Springern.
Alle über 105 Meter: Bayern lässt keine Zweifel
Schon nach dem ersten Durchgang war die Richtung klar. Bayern I führte mit 496,9 Punkten vor Baden-Württemberg I (465,1 P.), alle vier Springer waren mindestens 105 Meter weit gesprungen. Constantin Schmid landete bei 109 Metern, der Bestweite des ersten Durchgangs. Im Finale baute das Team den Vorsprung um weitere 50,5 Punkte aus. Schmid und Schlussspringer Andreas Wellinger flogen dabei jeweils auf 109,5 Meter, die Tagesbestweite und damit jenseits der Hillsize von 109 Metern.
Damit setzt sich eine Serie fort, die bei den Männern 2009 zuletzt unterbrochen wurde, als Baden-Württemberg gewann. Anders als im vergangenen Jahr in Oberhof fehlte Pius Paschke, der wegen Beschwerden im rechten Knie auf die Titelkämpfe im Schwarzwald verzichtet hatte. Neu im Quartett gegenüber dem Vorjahr stand Constantin Schmid.
„Unser Team hat ziemlich solide abgeliefert, auch ohne dass Pius dabei war – natürlich wäre es aber schön gewesen, auch ihn als Teamkollegen dabei zu haben. Aber wichtig ist, dass er gesund wird und im Winter wieder dabei sein kann“, analysierte Raimund, der mit seiner eigenen leistung aber nicht ganz zufrieden war: „Die Sprünge waren nicht ganz auf dem Niveau wie am Tag davor, aber trotzdem noch auf einem ziemlich hohen. Ich gehe also mit einem guten Gefühl zurück nach Oberstdorf.
Baden-Württemberg doppelt auf dem Podium
Baden-Württemberg I wiederholte den zweiten Platz aus dem Vorjahr. Ben Bayer steuerte mit 108 und 104 Metern die weitesten Sprünge seines Teams bei, Lokalmatador Yann Kullmann steigerte sich von 101 auf 106 Meter. Finn Braun, im Vorjahr noch Teil des Silber-Teams, sprang diesmal für die zweite Mannschaft und trug mit 94 und 99,5 Metern zu deren Bronzemedaille bei. Baden-Württemberg II führte nach dem ersten Durchgang mit 367,3 Punkten vor Bayern II (337,8 P.) und gab diesen Vorsprung nicht mehr ab. Am Ende lagen die Schwarzwälder 57,3 Punkte vor Alex Reiter, Jacob Frid, Elias Malcher und Timon-Pascal Kahofer (722,2 P.), die als Vorjahresdritte diesmal Rang vier belegten.
Dahinter folgten Baden-Württemberg III (621,7 P.) und Thüringen (602,1 P.). Bester Springer der Thüringer war Felix Hoffmann mit 98 und 104 Metern. Sachsen kam auf Rang sieben (537,8 P.), Adrian Tittel war mit 93,5 und 99 Metern der beste Springer der Mannschaft.
Frauen: Reisch und Deufel gewinnen beide Durchgänge
Bei den Frauen, die in Zweierteams starteten, verteidigte Baden-Württemberg I den Titel aus dem Vorjahr. Anna Deufel (99 und 99,5 m) und Agnes Reisch (101,5 und 97 m) gewannen mit 450,8 Punkten vor Sachsen I mit Megi Lou Schmidt und Selina Freitag (430,2 P.) und Thüringen mit Juliane Seyfarth und Luisa Görlich (427,4 P.). Für Reisch, die am Freitag bereits den Einzeltitel gewonnen hatte, ist es der zweite Titel an diesem Wochenende. Im Vorjahr hatte sie den Teamtitel mit der inzwischen zurückgetretenen Anna Hollandt geholt.
Spannend war der Kampf um Silber: Thüringen lag nach dem ersten Durchgang 7,6 Punkte vor Sachsen I, im Finale drehte Freitag mit 100,5 Metern und der besten Frauen-Wertung des Finaldurchgangs (121,1 P.) das Duell. Görlich landete mit 101 Metern zwar den weitesten Sprung des Finaldurchgangs, doch Seyfarth blieb bei 89,5 Metern. Am Ende trennten Sachsen und Thüringen nur 2,8 Punkte.
Bayern wurde mit Emely Torazza und Lisa Feicht Vierter, landete mit 355,7 Punkten aber schon deutlich hinter den Medaillen.
Mit der Team-Entscheidung gingen die Deutschen Meisterschaften im Schwarzwald für die Skispringerinnen und Skispringer zu Ende. Als letztes Kräftemessen im Vorfeld des Weltcup-Auftakts steht am 24. und 25. Oktober noch das Finale des diesjährigen Sommer-Grand-Prix in Klingenthal auf dem Programm.

Dadurch, dass Pius noch nichts auf der Habenseite hat, geht es für ihn beim Sommer Grand Prix Finale in Klingenthal um alles, weil danach sicher schon um die Nominierungen für den Weltcup entschieden werden muss. Nach diesem Wochenende sehe Philipp Raimund, Andreas Wellinger, Karl Geiger und Ben Bayer ganz klar im Vorteil. Der 5. Startplatz wird dann wohl zwischen Pius Paschke und Constantin Schmid ausgemacht werden.