Eisenbichler fällt im Finale zurück

Halvor Egner Granerud feiert ersten Weltcupsieg seiner Karriere in Kuusamo

Foto: imago / Lehtikuva

Halvor Egner Granerud belohnt sich für seine aktuell starke Form mit dem ersten Weltcupsieg seiner Karriere. Im finnischen Kuusamo setzt sich der Norweger in einer hochspannenden Entscheidung gegen Markus Eisenbichler durch.

Die Freude des Siegers war auch unter der Maske deutlich zu sehen und das war auch kein Wunder. Denn mit Sprüngen auf 137 und 142 Meter sicherte sich Halvor Egner Granerud auf der Rukatunturi-Schanze in Kuusamo den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. Der Norweger erzielte insgesamt 282 Punkte und setzte sich damit gegen Markus Eisenbichler durch, der auf 141 und 131 Meter (272,1 P.) kam. Den dritten Platz belegte Dawid Kubacki aus Polen (132 und 139 m; 265,6 P.).

Eisenbichler, der nach dem ersten Sprung noch deutlich in Führung lag, bejubelte seinen dritten Podestplatz im dritten Springen dennoch voller Freude. „Heute war es extrem windig. Im ersten Durchgang habe ich einen extrem guten Sprung gemacht. Der zweite fühlt sich auch gut an, doch dann habe ich im Mittelteil gemerkt, dass im Mittelteil und unten nichts mehr an Unterstützung da ist“, schilderte der Siegsdorfer im ZDF seinen Arbeitstag. Den weitesten Satz des Tages zeigte der Japaner Yukiya Sato mit 146 Meter, der dadurch noch von Rang 13 auf vier vorkam. Hinter ihm landeten mit Johann Andre Forfang und Robert Johansson die beiden besten Norweger. Kamil Stoch wurde als Siebter zweitbester Pole.

Freund bejubelt Top-Ten-Ergebnis

Severin Freund wurde hinter Karl Geiger als Neunter drittbester Deutscher und analysierte: „Ich habe gestern retrospektiv erfahren, dass mein gestriger zweiter Sprung ganz in Ordnung war, gerade weil es vom Wind her nicht so einfach war. Heute war der erste Sprung nicht kompromisslos genug für die Bedingungen, der zweite war dafür umso feiner.“ Es war Freunds erster Top-Ten-Platz im Weltcup seit dem 16. Dezember 2016. „Natürlich hat der Wind im Springen eine Rolle gespielt, aber ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden“, bilanzierte Bundestrainer Stefan Horngacher das Wochenende am Polarkreis.

Während Clemens Leitner seinen 19. 3rd Platz vom Vortag bestätigte, gelang seinem jungen Teamkollegen Timon-Pascal Kahofer in seinem zweiten Weltcup-Start das erste Punkteergebnis; er wurde 23., direkt hinter Pius Paschke, der im Finale denkbar schlechte Windbedingungen erwischte. Gregor Deschwanden wurde als bester Schweizer 21., Dominik Peter belegte Rang 27. Als 29. sprang auch der US-Amerikaner Casey Larson erstmals im Weltcup unter die besten 30, ebenso wie der Italiener Giovanni Bresadola, der im Finale von Platz elf auf 25 zurückfiel.

Hamann und Wellinger verpassen Top 30

Zum ersten Mal in der noch jungen Saison verpasste Martin Hamann das Finale der besten 30. Dem 23-jährigen Sachsen reichten 115 Meter nur zu Platz 35. „Die gute Luft habe ich mir selbst etwas genommen. Mit Gewalt geht eben doch nicht alles, beim nächsten Mal muss ich etwas lockerer sein“, kommentierte Hamann seine Leistung im ‚ZDF‚. Im dritten Einzelspringen der Saison konnte Andreas Wellinger abermals keine Weltcuppunkte holen. Der Olympiasieger von 2018 schied mit 114 Metern als 42. vorzeitig aus.

Auch die Routiniers aus Österreich und der Schweiz, Manuel Fettner und Simon Ammann, durften nach Rang 40 und 45 nur einen Wettkampfsprung machen. Der US-Amerikaner Andrew Urlaub wurde nach dem ersten Durchgang aufgrund eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert. Nach zwei positiven Corona-Tests mussten das Team aus Tschechien und der Bulgare Vladimir Zografski noch vor der Qualifikation zurückziehen.

Eisenbichlers Führung im Weltcup weiter deutlich

Im Gesamtweltcup bleibt Markus Eisenbichler mit 280 Punkten unangefochten an der Spitze. Neuer Zweiter ist nun Halvor Egner Granerud mit 200 Zählern. Karl Geiger ist nun Vierter hinter Dawid Kubacki (144) und kommt auf 141 Punkte.

» Weltcup-Kalender 2020/2021: Alle Termine im Überblick

Am kommenden Wochenende macht der Skisprung-Tross dann in Russland Station. In Nischni Tagil steht am Freitag die Qualifikation an, ehe am Samstag und Sonntag dann je ein Einzelspringen (alles live bei skispringen.com) stattfinden werden.

Auch interessant: Im Vorfeld des Wettkampfes wurde bekannt, dass noch weitere Skispringer mit dem Coronavirus infiziert sind. Nach Schlierenzauer, Aschenwald und Widhölzl wurden zwei weitere Österreicher positiv getestet.

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Über Luis Holuch 220 Artikel
Ist seit Kindesbeinen an sport- und skisprungverrückt. Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020 in Oberwiesenthal.

8 Kommentare

  1. Wann schmeißt man Wellinger mal bitte aus dem Weltcup-Kader?
    Seit der Saison 19/20 nur noch null Leistung von ihm. Sein Olympia-Bonus sollte langsam mal aufverbraucht sein!

    • Ein Wellinger braucht keinen ‚Bonus‘ um mitspringen zu dürfen. Im Kader sind die Springer mit dem größten Potenzial. Leistung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Wenn Leyhe und Siegel wieder fit sind, werden die Karten neu gemischt.

    • Genau schmeißt ihm aus dem Kader!
      Warum soll man noch Zeit verwenden um ihm aufzubauen nach einer langen Verletzung!

      An Freund, der letztes Jahr auch so schwach war, sieht man das er nicht mehr nach oben kommt..
      Auch ein Eisenbichler hätte man nach den schwachen Leistungen letzte Saison aus dem Kader werfen sollen.
      Auch Paschke! Der hat mit 30 noch nicht geholt. 104 Weltcup-Punkte bis Anfang von letzter Saison.. Wie kann man so einen weiterhin einsetzen bei schwachen Phasen?

      So Ironie-Modus off.
      Wellinger war lange verletzte! Der muss wieder aufgebaut werden.
      Falls natürlich ein junger starker Springer da ist, der in die Punkte springen kann, kann man den bringen. Falls nicht sollte man versuchen einen nachweislich guten Springer wieder aufzubauen.

      Aber Kommentar ist denke eh nur Spam.
      Seit der Saison 19/20 keine Leistung.
      Auch schwer, wenn man verletzt ist und kein Springen 19/20 gemacht hat.
      =D

  2. Eisenbichler hat sicher ein wenig Pech gehabt mit dem Wind, trotzdem war Granerud der verdiente Sieger heute.

    Finde besonders lobenswert auch der B-Kader von Österreich mit guten Sprüngen von Markus Schiffner, Clemens Leitner und auch beeindruckend von dem jungen Timon-Pascal Kahofer. Von denen durfte man sich nämlich von 0 auf 100 nichts erwarten!!

  3. Skispringen ist halt immer noch vom Wind abhängig. Bei leichten Unterschieden schaffen die Windpunkte noch Ausgleich.
    Aber wenn du miserablen Wind hast, bringen dir die Punkte meist nichts, wenn du 20 m kürzer springst, Umgekehrte gilt für guten Wind.

    Ganz katastrophal war es heute nicht, aber einige haben schon Glück/Pech gehabt.

    Trotzdem Eisenbichler wieder mit zwei starken Sprüngen und Platz 2 ist top.
    Freund auf Platz 9 ist große Überraschung.

    Und auch bei Nationen, finde ich es gut, dass keiner komplett ausßer Form ist. Gestern waren Polen top und heute die Norweger.

  4. will hier nicht schlechter Verlierer spielen und mit Granerud hat es sicherlich keinen falschen getroffen, aber irgendwas kann mit dem Windberechnungen nicht gestimmt haben. Den hat es Orkan-gleich ausgehoben und weggetragen aber sowohl in der Vorabeinblendung als auch in der Abrechnung sah es nach Mega-Rückenwind aus??? Sein Sprung war sicherlich toll aber keine 10 Punkte besser als die erste Granate von Eisenbichler.

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