Norwegerin mit bewegenden Worten

„Ich bin nicht fertig“: Skispringerin Silje Opseth wird Mutter und legt Wettkampfpause ein

Foto: Christian Otnes (OC Vikersund 2026)

Silje Opseth legt eine Wettkampfpause während des WM-Winters ein – aus gutem Grund. Die Norwegerin stellt klar: „Ich bin nicht fertig“ und will wieder auf höchstem Niveau gewinnen.

Platz zwei und drei beim Sommer-Grand-Prix-Auftakt in Wisla – die Skisprung-Saison 2026/2027 ging für Silje Opseth beachtlich gut los. Dass es danach um die Norwegerin ruhig wurde, war soweit nicht ungewöhnlich, schließlich war sie beileibe nicht die einzige Top-Athletin, die die folgenden Grand-Prix-Stationen ausließ. Doch diese Entscheidung hatte nicht nur sportliche Gründe und geht auch weit über den Sommer 2026 hinaus, wie sie am Montagabend verriet.

„Ich habe tolle Neuigkeiten. Die kurze Version ist: Ich bin schwanger“, sagte sie in einem Beitrag in den Hauptnachrichten des norwegischen Rundfunks ‚NRK‘ und schwärmte: „Es ist alles neu und aufregend, aber auch sehr schön.“ Im Umkehrschluss bedeutet diese Nachricht, dass die 27-Jährige im in gut fünf Wochen startenden WM-Winter keine Wettkämpfe bestreiten wird.

Silje Opseths Rätsel um lange gesundheitliche Probleme gelöst

„Es gibt einen wesentlichen Grund, warum das genau jetzt passiert und es war ein turbulenter Weg bis hierher“, führte die siebenfache Weltcupsiegerin weiter aus. Jahrelang habe sie bereits mit „starken Stimmungsschwankungen, starken Menstruationsschmerzen, unregelmäßiger Periode und unfreiwilliger und unkontrollierter Gewichtszunahme“ zu kämpfen gehabt. Zwar habe sie stets Wege gefunden, mit diesen Problemen umzugehen, „den eigentlichen Grund dafür aber bis zum Frühjahr nicht.“

Zwar seien bereits bei einer frauenärztlichen Untersuchung vor zwei Jahren auffällig niedrige Hormonwerte festgestellt worden, die nachfolgenden Ultraschall-Aufnahmen hätten aber gut ausgesehen. Schließlich entschied Opseth, sich privat untersuchen zu lassen, was schließlich zur Aufklärung führte. Dort wurde neben einem sinkenden Östrogenspiegel und einem ansteigenden FSH-Hormonwert im Blutbild auch eine für Opseths Alter enorm kleine Ansammlung von Eizellen festgestellt.

Silje Opseth mit prämaturer Ovarialinsuffizienz diagnostiziert

Nach diesen Befunden stand schließlich die Diagnose fest: Prämature Ovarialinsuffizienz (POI), wohl eher bekannt als vorzeitige Wechseljahre. „Mir wurde gesagt, dass ich, wenn ich jemals Kinder bekommen wollen würde, es jetzt oder nie soweit ist. Das war ein echter Schock. Es gab einige Tage, an denen ich einfach auf der Couch lag und geweint habe“, berichtete Opseth über ihre Reaktion auf diese Nachricht.

Ihr Fall hat enorme Seltenheit, wie auch Mette Haase Moen, Gynäkologie-Professorin an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim, bestätigte: „Unter einer Promille“ liege die Wahrscheinlichkeit, dass eine 27-jährige Frau diese Diagnose erhält. Warum es ausgerechnet Opseth getroffen habe, „habe ich viele Menschen gefragt, aber es gab keine Erklärung. Ich habe sogar einen Gentest machen lassen, um festzustellen, ob es erblich bedingt sein könnte, aber es wurde nichts gefunden. Ich habe wohl einfach Pech“, meinte sie.

Silje Opseth lässt Skisprung-Comeback offen

Gleichzeitig sei sie aber auch froh gewesen, endlich erfahren zu haben, warum ihr Körper in den vergangenen Jahren so oft verrückt gespielt habe. Gerade nachdem die Ex-Skiflugweltrekordhalterin am Ende des vergangenen Winters wieder ansteigende Form gehabt und auch im Sommer weitere Fortschritte gemacht hatte, hatte sie sich „wieder sehr darauf gefreut, in der Weltcup-Saison vorne mitmischen zu können.“

Zwar habe sich die Situation „wie ein Messer an der Kehle“ angefühlt, weil sie und ihr Lebenspartner schon seit Beziehungsbeginn den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind hatten. Doch trotz entsprechender Bemühungen habe es lange Zeit nicht nach einer Schwangerschaft ausgesehen. „Als es dann August war, hatten wir das Thema aufgegeben und ich wollte mich voll auf die Saison fokussieren“, berichtete Silje Opseth. Doch kurz nach den beiden Podestplätzen in Wisla erhielt sie schließlich die frohe Kunde.

Ob sie nach ihrer Baby-Pause nochmal als aktive Skispringerin zurückkehren wird, ließ sie im ‚NRK‘-Interview offen: „Ich bin sehr motiviert zurück auf die Schanze zu kommen, denn ich liebe das Skispringerleben, aber ich weiß natürlich nicht wie ich denke wann ich ein Baby in meinen Armen habe.“ Sie wäre nach ihrer Landsfrau Helena Olsson Smeby, die 2014 sogar an den Olympischen Spielen teilnahm, und der Französin Caroline Rochas (geborene Espiau, Anm. d. Red.) erst die dritte Skispringerin, die nach einer Geburt ein Comeback hinlegen würde.

Auch interessant: Timi Zajc kritisiert den aktuellen Stellenwert des Sommer-Grand-Prix: zu wenig Konkurrenz, zu kleine Schanzen. Nach einer schwachen Vorsaison will der Slowene diesen Winter angreifen – und kündigt seine erste Wettkampfteilnahme an.

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