Teammanager Hüttel gibt Einblicke

Nach Disqualifikationen im Mixed-Team: Diskussionen über Regeländerung

Foto: Frank May

Die Premiere des Mixed-Team-Springens war mit fünf Disqualifikationen der Aufreger bei den olympischen Spielen in Peking. Damit sich die Ereignisse nicht wiederholen, ist nun eine Regeländerung im Gespräch.

Das erste Mixed-Team-Springen bei den Olympischen Spielen überhaupt hat seinen Platz in der Sport-Historie sicher. Doch darüber, dass Slowenien vor dem Russischen Olympischen Komitee und Kanada gewann, sprach nach dem Wettkampf so gut wie niemand mehr. Zu groß waren Verwunderung und Verärgerung über die Mitteilungen, die immer wieder aus dem Materialcontainer kamen.

Die Aufarbeitung der Ereignisse des 7. Februar hat inzwischen begonnen, wie DSV-Teammanager Horst Hüttel am Freitag nach der Qualifkation der Herren berichtete. Im Interview mit der ‚ARD‘ schilderte der Funktionär, dass „seit Montag hinter den Kulissen wild hin und her diskutiert wird.“ An eben jenem Montag wurden mit Sara Takanashi (Japan), Daniela Iraschko-Stolz (Österreich), Katharina Althaus (Deutschland) und Anna Odine Stroem und Silje Opseth (beide Norwegen) gleich fünf Weltklasse-Skispringerinnen aufgrund ihrer Sprunganzüge disqualifiziert.

Wird die Materialkontrolle verlegt?

Und damit waren es an diesem einen Abend fast genauso viele wie in den letzten elf Jahren seit Einführung des Damen-Weltcups. Seitdem wurden nämlich ganze sechs Athletinnen, die zum Zeitpunkt ihrer Disqualifikation unter den Top Ten der Gesamtwertung lagen, wegen ihrer Anzüge aus dem Verkehr gezogen.

Laut Aussagen von Iraschko-Stolz und Stroem seien die Kontrollen anders und strenger als üblich abgelaufen. Auch Hüttel meinte: „Wir hatten schon den Eindruck, dass der Kontrolleur der Männer Einfluss genommen hat. In welcher Art und Weise, da gehen die Meinungen auseinander. Vom Zugang und den Emotionen her wurde jedenfalls so streng kontrolliert wie noch nie zuvor.“ Er habe nach den Vorkomnissen des Mixed-Team-Springens das Gespräch mit FIS-Renndirektor Sandro Pertile gesucht, weitere Diskussionen seien für die nächsten Wochen zu erwarten.

Für den Moment habe sich jedoch ein Ansatz herauskristallisiert, den er persönlich interessant finde, erklärte Hüttel: Es gehe darum, „dass man das Prozedere dahingehend verändert, dass wenn die Athletin oder der Athlet oben sitzt und grün bekommt, save ist. Die Materialkontrolle wird also komplett nach oben verlagert und, dass unten keine Disqualifikation mehr stattfindet. Das ist sicher für alle, auch die Zuschauer interessant und wird derzeit diskutiert, vielleicht schon für nächstes Jahr.“

Über Luis Holuch 326 Artikel
Seit 2010 als Journalist tätig und hat 2017 sein erstes Buch veröffentlicht. Wie es die Leidenschaft wollte, ging es darin um das Damen-Skispringen. Genau dafür ist er bei skispringen.com auch primär zuständig. Kommentierte den offiziellen Live-Stream der Junioren-WM 2020, sowie die FIS-Classics-Serie und auch die Continentalcup-Finals in der Nordischen Kombination.

21 Kommentare

  1. Die Regeländerung, den Anzug nach dem Springen nicht mehr zu kontrollieren
    ist auch Unfug. Da wird kurz vor dem Sprung gezerrt und gezogen, dass wieder mit einem „Ballon“ gesprungen wird.
    Man hat einfach keinen Plan für eine sinnvolle Regel.

  2. Ist halt China. Man hat so disqualifiziert dass Busenfreund Putins Mannschaft auf dem Treppchen steht. Ein Gast Geschenk der kriminellen chinesischen Staatsführung an die Russen.

  3. Wuerde diesen Sport Skispringen nie ausüben weil du sehr sehr oft besch““wirst.auch das mit den windpunkten dann anlaufgeschwindigkeit und und ist oft nicht gerecht

  4. Also bei uns Sportschützen gibt es ebenfalls strenge Bekleidungsregeln, es wird aber vor(!) dem Wettkampf kontrolliert mit der Chance nachzubessern und nach nochmaliger Kontrolle doch noch teilzunehmen. Warum kann man das bei den Springern/Springerinnen nicht auch so machen?

  5. „Nach Disqualifikationen im Mixed-Team: FIS diskutiert Regeländerung“
    Ich denke, wenn die Madels umsonst disqualifiziert wurden, müssen Sie die Ergebnisse stornieren und einen Neuanfang setzen.

    • Habt ihr schon einmal bei Skispringen oder Skifliegen FIS Regel über Anzüge gesehen??Bestimmt nicht!!! Hier wir alle Trainer Seit der Sommersaison 2011 ist ein Body-Mass-Index von mindestens 20,5 inklusive Anzug und Schuhe für das Ausnutzen der vollen Skilänge nötig.[30]

      Erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde die Kleidung reglementiert und seitdem ständig den Neuentwicklungen angepasst. Die Sportler tragen nun einteilige Anzüge mit festgelegten maximalen Luftdurchlässigkeitswerten (30 l/min–40 l/min), als Material dient Chintz-Stoff, der 3–5 mm dick sein muss; für Rücken- oder Gegenwindsituationen gibt es unterschiedliche Anzüge. Am Saisonbeginn werden die Anzüge vermessen und dann „verplombt“, während der Saison werden Stichprobenkontrollen durchgeführt. Seit 2003 dürfen die Sprunganzüge an 6 Körperstellen (Oberarme, Achselhöhle, Brustumfang, Gesäß, Torso, Oberschenkeln) den Springern individuell angepasst werden (Abweichung max. 6 cm). Anzüge und Sportler werden mit einem digitalen Body-Scanner vermessen. – Diese Festlegungen waren erforderlich, da die Österreicher bei der Vierschanzentournee 2002/03 durch einen Materialmix (Fischhaut-Anzüge) und einen längeren Schritt für ihre Springeranzüge Vorteile für ihre Starter herausholten. An den Ärmelenden sind Schlaufen angebracht, die zwischen den Fingern festgezogen werden, und so für einen möglichst faltenfreien Sitz sorgen. Die Beschaffenheit der Unterwäsche ist inzwischen ebenfalls vorgeschrieben. Dazu Fragen???

  6. Hallo!!! Heute in der Einzel-Qualifikation hat Geiger und Ryoyu Kobayashi Anzüge ohne Bänder angezogen. Konnte man sofort erkenne und auch Ergebnis stimmt!!! Was der Werner Kröpfl schreibt ist absolut Unsinn. Die Skispringer wechseln die Anzüge nach jedem Durchgang auch bei Training!!!
    Mann soll nachdenken wie bei Formel1. Ein Skispringer oder Skispringerin dürfen nur 2.Anzüge in eine Saison haben mit eine FIS Marke.

    • Natürlich Sie waren ja in der Umkleide dabei und im Wettkampf haben die ein Trikot drüber getragen, so das man diesen Bänden überhaupt nicht sehen konnte. Außer Sie haben einen Röntgenblick und können durch Wände und Kleidung schauen.

  7. Die Disqulifikationen wegen angeblich zu großer Anzüge ist eine Skandal.
    Die Überprüfung des Materials muss vor dem Springen stattfinden und nicht anschließend

    • Aber Jahrelang waren die Masse der Anzüge die zur DQ Geführt haben in Ordnung oder was? Quark was sie da schreiben, das war definitiv eine Racheakt der FIS oder der Polnischen Kontrolleurin gegen die Länder die sich wegen der Regelwidrigen Sprungschuhe der Polen beschwert haben.

    • Im Skispringen gilt diese Regel leider nicht. Einmal anders hingestellt, einmal nass geworden, einmal stärker am Anzug gezogen, … – ganz leicht wird da aus einem legalen Sprunganzug ein illegaler. Hier muss dringend das Regelwerk geändert werden, um eine derartige Farce für die Zukunft auszuschließen.

    • Demnach waren die Anzüge auch beim Einzelspringen zu groß. Das ist doch das Problem, dass mit zweierlei Maß gemessen wurde – buchstäblich! Man kann nicht die ganze Weltcup-Saison und das erste olympische Springen eine Präzedenz setzen, was man als Anzugmaß bei der Kontrolle akzeptiert und dann plötzlich beim für das Frauenskispringen wichtigsten Wettbewerb des Jahres – da neuer Bewerb auf der größte Bühne der Welt mit der Strahlkraft der männlichen Springer – alles über den Haufen werfen und die Frauen auf eben dieser Bühne als Betrüger bloßzustellen.

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